International
Schweiz

Stöckli verklagt Trump-Regierung: Schweizer Firmen wollen Zölle zurück

Odi-Skimarke Stöckli verklagt Trump-Regierung: Weitere Schweizer Firmen wollen Geld zurück

Die amerikanische Regierung muss nach dem Hammer-Urteil des Supreme Court Milliarden von Dollar zurückerstatten. Noch ist völlig offen, wie dieses Verfahren ablaufen soll.
23.02.2026, 04:4523.02.2026, 13:59
Renzo Ruf

Stöckli hatte einen guten Riecher. Am Mittwoch, zwei Tage vor dem wegweisenden Zoll-Urteil des Supreme Court in Washington, verklagte der grösste Schweizer Skihersteller die amerikanische Regierung. In der 17 Seiten zählenden Klageschrift, die CH Media vorliegt, verlangt die amerikanische Stöckli-Tochtergesellschaft eine Rückerstattung der Strafzölle – die am Freitag vom höchsten Gericht im Land als rechtswidrig bezeichnet wurde.

stöckli marc gläser
Stöckli-CEO Marc Gläser will Geld von Trump zurück.Bild: keystone

Stöckli befindet sich damit im Rennen um die rund 175 Milliarden Dollar an Zolleinnahmen, die Donald Trumps Regierung nun zurückerstatten muss, in einer juristischen Poleposition. Und zwar als eine der wenigen Schweizer Firmen, wie eine Suche in der Datenbank des auf Handelsfragen spezialisierten Bundesgerichts U.S. Court of International Trade in New York zeigt.

Unter den Hunderten von Rückerstattungsklagen, die vorsorglich bereits vor dem Supreme Court-Urteil eingereicht wurden, sind nebst Stöcklis Eingabe auch Klagen der Schweizer Unternehmen Logitech (IT), Jungbunzlauer (Biotechnologie) und CL International (Luxusgüter) zu finden. Die Liste ist unvollständig und betrifft nur Fälle, die vor dem Court of International Trade anhängig sind. Weitere Schweizer Firmen wie der Luxusuhrenhersteller Breitling und der Schokoladenhersteller haben ebenfalls angekündigt, Rückerstattungen verlangen zu wollen.

Streitwert der Klagen ist nicht bekannt

Ein Blick auf die Klageschriften von Stöckli, Logitech und Konsorten zeigt: Die Eingaben gleichen sich weitgehend. Die beauftragten Anwälte werfen der Zollbehörde CBP (Customs and Border Protection) vor, in der bisherigen Amtszeit von Präsident Trump ohne rechtmässige Basis Strafzölle eingezogen zu haben. Dieses Geld möchten die Firmen nun zurück. Um welchen Betrag es sich dabei handelt, darüber schweigen sich die Klageschriften aus.

Im Fall Stöckli wird der Streitwert aber sicherlich Hunderttausende von Dollars betragen. In einem Interview mit den CH Media-Zeitungen rechnete der Geschäftsführer Marc Gläser im Dezember vor, dass Stöckli jährlich rund 15'000 Skis in den USA verkaufe. Unter Präsident Trump hätten die Zölle, die Stöckli an die Staatskasse abliefern musste, zwischen 80 und 180 Dollar betragen, sagte Gläser – wobei nebst den Strafzöllen auch Zölle auf Stahl und Aluminium anfielen. Diese separaten Zölle sind auch nach dem Urteil des Supreme Courts noch in Kraft und werden nicht rückerstattet.

Noch hat die Regierung Trump nicht bekanntgegeben, wie CBP das rechtswidrig eingezogene Geld zurückbezahlen wird. Am Freitag meldete die Zollbehörde, man kläre derzeit noch die Auswirkungen des Supreme Court-Urteils ab.

Die Unternehmen und Importeure, die bereits klagten, haben keine Garantie, dass sie im kommenden Rückerstattungsverfahren prioritär behandelt werden. Ihre Klagen liegen derzeit auf Eis, weil das Handelsgericht in New York zuerst auf das Urteil des höchsten Gerichts im Land warten musste. Aber Anwälte, die sich auf Handelsrecht spezialisiert haben, zeigen sich überzeugt: Wer bereits vor Gericht deponiert habe, dass CBP ihnen Geld schulde, werde im kommenden Ringen um die Zollgelder die besseren Karten haben. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die ganze Liste: Diese Zölle verteilt Trump
1 / 6
Die ganze Liste: Diese Zölle verteilt Trump
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nach dem FIFA-Friedenspreis hat Trump nun auch den zweitbegehrtesten Award gewonnen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
78 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
stevensplace
23.02.2026 06:02registriert März 2020
Genau, höchste Zeit, Trump die Rechnung zu präsentieren, für sein rechtswidriges Handeln.
1623
Melden
Zum Kommentar
avatar
Linus Luchs
23.02.2026 07:11registriert Juli 2014
Soso, Breitling will Trump verklagen. Mehrheitsaktionärin von Breitling ist die Partners Group. Gründer und Mitbesitzer der Partners Group ist Alfred Gantner. Derselbe hat vor drei Monaten zusammen mit ein paar weiteren Milliardären Trump mit einem Goldbarren und einer Luxusuhr beglückt. Das nennt man wohl Strategiewechsel.
1494
Melden
Zum Kommentar
avatar
banda69
23.02.2026 07:22registriert Januar 2020
Unternehmen, die Zölle auf Konsumenten überwälzt haben, könnten nun doppelt profitieren. Sie zahlen die Zölle formell als Importeure – geben die Kosten aber via höhere Preise an Kunden weiter. Jetzt, nach dem Supreme-Court-Urteil, bekommen sie das Geld vom Staat zurück. Den Konsumenten gehört nichts davon – und niemand zwingt die Unternehmen, die Preise zu senken. Nur starker Wettbewerb könnte das bewirken. Ein klassisches Beispiel asymmetrischer Verteilung: Kosten tragen die Kleinen, Gewinne kassieren die Grossen. Zum Glück wird sich die SVP bestimmt für die Konsumenten einsetzen... 😌
1198
Melden
Zum Kommentar
78
SBB will an Massnahmen an der Strecke Stuttgart-Zürich festhalten
Die Pünktlichkeit der Intercity-Verbindung Zürich-Stuttgart hat sich laut den SBB seit dem Fahrplanwechsel im Dezember stark verbessert. Davon profitieren insbesondere Pendlerinnen und Pendler zwischen Schaffhausen und Zürich.
Zur Story