International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epaselect epa08081665 Russian President Vladimir Putin during his annual life-broadcasted news conference with Russian and foreign media at the World Trade Center in Moscow, Russia, 19 December 2019. A total of 1,895 journalists were accredited for Putin's annual news conference.  EPA/YURI KOCHETKOV

Bild: EPA

«Wir dürfen nicht untätig bleiben» – Putin fürchtet Verwüstungen durch Klimawandel

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich zum Kampf gegen den Klimawandel bekannt. Er skizzierte in seiner jährlichen Fragerunde dramatische Folgen für Teile Russlands.

Lars Wienand / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Wladimir Putin hat in seiner jährlichen Pressekonferenz für Journalisten aus aller Welt den Kampf gegen den Klimawandel zur wichtigen Aufgabe erklärt. «Wir dürfen nicht untätig bleiben, wir müssen alles tun, was wir können, um den Klimawandel zu stoppen», sagt der russische Präsident vor fast 1900 Journalisten. Gleich die erste Frage in der mehrstündigen Fragerunde zielte auf das Thema.

«Wir dürfen nicht untätig bleiben, wir müssen alles tun, was wir können, um den Klimawandel zu stoppen.»

Wladimir Putin

Putin sagte, Russland sei von der Erderwärmung deutlich stärker betroffen als die Erde im Durchschnitt. «Unsere Temperaturen steigen um den Faktor 2.5 schneller als im Durchschnitt auf dem Planeten.» Ganze Städte seien auf Permafrostböden gebaut, «wenn die auftauen, können Sie sich vorstellen, was für Folgen das haben kann. Das kann zur Verwüstung einiger Regionen führen, das betrifft uns alle.»

In Teilen des Landes sei die Lage «weit davon entfernt, in Ordnung zu sein». Es sei bei weitem nicht normal, wie viele Waldbrände es in Sibirien gegeben habe, was die Luft auch in Grossstädten belastet habe. Die Feuer könnten im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Verursacht seien sie aber in der Regel vom Menschen, es sei mehr Aufklärung nötig. 

«Ob wir das schaffen, weiss ich nicht»

Das Land sei für sechs Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich. Russland bekenne sich zum Ziel, den CO2-Ausstoss gegenüber 1990 um 25 bis 30 Prozent zu senken, um die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen, sagte Putin. «Ob wir das alle gemeinsam schaffen, weiss ich nicht.» Russische Journalisten werteten Putins Statement als wichtiges Signal an die russische Gesellschaft. Er sagte allerdings auch, die Neigung der Erdachse oder die Veränderung der Erdumlaufbahn könnten zur Klimaveränderung beitragen.

Für die Pressekonferenz sind 1895 Journalisten akkreditiert – so viele wie noch nie. Der traditionell im Dezember angesetzte Termin dauert mehrere Stunden. Zugelassen sind auch unabhängige und Kreml-kritische Medien. Es dürften alle Fragen gestellt werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Erwartet werden Antworten zu dem von Menschenrechtlern beklagten Druck auf Andersdenkende und auf die Opposition in Russland. Kritiker werfen dem Kreml totalitäre Tendenzen vor. Putin wurde in der Pressekonferenz allerdings mit Beifall empfangen. Beobachter gehen davon aus, dass dem Präsidenten auch abgesprochene Fragen gestellt werden.

Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker

Innenpolitische Themen im Fokus

Putin dürfte sich wohl nicht zuletzt zu dem in der russischen Gesellschaft viel diskutierten Thema der häuslichen Gewalt äussern. Tausende Frauen und Kinder sterben jedes Jahr durch Angriffe von Männern zu Hause. Gegen ein erstmals nach westlichem Vorbild geplantes Gesetz gegen die Gewaltexzesse gibt es allerdings massive Proteste von orthodoxen Christen und ultrakonservativen Kräften.

Nach Kreml-Angaben bereitet sich der russische Präsident schon seit Tagen auf das weltweit beachtete Ereignis vor. Übertragen wird die Frage-Antwort-Runde live im Rundfunk und im Internet.

Politologen hatten zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass die Sehnsucht in Russland nach politischen Veränderungen gross sei. Umfragen zufolge sind viele Menschen zudem mit der wirtschaftlichen Lage unzufrieden. Sie beklagen etwa Stagnation und geringe Einkommen.

Präsident Putin ist in diesem Jahr seit 20 Jahren an der Macht – zeitweilig auch in der Funktion des Regierungschefs. Seine laut Verfassung vorerst letzte mögliche Amtszeit als Präsident dauert bis 2024. 

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Globaler Klimastreik treibt Hunderttausende auf die Strasse

Zehntausende protestieren auf den Strassen Russlands

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Wir sind sprachlos» – 250'000 Flüge von Privatfliegern sollen keine Klimaabgabe zahlen

Passagiere von Linien- und Charterflügen müssen bald eine Umweltabgabe berappen. Hobbyflieger hingegen nicht. Unter Federführung der CVP plant der Ständerat zusätzliche Ausnahmen, von denen besonders der Pilatus PC-24 profitiert. Die Klimastreikenden sind entsetzt.

Fliegen ist ein Klima-Killer und soll deshalb für die Otto-Normalverbraucher teurer werden. Geht es nach dem Willen des Parlaments, sollen die Passagiere von Linien- und Charterflügen künftig mittels Flugticketabgabe zwischen 30 und 130 Franken extra berappen. Dies je nach Flugdistanz und Reiseklasse.

Wer aber mit einem kleinen Privatflugzeug herumfliegt, soll keine Klimaabgabe zahlen müssen. Der Nationalrat will alle Flugzeuge, die leichter als 5700 Kilo sind, von der Klimasteuer befreien. …

Artikel lesen
Link zum Artikel