International
Russland

Russischer General prahlt mit Folter an Gefangenen

Russischer General prahlt mit Folter an Gefangenen

Folterungen an ukrainischen Soldaten sind für einen russischen Kommandanten offenbar kein Problem. Er prahlte in Chats, die jetzt öffentlich wurden.
22.02.2026, 06:0822.02.2026, 06:08
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Ein russischer General soll seiner Frau gegenüber mit Stolz berichtet haben, wie ukrainische Soldaten gefoltert wurden. Roman Demurchiew ist Generalmajor der russischen Armee und derzeit stellvertretender Kommandeur der 20. Kombinierten Waffenarmee. Der russischsprachige Dienst des unabhängigen Medienportals Radio Free Europe (RFE) hat Einblick in die Korrespondenz des Offiziers zwischen 2022 und 2024 erhalten und diese auf Authentizität überprüft. Die mehreren Gigabyte an Chats und Audionachrichten wurden von einer Quelle in der ukrainischen Armee übermittelt.

russen folter-general
Roman Demurchiew in einem Büro: Der russische Offizier soll über Folter geprahlt haben. Bild: RFE/t-online

In seiner Kommunikation mit Kollegen, Verwandten, Untergebenen und Vorgesetzten gab Demurchiew nach eigenen Angaben keine besonders sensiblen oder geheimen Informationen weiter. Er betrachtete seine Informationen über den Missbrauch von Gefangenen offensichtlich nicht als solche Informationen und erzählte sie fast mit Stolz.

Beispielsweise teilte Demurchiew den Dokumenten zufolge am 18. Oktober 2022 mehreren seiner Bekannten sowie seiner Frau mit, dass er eine «Festung eingenommen» habe, die er drei Tage lang gestürmt hatte. Er fügte hinzu, dass er vier Ukrainer gefangen genommen habe. Dabei habe er ein Foto angefügt, das abgeschnittene Ohren zeigte, die an einer Metallstange hingen.

«Wie Schweineohren zum Bier»

Seine Frau fragte ihn nach Angaben von RFE in einer Nachricht, was er den Ohren der Soldaten gemacht habe. «Ich mache eine Girlande daraus und schenke sie Dir», soll er geantwortet haben. «Wie Schweineohren zum Bier», wird die Antwort an seine Frau zitiert. Wann genau das Foto aufgenommen wurde, ist unklar.

Man könne aber davon ausgehen, dass die Ohren ukrainischen Soldaten gehörten, so das Portal. Ein weiteres Foto zeigt offenbar ukrainische Soldaten, um deren Köpfe blutgetränkte Verbände gewickelt sind. Das Bild wurde später auch im Telegramkanal des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow geteilt.

Demurchiew hatte 2022 unter anderem tschetschenische Soldaten unter seinem Kommando, so die Recherchen. Im ersten Tschetschenien-Krieg hatte es bereits Aufnahmen von russischen Soldaten gegeben, die abgeschnittene Ohren in die Kamera des Filmemachers Alexander Nevzorow hielten. Er sagte damals:

«Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass es schwer ist, einen Soldaten zu finden, der kein getrocknetes tschetschenisches Ohr in seiner Ärmeltasche versteckt hat. Es wird bei besonderen Anlässen als Ausweis vorgelegt.»

«Keine Zeit, ihn einfach zu foltern»

Der russische Kommandant soll aber auch in anderen Nachrichten brutale Methoden gegen ukrainische Soldaten vorgeschlagen haben. Gegenüber einem Russen mit Spitznamen «Grieche», der wohl beim Geheimdienst arbeitete, sprach er dem Bericht zufolge von Geschenken «Ich habe einen Gefangenen (...) Ich kann ihn Ihnen übergeben. Da sitzt er in der Grube (..) Was soll ich mit ihm machen – ihn beseitigen oder Ihnen übergeben?», fragt der General den Spionageabwehrbeamten im Oktober 2023. «Der Grieche» willigte ein, den Gefangenen zu übernehmen, aber Demurchiew soll laut Aufzeichnungen klargestellt haben:

«Wir hatten keine Zeit, ihn einfach zu foltern, daher sind die Informationen eher freundlich ... Aber Sie haben viel Zeit, Sie können verschiedene Mittel einsetzen, die einen Menschen zwingen, die Wahrheit zu sagen.»

Mitarbeiter des Teams von Radio Free Europe fanden den Soldaten, über den gesprochen wurde. Er war im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigekommen, aber nicht in der Lage, über Details seiner Gefangenschaft zu sprechen. Er sprach aber gegenüber den Journalisten von Misshandlungen und Elektroschocks.

Im Dezember 2024 teilte der Kommandant ein Video von russischen Soldaten, die ukrainische Gefangene offenbar mit Schaufeln zu Tode schlugen und die Körper zerhackten. Er meldete dies dem Bericht zufolge seinen Vorgesetzten. Darin lobte er das Vorgehen.

«Sehr gut gemacht, macht weiter, macht weiter, setzt die Bastarde unter Druck.»

Das russische Verteidigungsministerium wollte gegenüber RFE keine Stellung nehmen. Den Reportern gelang es auch, Roman Demurchiew anzurufen. Doch als sie Fragen stellten, legte er nach Angaben der Journalisten auf.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
43 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
N. Y. P.
22.02.2026 08:40registriert August 2018
Ich verstehe nicht, wieso die grösste Partei der Schweiz wie eine Eins hinter Putin und ergo auch hinter den Gräueltaten steht. Auch Kindsentführungen sind für unsere grosse Partei kein Problem. Befremdend.
14811
Melden
Zum Kommentar
avatar
Patrice 73
22.02.2026 07:25registriert Oktober 2015
Die Grausamkeit ist unvorstellbar. Ich bin sprachlos.
1294
Melden
Zum Kommentar
avatar
Mörlialp
22.02.2026 07:45registriert August 2020
Es ist mir schleierhaft, wie ein Kulturvolk in so kurzer Zeit derart verrohen kann. Und wenn ich daran denke, dass viele Russen – vielleicht sogar die Mehrheit – diese Haltung teilen, wird mir übel.
1158
Melden
Zum Kommentar
43
Wegen Morddrohungen: Collien Fernandes nimmt nicht an Demo in Hamburg teil
Collien Fernandes wird am Donnerstag nicht an der Demonstration gegen Gewalt an Frauen in Hamburg teilnehmen. Sie habe «ernsthafte Sicherheitsbedenken» wegen Morddrohungen gegen sie, erklärte die deutsche Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Autorin.
Zur Story