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Jon Stewart nimmt Tucker Carlson komplett auseinander

Stewart zieht über Tucker Carlson her
Jon Stewart (rechts) lässt kein gutes Haar an Tucker Carlsons Russlandreise.screenshot: youtube

«Hier ist die Wahrheit» – Jon Stewart nimmt Tucker Carlson komplett auseinander

20.02.2024, 11:3520.02.2024, 12:20
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Neun Jahre war Jon Stewart nicht mehr bei der «Daily Show» zu sehen. Nun ist der amerikanische Comedian zurück bei der Late-Night-Show. Nachdem er sich vergangene Woche bei seinem Comeback Joe Biden und Donald Trump vorgeknöpft hatte, beschäftigte er sich jetzt mit Tucker Carlson.

Mit jenem Tucker Carlson, der kürzlich Wladimir Putin interviewte und der es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Viel wurde über Carlsons Interview und seine Reise nach Moskau bereits geschrieben und diskutiert. Wahrscheinlich trafen aber nur wenige so ins Schwarze mit ihrer Analyse wie Jon Stewart am Montagabend.

Hier geht es zur Sendung mit Jon Stewart:

Carlson besucht russischen Supermarkt

Zunächst beschäftigte sich Stewart mit Carlsons Reportage aus einem Supermarkt in Russland. Dieser schwärmte davon, dass man Geld in den Einkaufswagen stecken muss. «Es ist gratis, aber es gibt einen Anreiz, den Wagen zurückzustellen und ihn nicht einfach in dein Obdachlosenheim zurückzubringen», so Carlson.

Stewarts Konter: «Ich weiss, das habe ich schon einmal gesagt. Aber du bist so ein A...» Und weiter: «Ich habe nicht realisiert, dass Amerikas Obdachlosenproblem ausschliesslich auf einfachen Zugang zu Einkaufswagen zurückzuführen ist.»

Tucker Carlson und Jon stewart
Carlson schwärmt über russische Einkaufswagen.screenshot: youtube

Nachdem Carlson das russische Brot und die praktischen Rolltreppen im Supermarkt gelobt hatte, sprach er über Geld. Der ganze Einkauf habe ihn nur 104 US-Dollar gekostet, sagte der ehemalige Fox-News-Moderator.

Tucker Carlson im Supermarkt
104 US-Dollar kostete der Einkauf.screenshot: youtube

Eine Aussage, die Stewart auf keinen Fall so stehen lassen wollte. «104 US-Dollar für Lebensmittel klingt nach einem guten Deal», so Stewart. «Ausser du realisierst, dass Russen weniger als 200 US-Dollar pro Woche verdienen.» Das sei der Kontext, den ein Journalist eigentlich liefern müsste.

Darauf setzte Jon Stewart zu seiner Analyse an. «Hier ist die Wirklichkeit», so der Late-Night-Host. «Du weisst das alles. Denn du bist gar nicht so dumm, wie es dein Gesicht uns glauben lässt.»

Carlson habe es als Ziel, zu vermitteln, dass es gar keine grossen Unterschiede zwischen dem russischen und amerikanischen System gebe. Und wenn schon, sei das russische System vielleicht sogar ein bisschen besser.

«Aber jetzt denken sie, der neue Kampf sei woke gegen unwoke. Und in diesem Kampf ist Putin ein Alliierter der Rechten. Er ist ihr Freund.»
Jon Stewart

«Die Frage ist, warum macht Tucker das?», so Stewart, der die Antwort sogleich mitlieferte. «Der alte Zivilisationskampf war Kommunismus gegen Kapitalismus. Russland war damals der Feind», sagte Stewart. «Aber jetzt denken sie, der neue Kampf sei woke gegen unwoke. Und in diesem Kampf ist Putin ein Alliierter der Rechten. Er ist ihr Freund. Unglücklicherweise ist er aber auch ein brutaler und rücksichtsloser Diktator. Deshalb beginnen sie die Amerikaner schon einmal an diesen Gedanken zu gewöhnen. Freiheit ist zwar schön, aber hast du schon einmal die russischen Einkaufswagen gesehen?»

Da war doch schon mal was ...

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Jon Stewart mit Tucker Carlson anlegt. Im Jahr 2004 trat der Comedian in der CNN-Politsendung «Crossfire» auf und nahm die beiden Gastgeber Paul Begala und Tucker Carlson in die Mangel. Anstatt sein Buch zu promoten, kritisierte er die Sendung «Crossfire» von A bis Z.

Fast 20 Jahre her: Stewart knöpft sich Carlson bei «Crossfire» vor

Für Carlson sei dieser Moment so schmachvoll gewesen, dass er zum Abbruch der Show geführt habe, schrieb die «New York Times» später. Das Magazin «The Atlantic» vertrat die These, dass Stewarts Auftritt ein Wendepunkt in Carlsons Karriere war, der dazu führte, dass sich der Moderator neu erfand.

Vergleichbar etwa mit dem Moment, als sich Barack Obama Donald Trump beim Correspondents' Dinner vorknöpfte. Aber das ist eine andere Geschichte. (cma)

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82 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Esther R.
20.02.2024 12:07registriert November 2018
Muss man nicht auch bei uns einen 2 Fränkler in den Einkaufswagen tun? Geht ja auch ohne gleich eine Diktatur einzuführen zu müssen 😂. Kann das mal jemand den Amerikanern erzählen?
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messiah
20.02.2024 12:36registriert Mai 2019
Grossartig aufgearbeitet und zeigt schön wie "rechte News" funktionieren. Es werden Dinge gesagt, die per se stimmen aber mit zugezogenem Kontext total verfälscht sind. Augen auf und nicht auf SVP und Kohorte hereinfallen.
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Liebu
20.02.2024 12:28registriert Oktober 2020
Sich über einen Einkauf freuen, der dich mehr als den halben Lohn kostet, das schafft nur Tucker Carlson.
Er macht sich seine Welt grad wie sie ihm gefällt. Deshalb gefällt im auch Putin.
Schlimmer ist noch, dass viele sein Geschwätz glauben und sogar gutes darin sehen.
Aber beides gibt es ja auch hierzulande.
Schwätzer und solche die das sogar glauben.
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