International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
People queue to get to an office of the presidential administration to offer letters of protest against the president, during a protest in Moscow, Russia, Saturday, April 29, 2017. Several hundred demonstrators are gathered in central Moscow, trying to move to the nearby presidential administration building to present letters calling on Vladimir Putin not to run for a fourth term in office in 2018. (AP Photo/Ivan Sekretarev)

In rund 30 russischen Städten forderten die Demonstranten Putin auf, bei der Präsidentenwahl 2018 nicht für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Bild: Ivan Sekretarev/AP/KEYSTONE

Rund 150 Menschen bei Anti-Putin-Protesten in Russland festgenommen



Bei Demonstrationen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sind landesweit mehr als 150 Menschen festgenommen worden. Überraschend liess die Polizei in Moskau aber am Samstag hunderte Oppositionelle gewähren und griff nicht ein, obwohl die Behörden die Aktion nicht genehmigt hatten.

In rund 30 russischen Städten forderten die Demonstranten Putin auf, bei der Präsidentenwahl 2018 nicht für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Zu dem Protest hatte die Bewegung Offenes Russland von Kremlkritiker und Ex-Geschäftsmann Michail Chodorkowski aufgerufen.

Das Motto des Protests war «Nadojel» (deutsch: Wir sind es leid). Die Teilnehmer zogen landesweit zu Büros der Präsidialverwaltung und reichten Petitionen an Putin ein.

Policemen detain a participant of an unauthorised rally in St. Petersburg, Russia, Saturday, April 29, 2017. A poster reads 'Putin, you can retire!'. A few dozens protesters were detained by police in St. Petersburg during a protests called for by the opposition movement Open Russia to oppose president Putin's run for the 2018 presidential elections in Russia. (AP Photo/Dmitri Lovetsky)

«Putin, du kannst in Rente gehen», findet diese Frau. Bild: Dmitri Lovetsky/AP/KEYSTONE

«Wir haben den Krieg in der Ukraine satt, die Übermacht der Propaganda», sagte eine Demonstrantin in Moskau. Andere sagten, sie könnten sich an keinen anderen Präsidenten als Putin erinnern, das Land brauche eine Erneuerung.

Putin ist seit dem Jahr 2000 an der Macht. Von 2008 bis 2012 war er vorübergehend Regierungschef. Er hat sich zwar noch nicht dazu geäussert, ob er wieder antreten wird, dies gilt aber als wahrscheinlich.

Weniger friedlich als in Moskau verlief die Aktion in St.Petersburg. Dort wurden dem oppositionsnahen Portal «OWD-Info» zufolge rund 115 Menschen festgenommen. Auch in anderen Städten gab es Festnahmen. In Kaliningrad (früher Königsberg) beschlagnahmte die Polizei eine Urne mit Briefen an Putin, wie die Organisatoren mitteilten.

Eskalation vermieden

Offenes Russland ging von rund 2000 Teilnehmenden in Moskau aus. Die Behörden sprachen von 250 Menschen. Stunden vor Beginn der Aktion hatten Hunderte Polizisten in der Nähe des Präsidialamts Stellung bezogen. Am Gebäude waren die Rollläden heruntergelassen und Bauzäune aufgestellt. Am Ende liessen die Beamten die Demonstranten aber durch Metalldetektoren zum Eingang, um ihre Briefe abzugeben.

ZUR MELDUNG, DASS EIN RUSSICHES GERICHT EINEN HAFTBEFEHL GEGEN MICHAIL CHODORKOWSKI  ERLASSEN HAT, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 23. DEZEMBER 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG  -  Michail Chodorowski, russischer Unternehmer spricht am Swiss Economic Forum, am Donnerstag, 4. Juni 2015, in Interlaken. (KEYSTONE/Peter Schneider)..Former Russian oil company Yukos owner Mikhail Khodorkovsky attends the Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken, Switzerland, June 4, 2015. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Zu dem Protest hatte die Bewegung Offenes Russland von Kremlkritiker und Ex-Geschäftsmann Michail Chodorkowski aufgerufen. Bild: KEYSTONE

«Hat die Vernunft gesiegt?», fragte Chodorkowski bei Twitter. «Nach und nach kommen wir zu einer normalen Arbeit mit den Menschen. Ohne Konfrontation, aber hartnäckig», schrieb er.

Warum Moskau die nicht genehmigte Aktion doch zuliess, dazu können Beobachter nur mutmassen. Ein hartes Durchgreifen hätte eine äusserst schlechte Berichterstattung gegeben, kommentierte die Zeitung «Nesawissimaja Gaseta». Wenige Wochen vor dem Confederations Cup, dem Testlauf für die Fussball-WM 2018, schauen auch internationale Medien verstärkt auf Russland.

Verzettelte Opposition

Eine Eskalation bei einer Kundgebung am 26. März hatte internationale Kritik ausgelöst. Damals hatte der Oppositionelle Alexej Nawalny zu Protesten wegen Korruptionsvorwürfen gegen Regierungschef Dmitri Medwedew aufgerufen. Mehr als 1000 Menschen wurden dabei festgenommen, auch Nawalny, der 2018 kandidieren will.

Der Aktion von Offenes Russland hatte er sich aber nicht angeschlossen. Dies zeigt, wie uneins die Opposition weiterhin ist.

Der 53-jährige Chodorkowski gilt zwar als einer der bekanntesten Vertreter der ausserparlamentarischen Opposition. Er ist ein ausgesprochener Gegner von Putin. Aber er lebt seit seiner Entlassung aus der Haft 2013 im Ausland und ist in Russland kaum sichtbar.

Organisation unerwünscht

Offenes Russland ist ein Geflecht aus in Grossbritannien registrierten Stiftungen von Chodorkowski und einzelnen Gruppen in Russland, die ein Netzwerk bilden. Das Justizministerium hatte zuvor die britische Organisation als unerwünscht eingestuft. Die gleichnamige Bewegung in Russland ist nach eigener Darstellung nicht direkt mit dieser verbunden.

Chodorkowski hat angekündigt, die britischen Stiftungen würden ihre Kontakte zur russischen Bewegung einstellen – wohl als Schutz für die Aktivisten, die zu den Protesten aufgerufen hatten. (viw/sda/dpa)

Passend dazu: So tickt Putin – privat wie politisch

Alles rund um Putin:

Wie Putin den Nationalismus entdeckte – und was das für den Westen bedeutet

Link zum Artikel

7 Gründe, weshalb er der gefährlichste Mann der Welt ist

Link zum Artikel

Cold War reloaded: Wenn Blicke töten könnten

Link zum Artikel

Putin und Trump haben je einen Neuen – und mit denen wird's jetzt richtig gefährlich

Link zum Artikel

Wirtschaftskrieg mit Russland: Wie stark ist Putins neue Rote Armee?

Link zum Artikel

Können wir uns die Amerika-Hasser noch leisten?

Link zum Artikel

Warum gibt es immer noch Linke, die Putin feiern?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Indonesien impft die Jungen zuerst – warum das in der Schweiz keine gute Idee ist

Indonesien und Israel haben damit begonnen, die junge Bevölkerung zu impfen. Indonesien gar noch vor den Risikopatienten. Warum das in der Schweiz zurzeit wenig Sinn macht.

Andere Länder, andere Impfstrategien: Während die Schweiz zuerst die ältere Bevölkerung impft, ist es in Indonesien genau umgekehrt. Zuerst werden die 18- bis 59-Jährigen geimpft, dann die Älteren. Wieso das so gemacht wird und warum das in der Schweiz momentan nicht zur Debatte steht, erklärt in vier Punkten:

Der Gedanke hinter der indonesischen Impfstrategie ist simpel: Durch das Impfen der Jungen soll die Verbreitung des Virus gestoppt werden, da es vor allem junge Leute sind, die viele …

Artikel lesen
Link zum Artikel