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International
Russland

Der nächste russische Angriff ist wohl nur noch eine Frage der Zeit

Der nächste russische Angriff ist wohl nur noch eine Frage der Zeit

Neue Satellitenaufnahmen legen nahe, dass Russland das nächste grossflächige Bombardement auf die Ukraine plant. Worauf muss sich Kiew nun einstellen?
01.12.2022, 15:2501.12.2022, 15:49
David Schafbuch
In this handout photo taken from video released by Russian Defense Ministry Press Service on Wednesday, Nov. 23, 2022, Russian military's multiple rocket launchers fire rockets during an artillery and ...
Russische Artillerie dürfte bald wieder in den Angriffsmodus übergehen.Bild: keystone

Das britische Verteidigungsministerium wurde deutlich: «Russlands Angriffe verursachen weiterhin Stromausfälle, die zu wahllosem, weitverbreitetem humanitärem Leid in der Ukraine führen», teilte das Ministerium am Donnerstagmorgen in seinem täglichen Ukraine-Briefing mit. Mehr noch: Die Angriffe auf die kritische Infrastruktur seien mittlerweile ein elementarer Teil der russischen Militärstrategie im Kampf gegen die Ukraine. Ziel sei es, mit dem Einsatz von Langstreckenraketen die Energieversorgung zu treffen, «um die Bevölkerung zu demoralisieren und die Staatsführung letztlich zur Kapitulation zu zwingen.»

Es passte ins Bild, dass nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Briefings aus Cherson ein erneuter Stromausfall durch russische Bombardements vermeldet wurde. Dieser Angriff könnte allerdings nur ein bitterer Vorgeschmack auf das sein, was der Ukraine in den nächsten Tagen drohen könnte: Satellitenaufnahmen der Unternehmen Maxar und Planet Labs vom 28. November, die dem «Spiegel» vorliegen, zeigen, dass auf dem russischen Militärflughafen Engels-2 gerade zahlreiche strategische Bomber in Stellung gebracht werden. Ist das nächste grosse Bombardement der Russen also nur noch eine Frage der Zeit?

«Man ist in der Ukraine momentan jeden Tag darauf gefasst, dass der nächste grosse Luftangriff kommt», sagt Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations gegenüber t-online. Zuletzt hatte es Mitte November einen massiven Raketenbeschuss auf das Land gegeben, durch den zwischenzeitlich bei zehn Millionen Menschen der Strom ausfiel. Abgefeuert wurden dabei laut ukrainischen Angaben 100 Raketen. Der Militärexperte geht davon aus, dass angesichts der sinkenden Temperaturen das momentan wahrscheinlichste Ziel die ukrainische Heizungsstruktur sei.

Wären dafür die Bomber geeignet, die auf den Satellitenaufnahmen zu sehen sind? Frank Sauer von der Münchner Universität der Bundeswehr hält das für möglich. «Die Anzahl der Flugzeuge auf dem Stützpunkt ist ungewöhnlich hoch», sagt Sauer t-online. Neben den Bombern des Typs Tu-95 und Tu-160 seien auch Transportflugzeuge, Treibstoff und Container für Munition erkennbar. «Es ist vor diesem Hintergrund in der Tat plausibel, dass ein Angriff bevorstehen könnte.»

Atomwaffenfähige Raketen ohne Sprengkopf im Einsatz

Die Flugzeuge und die Lage des Militärflughafens passen aus mehreren Gründen zur aktuellen Lage. Durch die inzwischen verstärkte Luftabwehr der Ukraine ist es für die russische Luftwaffe zwar riskanter geworden, in den ukrainischen Luftraum einzudringen. Die beiden Bomber des russischen Herstellers Tupolew sind allerdings in der Lage, die Ukraine mit Langstreckenraketen zu treffen, ohne dabei den russischen Luftraum zu verlassen. Der 1100 Kilometer östlich von Kiew gelegene Flughafen sei dafür der geeignete Standort: «Engels-2 ist die wichtigste Bomberbasis Russlands und eignet sich besonders gut dafür, die Ukraine anzugreifen», sagt Gustav Gressel.

Hinzukommt, dass die Tu-95 in der Lage ist, atomwaffenfähige Raketen des Typs Ch-55 abzufeuern. Auch wenn ein Einsatz von Nuklearwaffen aktuell unwahrscheinlich ist, passt das zur aktuellen Lage: Zuletzt kursierten immer wieder Meldungen, dass Putins Armee die konventionellen Raketen ausgehen. Aus diesem Grund sollen die russischen Soldaten bereits dazu übergangen sein, Ch-55-Raketen ohne nukleare Sprengköpfe abzufeuern. Bilder von mutmasslichen Wrackteilen gab es bereits vor einigen Tagen im Netz. Entsprechende Informationen griff auch das britische Verteidigungsministerium am vergangenen Wochenende auf.

Werden grosse Luftangriffe also künftig häufiger auftreten? Gustav Gressel glaubt, dass in der nächsten Zeit die russischen Raketenangriffe weniger, aber dafür massiver werden: «Die Russen versuchen jetzt, gleichzeitig so viele Raketen wie möglich abzufeuern, um die Flugabwehr der Ukraine zu überfordern.»

Mittelfristig, glaubt Frank Sauer, könnte die Armee von Wladimir Putin aufgrund ihrer Engpässe vermehrt auf Munition aus dem Iran setzen: Kamikazedrohnen des Typs Shahed-136 seien bereits gegen die Zivilbevölkerung und die kritische Infrastruktur eingesetzt worden: «Zu befürchten ist ausserdem, dass Russland vom Iran Kurz- und Mittelstreckenraketen kauft.» Sowohl die Drohnen als auch die Raketen hätten den Vorteil, dass sie auch ohne Flugzeuge eingesetzt werden können.

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quelle: keystone / alejandro zepeda
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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
01.12.2022 16:22registriert April 2021
Wäre vielleicht langsam an der Zeit, dass im internationalen Gewässer iranische und ruzzische Militärtransporte auf mysteriöse Weise verschwinden.
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ReMoo
01.12.2022 16:29registriert Dezember 2020
Warum kann man nicht diesen Flughafen gezielt mit Raketen angreifen, bevor diese Bomber starten? Ich weiss, es ist auf russischem Gebiet, aber warum kümmert sich die Allgemeinheit um solche Regeln, nur Russland kümmert sich um nichts. Ich weiss, jetzt kommen Antworten wie Atomschlag, wenn Russland angegriffen wird, aber hier geht es nur um militärische Ziele in Russland.
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Xsa
01.12.2022 18:54registriert Oktober 2021
Könnte nicht bitte jemand, irgendjemand, all diese Bomber und Drohnen auf dem Flugplatz proaktiv zerstören? Und gebt der Ukraine endlich mehr Raketenabwehrsysteme!

Und bei dieser Gelegenheit bitte Putin das nächste mal, wenn er das Land verlässt, verhaften und nach Den Haag in den untersten Kerker stecken. Notfalls einen Kerker bauen. Alternativ auch in irgendeinem belgischen Keller verschwinden lassen.
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