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Joe Cunningham, demokratischer Abgeordneter aus South Carolina, greift zur Gashupe. screenshot: youtube

USA wollen mit umstrittener Methode nach Öl suchen – Politiker reagiert grossartig

Ungewöhnliche Szenen spielten sich am Donnerstag in einer Anhörung in Washington, D.C. ab. Der demokratische Abgeordnete Joe Cunningham erhöhte den Lärmpegel im kleinen Sitzungszimmer auf 120 Dezibel, als er eine Gashupe betätigte.



Der Grund für den krachenden Stunt war eine Auseinandersetzung über umstrittene Praktiken zur Öl- und Gas-Suche vor der Ostküste der USA. Die Trump-Administration vergab vergangenes Jahr fünf Unternehmen die Erlaubnis, mit Luftdruckwaffen seismische Tests im Meer durchzuführen. Dazu werden alle zehn Sekunden Druckwellen ausgestossen.

Dies würde die Tiere nicht beeinträchtigen, sagte gestern Chris Oliver von der Trump-Administration, dafür gebe es keine Belege.

Der Demokrat Joe Cunningham sieht dies jedoch anders. Er befürchtet, dass unter anderem die 400 nordatlantischen Glattwale, welche vor der Ostküste leben, stark gefährdet würden. Diese benutzen Echoortung, um sich zu ernähren, sich zu paaren und ihre Babys zu finden.

Bereits jetzt ist die Spezies vom Aussterben bedroht, durch die Tests könnte sich ihre Lage noch einmal verschärfen.

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Vor der Ostküste Nordamerikas leben nur noch 400 Glattwale, Echoortung ist für sie überlebenswichtig. bild: shutterstock

Um allen Anwesenden klarzumachen, wie laut die seismischen Tests sind, zückte Cunningham mitten in der Anhörung eine Gashupe. Er wandte sich Oliver zu und fragte:

«Ist es richtig, zu sagen, dass seismische Luftgewehrblasen extrem laut und störend sind ... ist das richtig?»

Oliver antwortete etwas überrascht: «Ich weiss es nicht genau, wie laut es ist. Ich habe es eigentlich noch nie selber erlebt.»

Also fragte Cunningham den Vorsitzenden und die weiteren Sitzungsteilnehmer, ob es okay sei, die Hupe zu betätigen. Als alle ihr Einverständnis gaben, drückte er ab.

Die ganze Szene im Video: Demokrat betätigt Gashupe in Sitzungssaal

Die Folge : Ein ohrenbetäubender Lärm von 120 Dezibel füllte den Raum, einige Anwesende zuckten zusammen.

Cunningham seinerseits fuhr seelenruhig fort: «War das störend?», fragte er Oliver.

Oliver antwortete: «Es war irritierend, aber ich fand es nicht zu störend.»

Das wollte Cunningham nicht gelten lassen und legte nach: «Und wie wäre das alle zehn Sekunden über Tage, Wochen und Monate?»

Kurze Pause.

Dann wieder Oliver: «Wenn ich so nahe dran wäre, dann wahrscheinlich schon.»

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Liess nicht locker: Joe Cunningham.

Cunningham: «Und wie wäre es, wenn Sie von Geräuschen abhängig sind, um ihr Essen zu jagen und zu kommunizieren, wäre es dann störend?»

Oliver: «Auf eine Distanz von 20 Fuss wäre es das.»

Cunningham: «Was denken Sie, wie viel lauter sind seismische Luftwaffensprengungen als diese Gashupe, die Sie eben gehört haben?»

Oliver: «Das weiss ich ehrlich gesagt nicht.»

Cunningham hakte nach und machte einige Vorschläge. Zehn Mal lauter? 100 Mal lauter? 1000 Mal lauter?

Oliver: «Das bezweifle ich.»

Cunningham: «Und was, wenn ich Ihnen erzähle, dass es 16'000 Mal lauter ist?»

Darauf musste Oliver erst einmal leer schlucken. Dieser Stunt hatte definitiv gesessen.

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War gestern nicht zu beneiden: Chris Oliver, der Vertreter der «National Oceanic and Atmospheric Administration». screenshot: youtube

Später fuhr der Vertreter der Regierung jedoch fort, die umstrittene Praxis zu verteidigen. Man treffe Vorsichtsmassnahmen, damit die Tests nicht zu nahe an den Tieren durchgeführt würden. Zudem gebe es keine Beweise, dass im Golf von Mexiko oder im Pazifik, wo die Tests bereits regelmässig durchgeführt würden, je ein Wal deswegen ums Leben gekommen sei. (cma)

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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Trajane
08.03.2019 11:15registriert August 2015
Tolle Aktion von Cunningham!
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DerHans
08.03.2019 11:20registriert February 2016
Da wurde einer so richtig vorgeführt.
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MacB
08.03.2019 11:21registriert October 2015
Business über allem...es ist zum kotzen. lg ein ehemals Liberaler.
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57

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