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Freiwillige kontrollieren in einem Geschäft die Produkte auf ihre Herkunft.
Freiwillige kontrollieren in einem Geschäft die Produkte auf ihre Herkunft.
Bild: Alexander Zemlianichenko/AP/KEYSTONE

Joghurt, Käse, Fleisch, Gemüse – Putin lässt hunderte Tonnen Lebensmittel aus dem Westen vernichten

06.08.2015, 10:48

Joghurt aus Deutschland, Rotwein aus Italien oder Käse aus Frankreich: Russlands Wladimir Putin hat angeordnet, dass hunderte Tonnen vom Zoll entdeckter Lebensmittel aus dem Westen, die seit einem Jahr unter das Embargo fallen und trotzdem ins Land kamen, ab Donnerstag verbrannt werden – und damit eine Welle der Empörung losgetreten. 

Auf der Kampagnenplattform change.org riefen allein am Mittwoch mehr als 200'000 Unterzeichner dazu auf, die Lebensmittel besser an Bedürftige zu verteilen.

Gestiegene Preise wegen Importverbot

«Warum sollten wir Nahrungsmittel zerstören, die an Kriegsveteranen, Rentner, Behinderte, Grossfamilien oder Opfer von Naturkatastrophen verteilt werden können?» So lautet die Frage auf change.org, die an Putin und seine Regierung geschickt wird. Die vom Zoll beschlagnahmten Lebensmittel sollten dazu verwendet werden, die unter den wegen des Einfuhrverbots gestiegenen Preisen leidende Bevölkerung zu entschädigen, lautet die Forderung.

Regierungssprecher Dmitri Peskow sah sich zu einer Reaktion genötigt. Er stellte vor Journalisten in Moskau den Wert der Petition in Frage – die Unterzeichner würden nicht «nachvollziehbar identifiziert».

18 Millionen Russen unterhalb der Armutsgrenze

Doch viele Kritiker der Aktion haben dies sehr wohl öffentlich getan. Unter ihnen ist der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Gennadi Sjuganow, der die Zerstörung von Lebensmitteln eine «extreme Massnahme» nannte. 

Er schlug vor, die Nahrungsmittel der Orthodoxen Kirche zu geben, sie an Kinder- und Waisenheime zu verteilen. Auch «unsere Freunde in Donezk und Lugansk» in den von Russland besetzten Regionen in der Ost-Ukraine könnten die Lebensmittel brauchen.

Der Fernsehmoderator Wladimir Solowjow, normalerweise ein Freund der Regierung, schrieb auf Twitter, er könne nicht verstehen, dass ein Land, «das durch den grausamen Hunger während des Krieges und die schrecklichen Jahre nach der Revolution ging», Lebensmittel zerstören könne. Der Konsumentenanwalt Alischer Sachidow mahnte im Radiosender Kommersant FM, die Regierung solle auf die 18 Millionen Menschen schauen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. «Diese Menschen brauchen das Fleisch.» (whr/sda/afp)

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