International
Natur

Vulkan auf Island ausgebrochen – 4 Kilometer langer Spalt offen

Video: watson

4 Kilometer langer Spalt +++ 200 Kubikmeter Lava pro Sekunde +++ Fischerdorf bedroht

19.12.2023, 06:0521.12.2023, 12:26
Mehr «International»

Nach einer wochenlangen Erdbebenserie hat es auf der Reykjanes-Halbinsel in Island am späten Montagabend einen vulkanischen Ausbruch gegeben. Das teilte das isländische Wetteramt mit. Die Eruption habe nördlich des Ortes Grindavík kurz nach 22.00 Uhr (Ortszeit) begonnen, warnte das Institut auf seiner Homepage in der Nacht zu Dienstag.

The road is blocked at the entrance of the road to Grindav�k with the eruption in the background, in Grindavik on Iceland's Reykjanes Peninsula, Monday, Dec. 18, 2023. A volcanic eruption started ...
Bild: keystone

Auf Filmen und Fotos auf der Plattform X waren orange-rot glühende Lava-Fontänen zu sehen, die in den dunklen Nachthimmel schossen und diesen hell erleuchteten. Die Polizei forderte Schaulustige auf, sich der Lava nicht zu nähern. Der Ort Grindavik war aus Sorge vor einem Ausbruch bereits im November geräumt worden.

This image made from video provided by the Icelandic Coast Guard shows its helicopter flying near magma running on a hill near Grindavik on Iceland's Reykjanes Peninsula sometime around late Mond ...
Bild: keystone

Der Spalt vergrösserte sich im Laufe der Nacht und wuchs bis zum frühen Morgen auf etwa vier Kilometer an, wie ein Vulkanologe sagte. Der Riss ist Experten zufolge um ein Vielfaches länger als bei den Ausbrüchen der vergangenen Jahre auf der Halbinsel Reykjanes. Auch der Lavastrom sei viel grösser, etwa 100 bis 200 Kubikmeter Lava pro Sekunde strömten aus dem Spalt heraus. Der Zivilschutz rief die Notfallstufe aus.

epa11036649 A handout picture provided by Iceland Civil Defense shows a volcanic eruption north of Grindavik, Iceland, 18 December 2023. The Icelandic Meteorological and Seismological Office (MET) rep ...
Bild: keystone

Der Vulkanologe Ármann Höskuldsson sagte, der Riss erstrecke sich Richtung Grindavík. Glücklicherweise fliesse keine Lava in Richtung der dortigen Kraftwerke. Gebäude seine derzeit nicht gefährdet, hiess es. Die Eruption könnte seiner Einschätzung nach eine Woche bis zehn Tage andauern, sagte Höskuldsson dem isländischem Rundfunksender RÚV.

People watch as the night sky is illuminated caused by the eruption of a volcano on the Reykjanes peninsula of south-west Iceland seen from the capital city of Reykjavik, Monday Dec. 18, 2023. (AP Pho ...
Bild: keystone

Präsident empfiehlt Befolgung von Behörden-Anweisungen

Der Geophysiker Benedikt Ofeigsson von der isländischen Wetterbehörde sagte örtlichen Medienberichten zufolge, die Eruption sei am Sundhnjúka-Krater lokalisiert worden. Derzeit sei es schwer zu sagen, ob Infrastruktur oder der Ort Grindavík in Gefahr seien. Islands Präsident Gudni Jóhannesson schrieb auf Facebook, es sei noch unklar, welchen Schaden der Ausbruch anrichten könnte. Er bat die Menschen vor Ort, «in diesem gefährlichen Moment» allen Empfehlungen der Rettungsdienste zu folgen. Der Bürgermeister von Grindavík, Fannar Jónasson, sagte, er sei vom Zeitpunkt des Ausbruchs etwas überrascht gewesen, da sich die Erdbeben in den letzten Tagen etwas beruhigt hätten.

Der Ausbruch war allerdings befürchtet worden – in den vergangenen Wochen hatten sich Hunderte Erdbeben ereignet. Das Fischerdorf Grindavík war deswegen im November geräumt worden. Rund 4000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Zuletzt durften Einwohner von Grindavík ihre Häuser zwar tagsüber wieder betreten. Gänzlich zurückkehren durften sie demnach aber nicht.

Die nur wenige Kilometer vom Ort entfernt liegende Touristenattraktion Blaue Lagune war nach einer vorübergehenden Schliessung erst am Wochenende wieder eröffnet worden. Sie liegt nur rund 40 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Reykjavik. Zum Zeitpunkt der Eruption befand sich kein Gast dort, wie die wohl bekannteste Touristenattraktion auf der Insel mitteilte.

Jüngste Eruptionen trafen unbewohntes Gebiet

Gefährlich für Menschen sind nicht nur die Lavaströme, sondern auch Aschefall und freigesetzte Giftstoffe. Unter dem Ort auf der Reykjanes-Halbinsel, auf der es bereits drei Jahre in Folge zu Vulkanausbrüchen kam, verläuft ein rund 15 Kilometer langer Magma-Tunnel von Nordosten nach Südwesten ins Meer. Die jüngsten Eruptionen, zuletzt im Juli, trafen stets unbewohntes Gebiet.

Das Land der Gletscher, Vulkane und Geysire liegt auf der Naht zwischen nordamerikanischer und eurasischer Platte. Deshalb kommt es auf der Insel mit insgesamt knapp 390'000 Einwohnern häufig zu seismischer Aktivität. Vulkanausbrüche mit spektakulären Bildern locken auch immer wieder Schaulustige und Touristen an. Insgesamt gibt es mehr als 30 aktive Vulkane auf der Nordatlantik-Insel. (sda/dpa)

Video: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Depeche-Mode-Konzert wegen Handy unterbrochen – Frontmann Gahan hat klare Meinung
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
17 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Der Micha
19.12.2023 09:10registriert Februar 2021
Ich muss zu geben, dass die Bilder echt beeindruckend aussehen. Was für eine Kraft sich dahinter verbirgt.

Denn noch ist es saugefährlich und ich hoffe keine Person kommt zu Schaden.
342
Melden
Zum Kommentar
avatar
Der_Infant
19.12.2023 09:01registriert Oktober 2018
Hoffentlich geht es ohne Personenschaden durch und der Ort wird für die Bewohner wieder zugänglich.

Muss aber gestehen, dass sieht schon sehr gewaltig und eindrücklich aus, sowie in seiner Art schön.
Solche Dinge vor ca. 1100 Jahren wären ein weiteres schönes Indiz für das "Land der Götter" gewesen.
240
Melden
Zum Kommentar
17
Kurioser Zwischenfall in Lanzarote-Flieger – Gast beisst einen Polizisten

Bei vielen Reisenden sind auch in diesem Jahr die kanarischen Inseln wieder ein beliebtes Urlaubsziel. Und zum Urlaubsfeeling gehört für viele auch der ein oder andere Drink. Betrunkene und randalierende Touristen verbindet man wohl eher mit dem Ballermann auf Mallorca.

Zur Story