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Familientrennungen: Trumps Dekret hat einen Fehler – und 5 Fakten, die du kennen solltest

Nach Wogen der Empörung über die Trennung von Migrantenfamilien an der Grenze zu Mexiko hat US-Präsident Donald Trump das Ende dieser Praxis angeordnet. Nun sollen die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern ins Gefängnis.



Wo sollen wir anfangen? Ah ja, genau! Bei der Orthographie. Den aufmerksamen Twitter-Usern ist nicht entgangen, dass sich bei der Kommunikation zum Dekret des Weissen Hauses ein Rechtschreibefehler eingeschlichen hat. 

Das Nomen «seperation» schreibt man richtig «separation» (dt. Trennung). Twitter-User George Capen fragt sich, ob Donald Trump das selber geschrieben hat.

Die Ausgangslage

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden an der Südgrenze zu Mexiko die Familien von illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. US-Medien zeigten Bildern von Aufnahmelagern, in denen Kinder auf Gummimatten in Maschendrahtkäfigen nächtigten.

Ohne Worte. 

Das Newsportal «ProPublica» hat ein Tonbandschnitt von Kindern veröffentlicht, die von ihren Angehörigen getrennt wurden. Darauf sind Kleinkinder zu hören, die bitterlich weinten und nach ihren Müttern schrien. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass eigene Lager für «Kinder im zarten Alter» eingerichtet worden waren.

Die Verzweiflung ist ihnen anzuhören: Die Kinder aus Zentralamerika rufen weinend nach Ihren Eltern und Verwandten.

Das Dekret

Die Ministerin für Innere Sicherheit Kirstjen Nielsen hatte mit Trump nach US-Medieninformationen den ganzen Mittwochvormittag im Weissen Haus verbracht, um einen Entwurf für das Dekret zum Stopp der Familientrennungen zu verfassen. Der US-Präsident Donald Trump unterzeichnete dieses gleichentags.

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Donald Trump unterzeichnete am Mittwoch in Washington Dekret zum Stopp der Familientrennungen. Video: YouTube/TIME

Nach US-Rechtsprechung ist die Inhaftierung von Kindern gemeinsam mit ihren Eltern bisher nicht ohne weiteres möglich. Mehrere Gesetzentwürfe, die dies ändern sollen, hatten bisher keine parlamentarische Mehrheit gefunden. Eine Abstimmung ist nun für Donnerstag geplant, wie der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, am Mittwoch erklärte.

Was ändert sich nun?

Eigentlich nicht viel. Und an der Unerbittlichkeit von Trumps Politik sowieso nichts. Die wichtigste Neuerung besteht darin, dass Säuglinge, Kinder und Jugendliche nun gemeinsam mit ihren Eltern eingesperrt werden und nicht mehr getrennt von ihnen. Eine Ausnahme soll nur gelten, wenn die Haft schädlich für das Kindeswohl sein könnte, geht aus dem Erlass hervor.

President Donald Trump holds up an executive order he signed to end family separations, during an event in the Oval Office of the White House in Washington, Wednesday, June 20, 2018. Looking on is Homeland Security Secretary Kirstjen Nielsen, left. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)

Ob Donald Trump etwas zu verbergen hat? Still neben dem US-Präsidenten steht die Ministerin für Innere Sicherheit Kirstjen Nielsen. Bild: AP/AP

Er wolle «Familien zusammenhalten», sagte Trump. Stunden zuvor hatte er die Beendigung des Vorgehens angekündigt und dies mit «Mitgefühl» begründet. Gleichzeitig bekräftigte er sein Ziel, mit Härte gegen die illegale Einwanderung vorzugehen.

Mit dem Ende der Familientrennungen rückte Trump von seiner bisherigen Position ab. In den vergangenen Tagen hatte er noch argumentiert, seine Regierung sei durch die Gesetzeslage dazu verpflichtet, illegal ins Land kommenden Migranten ihre Kinder wegzunehmen, um diese in Heimen unterzubringen.

(Inter-)Nationale Empörung

Alle fünf lebenden First Ladys der USA, darunter auch Präsidentengattin Melania Trump, sowie zahlreiche Prominente aus vielen Bereichen der US-Gesellschaft hatten sich von der Ausländerpolitik Trumps distanziert. Vehemente Kritik kam auch aus dem Ausland. Die britische Premierministerin Theresa May sagte im Unterhaus in London: «Wir halten das für falsch.»

«Unmenschlich und nicht akzeptabel»

Papst Franziskus

Unter anderen hatte sich auch Papst Franziskus der Meinung der katholischen US-Bischofskonferenz angeschlossen, die Praxis der US-Grenzbehörden sei unmenschlich und nicht akzeptabel. «Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, ob er Staatsbürger ist, Einwanderer oder Flüchtling», schrieb der Pontifex am Mittwoch auf Twitter. «Das Leben von jemandem zu retten, der vor Krieg und Armut flieht, ist ein Akt der Menschlichkeit.»

Guatemala und Mexiko verurteilten die Praxis mit scharfen Worten. Das Vorgehen der US-Regierung sei grausam und unmenschlich, sagte Mexikos Aussenminister Luis Videgaray am Dienstag (Ortszeit) in Mexiko-Stadt. Am Mittwoch nun reagierte Trump und stoppte die Familientrennungen per Dekret. 

Und wer ist jetzt nochmals schuld?

Trump hatte bisher die oppositionellen Demokraten dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung gekommen ist. «Die Demokraten sind schuld», twitterte der Präsident noch am Mittwoch. Allerdings konnte auch die republikanische Mehrheitsfraktion keine klare Mehrheit für ein entsprechendes Gesetz herstellen.

(sda/afp/dpa/vom)

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • danmaster333 21.06.2018 09:49
    Highlight Highlight In welchem Fall ist eine Haft nicht schädlich für das Kindeswohl???
  • El Vals del Obrero 21.06.2018 09:42
    Highlight Highlight Man sollte einfach nicht vergessen, dass hier in Europa viele fordern, dass man Flüchtlinge zur Abschreckung doch im Meer versaufen lassen soll und die Rettung Schiffsbrüchiger immer mehr als strafbar angesehen wird. So viel besser sind wir leider nicht.
  • Hades 21.06.2018 08:56
    Highlight Highlight Dieser Tweet von Trumpel ist so falsch in so vieler Hinsicht.
    - Traumas in der Kindheit "breeds crime" not being an immigrant.
    - die Anderen sind schuld, dass ich nicht machen kann was ich will.
    - "But I am working on something - it never ends!" heisst das er arbeitet an einer Endlösung(!!)?

    Kaum zu glauben sowas ist wirklich US-Präsident ey :(
  • walsi 21.06.2018 08:28
    Highlight Highlight Die Kinder gehen nun mit den Eltern ins Gefängnis. Aber nur so lange bis die Lager gebaut sind in die man die Familien steckt. Ins Land werden sie nicht gelassen.

    Australien hat gezeigt, dass man mit einer null Toleranz Politik die Flüchtlingsproblematik in den Griff bekommt.
    • Saraina 21.06.2018 14:30
      Highlight Highlight Nein, man hält sich mit der australischen Methode die Flüchtlinge vom Leibe, die gehen dann einfach anderswo zu Grunde. Das Problem ist, wenn Menschen wertlos werden und problemlos interniert, gequält und dem Tod überlassen werden können, wird das früher oder später auch einen selber betreffen. Die Elite braucht uns nämlich nicht wirklich.
  • TheDude10 21.06.2018 08:01
    Highlight Highlight Wenn es sich nicht um die USA handeln würde, wäre die USA in diesen Schurkenstaat schon längst einmarschiert, oder hätten es zerbomt.
  • rodolofo 21.06.2018 07:51
    Highlight Highlight Da zeigt sich die scheussliche Fratze des Trump-Régimes in aller Deutlichkeit!
    - Mehr Geld und damit Macht für die Reichen und Super-Reichen.
    - Mehr Leid und Qualen für die Armen (v.a Ausländer)
    So ist der "Wohlstands-Faschismus".
    Und er setzt sich weltweit immer mehr durch!
    Entscheidend für diesen massiven "Rechtsruck" ist der sich immer so gemässigt und Kompromissbereit gebende Mittelstand: Aus Angst, selber in die Armut abzurutschen und ebenfalls zu leiden und gequält zu werden, verbünden sie sich mit den extremen "Rechtsnationalen", welche die Drecksarbeit machen für die "Sensiblen".
  • lilas 21.06.2018 07:16
    Highlight Highlight Bin klassisch konditioniert: sobald ich "Trump" lese wird mir automatisch übel.
  • roger.schmid 21.06.2018 06:59
    Highlight Highlight Bei aller Kritik an den USA kann man doch feststellen, dass massiver Druck und Proteste aus der Bevölkerung und den Medien gegen diese Null Toleranz Politik enstanden ist. Denke nicht, dass dies in allen anderen Ländern (z.b. im Osten) auch so passiert wäre..
  • Wenzel der Faule 21.06.2018 06:13
    Highlight Highlight Immer alle anderen sind schuld.. Wie lange schaut man dem senilen alten Mann noch zu?
    Hat der wirklich noch Unterstützer?
    Ich kanns einfach nicht glauben...
    Nur seine Anhänger sind noch dümmer als er selbst.
    • saderthansad 21.06.2018 07:08
      Highlight Highlight (Zu)vielen Leuten gefällt solches Tun, dort wie hier.
      Es ist nicht eine Frage von Links oder Rechts, um auch hier festzustellen, was passiert, wenn bürgerlich und populistisch gewählt wird.
    • Adam Gretener 21.06.2018 07:42
      Highlight Highlight Trumpwähler haben wir in der Schweiz genau auch. Die SVP würde, wenn man sie denn lassen würde, genau gleich vorgehen wie Trump.
    • Gonzolino_2017 21.06.2018 08:37
      Highlight Highlight Daran ist allerdings das politische System und nicht Trump schuld! Mit einen Zwei-Parteien System ist Uneinigkeit und Streit an der Tagesordnung, damit hatte auch Obama seine liebe Mühe ... spannend ist aber, dass wenn man gar nichts mehr negatives aus der Schublade holen kann, sogar die Rechtschreibung zur Kritik heranzieht ... und ja, man kann ihn mögen oder auch nicht - aber er Präsident! Und es gäbe noch viele Präsidenten auf dieser Erde, die man noch viel mehr an den Pranger stellen könnte bzw. müsste ...
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