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Mit Tattoo zum Klimaticket – Aktion in Österreich sorgt für Ärger

Mit Klima-Tattoo gratis durchs Land reisen – Aktion in Österreich sorgt für rote Köpfe

28.08.2023, 13:4028.08.2023, 13:58
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Einer der nun frisch gebackenen Klimaticket-Besitzer beim Stechen.Bild: APA/APA

Eine PR-Aktion der gewagten Sorte: In Österreich konnten sich Besucherinnen und Besucher zweier Festivals an speziellen Ständen «Klimaticket»-Tattoos stechen lassen. Die jeweils ersten drei erhielten dann ein Klimaticket umsonst. Der Slogan:

«Diese Aktion geht unter die Haut.»

Kurioser Deal: Tattoo gegen Ticket

Das Klimaticket in Österreich ist vergleichbar mit dem Schweizer Generalabonnement. Wer ein landesweites oder regionales Klimaticket besitzt, kann je nach Auslegung den gesamten Linienverkehr (Schiene und Strasse, öffentlich und privat) nutzen. Das «Klimaticket Ö» (landesweit) kostet pro Jahr 1095 Euro. Der Name kommt davon, dass mit der Nutzung des öffentlichen Verkehrs die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden sollen.

Mit einem Tattoo-Stand wurde das Klimaticket sowohl am Electric-Love-Festival in Salzburg im Juli als auch am Frequency-Festival in St. Pölten Mitte August beworben.

An letzterem nahm auch die österreichische Umweltministerin Leonore Gewessler teil. Auch sie liess sich ein Klimaticket-Tattoo verpassen – allerdings bloss eines der kinderfreundlichen, abwaschbaren Sorte.

«Bisher unbekannte Stufe der Geschmacklosigkeit»

Insgesamt profitierten sechs Menschen von der Aktion. Dafür hagelt es nun Kritik von beiden Seiten des politischen Spektrums, wie das Heute-Journal berichtete. In einer parlamentarischen Anfrage an die Umweltministerin kritisierte die SPÖ-Politikerin (Sozialdemokratische Partei Österreichs) Julia Herr vergangene Woche:

«Das Konzept, Menschen im Auftrag eines Bundesministeriums als Permanent-Werbeflächen zu missbrauchen, ist eine bisher unbekannte Stufe der Geschmacklosigkeit.»

Die SPÖ möchte nun von der Ministerin wissen, inwiefern sie und ihr Kabinett in die Planung dieser Werbeaktion involviert gewesen seien. Zudem fordern sie eine Erklärung dafür, wieso sie sich selbst bloss ein abwaschbares Tattoo habe aufkleben lassen.

Auch Sebastian Stark, Landesobmann der Jungen Volkspartei Niederösterreich (JVP), ist nicht erfreut. Er sieht in der Aktion eine reine Werbeaktion der Ministerin für die eigene Sache und hält sie für zynisch. Bei sechs erfolgreich «verschenkten» Tickets kosteten die Tattoos den Staat über 6000 Euro.

Tattoo-Ideen fürs Klimaticket

Die Aktion wurde auch auf dem offiziellen «Klimaticket»-Kanal auf Instagram beworben. Dazu gab es diverse Motiv-Ideen, die man sich stechen lassen konnte:

Diese dienten allerdings bloss zur Inspiration: Das Klimaticket erhielt man nur dann, wenn man sich «Klimaticket» als Schriftzug tätowieren liess.

Welches dieser durchaus vielfältigen Motive hättest du dir stechen lassen? Hau's in die Kommentare!

(cpf)

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An diesen Tattoos hat Mami vermutlich keine Freude
1 / 48
An diesen Tattoos hat Mami vermutlich keine Freude
Okay, das Ding ist irgendwie süss.
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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Darkside
28.08.2023 13:54registriert April 2014
Wenn das GA hierzulande auch so preiswert wäre, hätte ich auch eins. Ein Tattoo würde ich mir dafür aber nicht stechen lassen.
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Snowy
28.08.2023 15:09registriert April 2016
An alle, die hier grosse Töne spucken...

Jede/r ist käuflich.
Ist lediglich eine Frage des Preises.

Man kann sich nun darüber belustigen, dass sich der Pöbel für 1'000 Euro ein Tattoo stechen liess.
Aber wie wär's bei 100'000.- oder gar 1'000'000.- - da wären die Leute (und sicherlich auch einige Kommentarschreiber hier) Schlange gestanden...

Darum:
Jede/r hat ein Preisschild... und zwar für (fast) alles. Es variiert lediglich der Preis.
Irgendwie beunruhigend zu wissen.
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Botti
28.08.2023 14:08registriert Oktober 2017
Menschen verkaufen ihr Körper, damit sie den Zug zur Arbeit finanzieren können. Das ganze wird vom Bundesministerium noch propagiert.
Mich gruselts nur noch.
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Hat unsere Gesellschaft ihren politischen Kompass verloren? Beweise uns das Gegenteil!
Ordne die zehn Zitate von linksextrem (=0) bis rechtsextrem (=100) ein und beweise, dass unsere Gesellschaft noch intuitiv einschätzen kann, wo sich die Politikerinnen und Politiker dieser Welt auf dem Polit-Spektrum befinden.

Als die Ergebnisse der Europawahlen langsam eintrudelten, konnte watson in den Kommentarspalten ein interessantes Phänomen beobachten: Die Userinnen und User stritten sich darüber, welche Politikerinnen, Politiker und Parteien links oder rechts auf dem politischen Spektrum stehen. So behaupteten manche etwa, Europa sei in den letzten Jahrzehnten von linken Parteien geführt worden und kassiere nun mit dem Rechtsrutsch im Europaparlament die Quittung dafür.

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