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Niederlande: Klimaaktivist spricht nach Vorfall mit Greta Thunberg

Video: watson

Klimaaktivist nach Mikrofon-Vorfall mit Greta Thunberg: «Fühlte mich missbraucht»

13.11.2023, 22:1414.11.2023, 15:07
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Der niederländische Klimaaktivist, der Greta Thunberg auf einer Kundgebung in Amsterdam nach deren erneut klarer Parteinahme für Palästina im Gaza-Krieg Kontra gab, warnt vor einer Spaltung der Klimaschutzbewegung.

«Wenn Greta Thunberg oder andere führende Aktivisten ständig über die Palästina-Frage sprechen, sorgt das für Uneinigkeit», sagte Erjan Dam dem «Spiegel» in einem am Montagabend veröffentlichten Interview.

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«Menschen, die anderer Meinung sind, werden von solchen Reden abgestossen. Das schadet der Sache», sagte Dam weiter und forderte: «Die Klimaschutzbewegung sollte sich auf ihr Kernthema konzentrieren: den Klimaschutz.» Er jedenfalls sei enttäuscht: «Ich fühlte mich missbraucht - und viele andere Teilnehmer auch.»

Dam, ein pensionierter Physiotherapeut, der sich laut «Spiegel» seit Jahren für den Natur- und Gewässerschutz einsetzt, war am Sonntag vor laufenden Kameras auf die Bühne gesprungen und hatte ins Mikrofon gerufen: «Ich bin für eine Klimademonstration hierher gekommen, nicht, um politische Ansichten zu hören.»

Thunberg rief die Teilnehmer daraufhin auf, Ruhe zu bewahren und skandierte dann mehrfach: «Auf besetztem Land gibt es keine Klimagerechtigkeit.» Sie spielte damit offenkundig auf die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete an.

Climate activist Greta Thunberg, second left, is interrupted by a climate activist after Thunberg expressed solidarity with the Palestinians as tens of thousands of people marched through Amsterdam, N ...
Hier kommt es zum Zwischenfall in Amsterdam. Bild: keystone

Nach einer ähnlichen Aktion im vergangenen Monat war Thunberg bereits dafür kritisiert worden, dass sie die israelischen Opfer des Massakers der Hamas vom 7. Oktober mit rund 1200 Toten nicht gesondert erwähnt hatte. An der Klimademonstration beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter rund 85'000 Menschen; sie war damit die bisher grösste derartige Demo in den Niederlanden.

Dam sagte in dem Interview weiter, er habe Thunberg immer bewundert. «Aber wenn sie jetzt ständig über Palästina statt Klimaschutz spricht, tut das der Klimaschutzbewegung nicht gut.» Wie viele andere sei er «extra für diese Demonstration nach Amsterdam gereist». Aber bei dem Protest sei es kaum um den Klimaschutz oder die Umwelt gegangen, «sondern hauptsächlich um das Palästina-Problem».

Ständig hätten Redner auf dem Podium über den Nahen Osten gesprochen; manche hätten die Stimmung gegen Israel angeheizt. «Dabei waren wir doch gekommen, um für den Klimaschutz zu protestieren.» Viele Zuhörer seien so enttäuscht gewesen, dass sie weggegangen seien. Irgendwann sei er auf das Podium gestiegen, um zu sagen, «dass es hier um Klimaschutz geht und nicht um Nahost».

(sda/dpa)

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92 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ruedi crösus
13.11.2023 22:28registriert Juni 2020
Er hat meines Erachtens zu 100% recht!
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Hundshalter Leno
13.11.2023 22:46registriert September 2023
Kann man absolut verstehen. Wer an eine Veranstaltung von Thema X geht will nicht plötzlich das Gesicht hinhalten weil es um Thema Y geht.
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ZEUS aKal-El
13.11.2023 22:53registriert März 2021
Ich kann mit ihm mitfühlen:
Da reist man extrem weit um für ein wichtiges Thema zu demonstrieren für das man sein halbes Leben lang kämpft, nur um dann zu hören dass "andere Dinge" wichtiger sind um diese Ziele zu erreichen...

Ich habe Greta auch mal bewundert...aber wenn sie jemanden (nicht nur ihm) nicht zuhören will, der offensichtlich sehr viel Ahnung hat vom Klimaschutz, ist die Bewegung mit ihr am Ende.
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