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Schauspiellegende Helmut Berger ist tot

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Österreichische Schauspiellegende Helmut Berger ist tot

18.05.2023, 14:4518.05.2023, 16:08
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Udo Kier (l.) mit Helmut Berger beim Dreh zu «Das fünfte Gebot» von Duccio Tessari, 1978.
Helmut Berger, rechts, in «Das fünfte Gebot» 1978.Bild: dpa

Der österreichische Schauspieler Helmut Berger («Die Verdammten») ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 78 Jahren in Salzburg, wie seine Agentur mitteilte: «Voller Trauer müssen wir Sie, als Agentur von Schauspiellegende Helmut Berger, über dessen Ableben informieren.»

Demnach sei der österreichische Schauspieler am Donnerstag um vier Uhr morgens «friedlich», aber dennoch «unerwartet» in seiner Heimatstadt Salzburg verstorben. Am 29. Mai hätte er seinen 79. Geburtstag gefeiert. «Wir danken für all die vielen Jahre der Freundschaft und Zusammenarbeit!», heisst es in dem Statement weiter.

Helmut Berger fand in den Sechzigerjahren den Weg zur Filmbranche. Er spielte in einer langen Liste an Filmen mit, dazu zählen «Das Bildnis des Dorian Gray», «Der Pate III» oder auch «Rosen von Danzig». Darüber hinaus schaffte er auch den Spruch ins deutsche Trash-TV: 2013 nahm er an der RTL-Show «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» teil.

Bekannt wurde Berger mit seinen Rollen in «Die Verdammten» aus dem Jahr 1969 und «Ludwig II.» drei Jahre später. Für ersteren wurde er 1970 für den Golden Globe als bester Nachwuchsschauspieler nominiert. Bei beiden Filmen führte Luchino Visconti Regie.

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Berger 1974Bild: www.imago-images.de

Der 38 Jahre ältere Italiener hatte Berger entdeckt, er wird sein Lebensgefährte und "Vaterersatz". Visconti stirbt 1976 und Berger stürzt in eine Krise. Es folgen ein Selbstmordversuch, Alkoholexzesse, ein dekadenter Lebensstil, aber kaum noch neue grosse Rollen. Berger sagt, dass er sich nach Visconti niemals mehr in jemanden verliebt habe.

Beruflich wie privat bleibt der grosse Aufschwung stets aus. Berger zehrt zunehmend von seiner Vergangenheit und dem Prädikat des einst "schönsten Mannes der Welt", als der er das Cover der Zeitschrift «Vogue» zierte. Statt mit schauspielerischen Leistungen macht er mehr mit Auftritten in Talkshows von sich reden. «Ich bin total versackt», erklärt er schliesslich 1996 in Harald Schmidts damaliger Sat.1-Show.

Die grosse Aufmerksamkeit wird ihm tatsächlich erst wieder zuteil, als er 2013 ins RTL-Dschungelcamp zieht. Aus gesundheitlichen Gründen steigt er bereits nach wenigen Tagen wieder aus, doch plötzlich kennen ihn auch jüngere Menschen. Besonders zuträglich für sein Image war der Auftritt aber sicher nicht.

ARCHIV - 01.07.2013, Bayern, M�nchen: Helmut Berger, Schauspieler aus �sterreich, kommt im Rahmen des Filmfests M�nchen zur Verleihung des CineMerit Award. Berger starb am 18.05.2023 im Alter von 78 J ...
Helmut Berger 2013Bild: keystone

«Es ist mir scheissegal», sagte Berger der Filmemacherin Peters, als sie ihn fragte, was andere wohl über ihn denken. Berger schützte sich selbst – oder war er einfach nur abgehoben und selbstverliebt? Seine öffentlichen Auftritte waren zu unterschiedlich, um darauf eine klare Antwort zu geben.

«Blossstellend und herabsetzend»

Vor ein paar Jahren noch stritt er sich vor Gericht mit dem Regisseur Andreas Horvath, der ihn im Dokumentarfilm «Helmut Berger, Actor» bei der Selbstbefriedigung gezeigt hatte. «Blossstellend und herabsetzend» seien einige Szenen gewesen, so der Vorwurf.

Die Veröffentlichung der Produktion hatte für Berger damals auch private Folgen: Sein Ehemann Florian Wess trennte sich von ihm. «Und dann sitze ich da und sehe, wie der Helmut dargestellt wird. Als richtig abgewrackter alter Mann, ich sehe wie er im Bett liegt, mit seinem Penis in der Hand und anfängt zu masturbieren. Vor laufender Kamera, mit einem Regisseur. Ich habe mich so geschämt», sagte er 2015 der «Bild»-Zeitung, nachdem er den Film bei den Filmfestspielen in Venedig gesehen hatte.

Helmut Berger, Meine Mutter und Ich, Filmpremiere, Salzburg, *** Helmut Berger My Mother and I Film Premiere Salzburg
Helmut BergerBild: www.imago-images.de

Kurz vor seinem 70. Geburtstag 2014 berührte Berger derweil mit einem eher stillen Auftritt: Zittrig und gesundheitlich angeschlagen zeigte er sich zur Weltpremiere von «Saint Laurent» auf dem roten Teppich des Filmfestivals von Cannes. 2018 folgte dann in hohem Alter sein Theaterdebüt: An der Volksbühne Berlin spielt Berger an der Seite von Ingrid Caven einen Baron der Barockzeit.

Am Ende bleibt nun die Frage, welches Bild sich von Berger nach seinem Tod in den Erinnerungen der Menschen festsetzen wird. Bettina Vorndamme, die eine Dokumentation über ihn gedreht hat und ihn dabei kennenlernten durfte, hat ihr Fazit damals bereits gezogen: «Er ist nicht wie wir. Es wird immer so sein, dass wir ihn nicht verstehen können.»

(aeg/sda/dpa)

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quelle: ap / rusty kennedy
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