Jetzt soll im Schwarzwald ein ganzes Dorf zum Hotel werden
Touristen sollen kommen, aber Hotelklötze, das will niemand. Vor allem nicht in einem idyllischen Dorf. Und die Touristen wollen sich auch nicht immer als Touristen fühlen, sondern wären vielleicht gerne eher Teil des Ortes.
Auf diesem Konzept beruht das Konzept «Albergo Diffuso», was so viel wie «verstreutes Hotel» bedeutet und seine ersten Schritte in Italien machte. Kurz zusammengefasst: Das Hotel besteht nicht aus einem einzigen Gebäude mit vielen Zimmern, sondern aus vielen Gebäuden mit wenigen Zimmern, verteilt im Dorf. Frühstück gibt's in der Bäckerei, Abendessen in der Dorfbeiz.
Das Konzept kennen wir auch in der Schweiz. Die ehemals kleinste Gemeinde im Tessin – Corippo – verwandelte sich ab 2017 in ein Hotel. Die Idee wurde 2022 am oberen Ende des Verzasca-Stausees endgültig umgesetzt. Seither kann man in der «Corippo Albergo Diffuso» in verschiedenen Gebäuden des kleinen Dorfes übernachten. Allerdings zählte das Dorf zum Zeitpunkt des Entscheids noch 14 Einwohnerinnen und Einwohner. Nicht mehr sehr viel.
Auch im Walliser Dorf Grengiols wurde 2024 ein ähnliches Projekt umgesetzt. «Poort an Poort» (Tür an Tür) heisst es dort, seit September 2024 empfängt man Gäste im Dorf mit rund 400 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Dorfkern soll belebt werden
Im Schwarzwald ist man noch nicht ganz so weit. Es wird aktuell ein Dorf gesucht, welches ein Hotel werden möchte. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis am 30. März. Hinter dem Konzept stehen die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) und die Beratung Compass Tourismus Partner eG (co:compass). Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.
Die Massnahme soll das Dorfleben ankurbeln, leerstehende Häuser nutzen und Touristinnen und Touristen in Kontakt mit den Einheimischen bringen. Und vielleicht ist es auch noch ein bisschen Marketing der Region.
Drei Bewerbungen sind fix
Projektleiterin Heide Glasstetter vom Tourismusverband meldete diese Woche, dass sich drei Dörfer schon beworben haben, fünf weitere hätten grosses Interesse. Um welche Dörfer es sich dabei handelt, werde man erst im Auswahlprozess mitteilen, wie die «Bild» erfahren hat. Dies soll spätestens Ende April der Fall sein.
Glasstetter sagt gegenüber der Zeitung auch: «Es muss ein Ensemble von Gebäuden sein, die nicht mehr als 400 Meter auseinanderliegen, damit das Konzept noch aufgeht.» Die Bewerber müssen darum glaubhaft beweisen, dass das Dorf hinter dem Projekt steht. Denn die Erfahrung aus Italien habe gezeigt: wenn diese Hotels scheitern, dann meist, weil der lokale Rückhalt fehlte.
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