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Luftfahrt

Warum im Flugzeug immer mehr Passagiere ausflippen

Über den Wolken...haben sich nicht alle Passagiere im Griff. (Symbolbild)
Über den Wolken...haben sich nicht alle Passagiere im Griff. (Symbolbild) bild: getty

17 Prozent mehr Ausraster an Bord: Warum immer mehr Passagiere im Flugzeug ausflippen

Über den Wolken haben sich nicht immer alle Fluggäste im Griff – auch an Bord von hiesigen Fluggesellschaften wie der Swiss.
28.01.2026, 08:2128.01.2026, 08:21
Benjamin Weinmann / ch media

Es sind Fälle wie dieser: An Bord eines Flugs der US-Airline Southwest kam es vor einigen Tagen zu Ausschreitungen. Ein Passagier verlor die Nerven, weil er dachte, dass ein anderer Fluggast mit seiner Frau flirtete. Daraufhin folgte ein verbaler Schlagabtausch mit Fluchworten, der in einer Essensschlacht endete. Der Pizza werfende Passagier musste in der Folge das noch parkierte Flugzeug auf Anweisung der Crew verlassen. Ein Clip des Vorfalls verbreitete sich danach auf Social Media.

Solche Fälle werden weltweit in der sogenannten «Unruly Passenger»-Statistik verbucht. Auch beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Auf Anfrage von CH Media teilt das Amt die neusten Zahlen für das Jahr 2025 mit. Und diese zeigen: Auch im vergangenen Jahr zählten hiesige Airlines wie Swiss, Edelweiss, Easyjet Switzerland, Helvetic Airways und Chair so viele renitente Gäste wie noch nie.

Total waren es 2021 Unruly Passengers. Im Vorjahr waren es 1730 Fälle gewesen. Das Plus im vergangenen Jahr betrug also 17 Prozent. 2024 hatte die Zunahme sogar 30 Prozent betragen (CH Media berichtete). Angeführt wird die aktuelle «Hitliste» der Rüpel-Aktionen von verbalen Entgleisungen von Pöbel-Passagieren gegenüber dem Airline-Personal. Dazu kam es in 518 Fällen.

166 Bussen ausgesprochen

Dahinter folgt das Nichtbefolgen von Crew-Instruktionen (480), wie das Anschnallen oder das Ausschalten von Elektronikgeräten. In 297 Fällen hielten sich Passagiere nicht ans Rauchverbot, 228 Mal kam es zu Problemen aufgrund von Alkohol- oder Drogenmissbrauch und 168 Passagiere konsumierten unerlaubterweise mitgebrachten Alkohol an Bord. Zudem gab es 90 Fälle von Gewalt sowie 45 Fälle von sexueller Belästigung.

Insgesamt sprach das Bazl 166 Bussen aus – 24 mehr als im Vorjahr – und eröffnete 205 Verwaltungsstrafverfahren. Die Bussen bewegen sich jeweils zwischen 400 und 1000 Franken. Allerdings: «Eine Durchsetzung ist oft schwierig, da viele Passagiere nach ihrer Rückkehr ins Ausland schwer zu identifizieren sind», sagt Bazl-Sprecherin Christine Caron-Wickli.

Die Häufung der saufenden, rauchenden und fluchenden Fluggäste hat nicht nur mit dem Boom in der Aviatik zu tun. Denn die Zunahme ihrer Fälle übersteigt die Wachstumsrate der Passagierzahlen deutlich.

Leichter Anstieg bei der Swiss

Die Swiss hat laut Sprecher Michael Pelzer einen leichten Anstieg im vergangenen Jahr verbucht. Demnach ist die Anzahl renitenter Passagiere pro 100'000 Fluggäste von 6,6 auf 6,7 gestiegen. Bei der Swiss handle es sich dabei nicht um ein Allzeithoch, sagt Pelzer.

Zudem verweist der Swiss-Sprecher auf die Möglichkeit, dass die Sensibilität der Crew für unflätiges Verhalten gestiegen sei und solche Fälle deswegen möglicherweise schneller gemeldet würden. Man halte die Crew-Angestellten denn auch an, sämtliche Vorfälle zu melden. Wie viele Flugverbote die Swiss 2025 ausgesprochen hat, gibt die Airline nicht bekannt. Laut Pelzer kommt dies nur bei besonders schweren Fällen oder wenn es sich um Wiederholungstäter handelt.

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Roli_G
28.01.2026 11:01registriert Januar 2021
Die Qualität des Fliegens ist auch stark gesunken. Immer weniger Platz, weniger Service an Bord.

oder

durch die Unmode ja nie Gepäck aufzugeben sondern alles in die Kabine mitzunehmen gibt es immer wieder regelrechte Kämpfe um den verbleibenden Platz in der Ablage.

usw.

Es würde mir nicht in den Sinn kommen desswegen rumzupöbeln. Aber das Fliegen war schon einiges angenehmer früher (und einiges teuerer).
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Roger Rüebli
28.01.2026 11:25registriert Juni 2018
Rückt die Stühle nur noch näher zusammen 🤷‍♂️
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