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Putin lässt in Russland an besonderem Ort Nuklearwaffentests prüfen

Putin lässt Nuklearwaffentests prüfen – und wählt dafür einen ganz speziellen Ort

Moskau inszeniert sich als nukleare Weltmacht und greift dafür tief in die Symbolik des Kalten Kriegs. Hinter dem Schritt steckt mehr als reine Machtdemonstration.
06.11.2025, 07:57
Ivan Ruslyannikov / ch media

Kreml-Chef Wladimir Putin hat Vorbereitungen für Atomwaffentests angeordnet – und dafür einen besonderen Ort gewählt. Auf dem Archipel Nowaja Semlja in Nordrussland wurde während des Kalten Kriegs die grösste Thermonuklearebombe der Menschheitsgeschichte gezündet. Nun soll es erneut als Testgebiet fungieren. Laut Experten will Putin damit den Druck auf den Westen erhöhen.

Russian President Vladimir Putin, listens to Chief Justice of Russia Igor Krasnov, not pictured, during their meeting at the Kremlin in Moscow, Wednesday, Nov. 5, 2025. (Gavriil Grigorov, Sputnik, Kre ...
Russlands Präsident Wladimir Putin will wieder Atombomben testen.Bild: keystone

Das Treffen von Wladimir Putin mit Mitgliedern des russischen Sicherheitsrats an diesem Mittwoch sollte eigentlich der Sicherheit der Bürger im Strassenverkehr gewidmet sein. Während der Sitzung stellte der Vorsitzende des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, dem Präsidenten jedoch eine andere Frage:

«Trump hat kürzlich erklärt, dass die USA die Atomwaffentests wieder aufnehmen werden. Das ist insgesamt eine beunruhigende Situation. Vor zwei Jahren haben Sie gesagt, dass Russland das uneingeschränkte Recht habe, dasselbe zu tun, wenn die USA wieder Atomwaffentests durchführen würden. Könnten Sie bitte erläutern, welche Schritte und Massnahmen wir ergreifen werden?»

Obwohl dies nichts mit dem Verkehrswesen zu tun hatte, schlug Putin vor, seinen Kollegen zuzuhören. Wie sich herausstellte, war es in Wahrheit genau das, wofür sich alle in diesem Saal versammelt hatten.

epa12505325 Russian President Vladimir Putin attends a meeting with members of the Security Council at the Kremlin in Moscow, Russia, 05 November 2025. EPA/GAVRIIL GRIGOROV / SPUTNIK / KREMLIN POOL MA ...
Treffen des russischen Sicherheitsrats in Moskau unter Vorsitz des Präsidenten.Bild: keystone

Verteidigungsminister Andrej Belousow berichtete Putin, dass in den Vereinigten Staaten derzeit an der Entwicklung einer neuen Interkontinentalrakete namens «Sentinel» mit einer Reichweite von bis zu 13'000 km gearbeitet werde. Ausserdem an einem strategischen Atom-U-Boots namens «Columbia», an einem Raketenabwehrprogramms sowie dem Raketenkomplex «Dark Eagle».

«Ich halte es für sinnvoll, unverzüglich mit den Vorbereitungen für umfassende Atomwaffentests zu beginnen», sagte Belousow. Die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und Mittel des zentralen Testgeländes auf dem Archipel Nowaja Semlja ermöglichten es, diese innerhalb kurzer Zeit durchzuführen.

Der Chef des Generalstabs, Waleri Gerassimow, fügte hinzu: «Wenn wir jetzt nicht die entsprechenden Massnahmen ergreifen, wird Zeit verloren.» Als Ergebnis des Treffens beauftragte Putin die Vorbereitungen für Atomwaffentests.

Reaktion auf Donald Trump

Putins Äusserung war eine Antwort auf die Erklärung von Donald Trump vom 30. Oktober. Damals schrieb der amerikanische Präsident, dass er das Pentagon angewiesen habe, mit dem Testen von Atomwaffen zu beginnen. Er unterstrich, dass der Grund dafür die Atomtests seien, die andere Länder durchführen.

Die letzte Explosion einer sowjetischen Atombombe mit einer Sprengkraft von 70 Kilotonnen fand am 24. Oktober 1990 auf Nowaja Semlja statt, woraufhin die UdSSR ein einseitiges Moratorium für Atomwaffentests verkündete. Im November 2023 unterzeichnete Putin jedoch ein Gesetz, das die Ratifizierung des Vertrags über das umfassende Verbot von Nukleartests aufhob.

Insgesamt führte die Sowjetunion zwischen 1949 und 1990 715 Atomwaffentests durch. Unter anderem wurde 1961 auf Nowaja Semlja die «Zar-Bombe» gezündet, die mit einer Sprengkraft von 58,6 Megatonnen die stärkste thermonukleare Ladung in der Geschichte der Menschheit war.

Der Atompilz stieg damals auf eine Höhe von 67,3 Kilometern, und der Blitz war in Alaska, Norwegen und Grönland zu sehen. Ein Jahr später, im Oktober 1962, kam es zur Kubakrise, und die Welt stand kurz vor einer nuklearen Katastrophe.

Die Botschaft hinter der Ankündigung

Der Militärexperte und Spezialist für internationale Beziehungen Pawel Luzin vermutete im Gespräch mit CH Media, dass Putin nicht blufft. «Ich wäre nicht überrascht, wenn es zu Atomwaffentests kommen würde.» Das passe alles in das russische Konzept der «Eskalation zur Deeskalation», in dessen Rahmen Russland seine Bereitschaft und Entschlossenheit zum Einsatz von Atomwaffen demonstrieren müsse.

Demonstrative Atomwaffentests sind eine der Massnahmen. Allerdings wurde bisher nur ein halber Schritt in diese Richtung unternommen – angekündigt wurde die Vorbereitung von Atomwaffentests, nicht deren Durchführung. «Insgesamt geht es bei dieser ganzen Geschichte eher um psychologischen Druck auf den Westen», erklärte Luzin.

Ihm zufolge ist das Atomtestgelände auf dem Archipel Nowaja Semlja nach wie vor in Betrieb, und obwohl die letzten Atomtests dort vor 35 Jahren stattfanden, wurde es stets in Bereitschaft gehalten, um die Tests wieder aufnehmen zu können. (aargauerzeitung.ch)

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hans Jürg
06.11.2025 11:06registriert Januar 2015
Dann lasst sie mal wettrüsten und alles Geld in die Entwicklung von Wunderwaffen stecken. Das hat damals schon die Sowjetunion ruiniert und sie ist pleite gegangen.

Putin mag sich für einen brillianten Historiker halten. Aber von der wirklichen Geschichte hat er keinen blassen Dunst.
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Flexon
06.11.2025 10:02registriert Februar 2014
Das 21. Jahrhundert. Das Mittellalter der Moderne.
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