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Belarus: Lukaschenko bietet «Atomwaffen für alle», unter einer Bedingung

Lukaschenko bietet «Atomwaffen für alle» – unter einer Bedingung

Lukaschenko und Putin wollen ihren Einfluss in den alten Sowjetrepubliken ausbauen. Für die Erweiterung ihres Unionsstaates werben sie mit einem ungewöhnlichen Angebot.
29.05.2023, 18:27
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Ein Artikel von
t-online

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko lädt andere Länder ein, dem Unionsstaat von Belarus und Russland beizutreten und im Gegenzug ebenfalls taktische Atomwaffen zu erhalten. «Niemand ist dagegen, dass Kasachstan und andere Länder die gleichen engen Beziehungen zur Russischen Föderation haben wie wir», sagte Lukaschenko in einem am Sonntagabend veröffentlichten Interview des russischen Staatsfernsehens.

In this photo released by Roscongress Foundation, Russian President Vladimir Putin, right, and Belarusian President Alexander Lukashenko talk to each other during the plenary session of the Eurasian E ...
Der belarussische Präsident Lukaschenko und der russische Präsident Putin: Die beiden Staatschefs werben nun für neue Mitglieder ihres Unionsstaates.Bild: keystone

«Wenn sich jemand Sorgen macht ... ist es ganz einfach: Treten Sie dem Unionsstaat Belarus und Russland bei. Das ist alles: Es wird Atomwaffen für alle geben.» Russland treibt derzeit seinen Plan voran, taktische Atomwaffen in seinem Nachbarland Belarus zu stationieren, das auch an die Ukraine grenzt. Es wäre das erste Mal seit dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991, dass solche Sprengköpfe ausserhalb Russlands stationiert wären.

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Die Staats- und Regierungschefs der ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Belarus, Russland, Kasachstan und Kirgistan: Könnten sie bald Teil des Unionsstaats von Belarus und Russland werden?Bild: keystone

Ausnahmslose Kooperation zwischen Lukaschenko und Putin

Lukaschenko fügte hinzu, dass dies seine eigene Ansicht sei – nicht die Russlands. Man müsse «strategisch verstehen», dass die Regierungen in Minsk und Moskau eine einzigartige Chance zur Vereinigung hätten.

Russland und Belarus bilden einen Unionsstaat, der eine grenzenlose Union und Allianz zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken darstellt. Lukaschenko ist zudem der engste Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin unter den Nachbarländern Russlands. Dessen Militär nutzte belarussisches Territorium als Aufmarschgebiet für seine Invasion der Ukraine, die am 24. Februar 2022 begonnen hat. Seither wurde die militärische Zusammenarbeit zwischen Belarus und Russland mit gemeinsamen Manövern auf belarussischem Boden intensiviert.

Stationierung russischer Waffen in Belarus

Am Sonntag hatte das belarussische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass eine weitere Einheit des mobilen Boden-Luft-Raketensystems S-400 aus Moskau eingetroffen sei und die Systeme bald kampfbereit sein sollen. In Belarus waren bereits zur Zeit der Sowjetunion Atomwaffen stationiert.

Wenige Jahre nach deren Zerfall verpflichteten sich im Dezember 1994 im Budapester Memorandum die USA, Russland und Grossbritannien zur Einhaltung der territorialen Unabhängigkeit und Souveränität der Ukraine, von Belarus und Kasachstan. Im Gegenzug verzichteten diese drei früheren Sowjetrepubliken auf die auf ihrem Boden stationierten Atomwaffen. Das damals weltweit drittgrösste Arsenal an strategischen und taktischen Atomraketen lagerte in der Ukraine, die operative Kontrolle darüber lag aber bei Russland. Diese Waffen aus der Ukraine gingen bis 1996 an Russland über oder wurden zerstört. (t-online, reuters)

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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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AlfredoGermont
29.05.2023 18:45registriert März 2022
Lukashenko denkt, dass diktatoren, die über atomwaffen verfügen, nicht gestürzt werden können.
Er täuscht sich.
Falls er nicht innerhalb der nächsten 12 Monate selber zur hölle fährt denke ich dass die Chancen gut stehen dass ihm jemand auf die sprünge hilft.
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MacB
29.05.2023 18:43registriert Oktober 2015
Man fragt sich immer, gegen wen sie sich eigentlich verteidigen wollen, die stecken noch im letzten Jahrtausend. Jedes vernünftige Land kann es sich aufgrund der Globalisierung gar nicht mehr leisten, direkt in Kriege zu ziehen.
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FrancoL
29.05.2023 18:39registriert November 2015
Was für ein gestörter Vorschlag, was für ein gestörtes Auftreten. Selbst China müsste sich gewisse Sorgen bei solchen Angeboten machen und ich denke, dass sie sich da auch einmischen werden. Auch unter Diktaturen ist nicht immer alles Gold was glänzt.
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