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Asow-Bataillon: Neonazis werden für Ukraine-Krieg mobilisiert

Ausland versucht Schweizer Rechtsextreme für Ukraine-Krieg zu mobilisieren

Europäische Neonazis sollen im Ukraine-Krieg gegen die Russen kämpfen: Undurchsichtige Quellen streuen seit Tagen Mobilisierungsaufrufe für das rechtsextreme Bataillon «Asow».
03.03.2022, 20:38
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Im Internet versuchen unbekannte Quellen, Schweizer Rechtsextremisten für den Ukraine-Krieg zu mobilisieren, heisst es in einer Recherche der Tamedia-Zeitungen. Sie sollen sich dem ukrainischen Extremisten-Bataillon Asow anschliessen, heisst es im Bericht.

Das fragwürdige an der ohnehin fragwürdigen Taktik ist: Solche Mobilisierungsversuche kommen nicht von Schweizer Rechtsextremen selbst, sondern würden vom Ausland gestreut. Zitat: «Die Aufrufe scheinen ihren Ursprung nicht in der Schweiz zu haben». Dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) seien Hinweise aus Deutschland und Österreich bekannt.

Die Tamedia-Zeitungen stützen ihre Recherche auf vertrauliche Informationen des NDB, die diese Woche an die Kantone und verschiedene Amtsstellen des Bundes verschickt wurden. Welche Motive die Streuer solcher Aufrufe haben, ist unklar. Bekannt ist jedoch, dass das Bild von «Nazis in der Ukraine» ein wichtiger Teil russischen Kriegspropaganda ist.

Asow mobilisierte schon früher

Kreml-Vertreter, namentlich etwa der russische Präsident Wladimir Putin, begründeten die Invasion der Ukraine mit der Mär von angeblichen «Nazis» in der ukrainischen Politik. Moskau beschimpfte die pro-europäische Regierung rund um den jüdischstämmigen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als «ukrainische Neonazis». Putin erklärte die «Entnazifizierung» der Ukraine als eines der Hauptziele der «militärischen Sonderaktion» Russlands.

Es ist daher möglich, dass die Aufrufe zur rechtsextremen Teilnahme am Regiment Asow eine Propagandaaktion unter falschen Flagge sind: Der Kreml könnte die Berichte über solche Mobilisierungen als Beleg für seine Behauptungen nutzen. Einen Beweis für diese Vermutung gibt es aber bislang nicht. Dagegen spricht die Tatsache, dass das (para-)militärische Freiwilligenbataillon in der Vergangenheit mehrere Dutzend Ausländer für den Kampf gegen prorussische Separatisten gewinnen konnte, darunter nachweislich rund 20 Kroaten, mehrere Schweden und Griechen.

Mikael Skillt (left) and "Mikola" (right), Swedish volunteers in the Azov Battalion
https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Carl_Ridderstr%C3%A5le
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/ ...
Dieses Bild zeigt zwei Schweden bei ihrem Einsatz für das Asow-Regiment im Jahr 2014.Bild: Carl Ridderstråle, CC-BY-SA 4.0

Das Bataillon Asow zählt unbestätigten Angaben zufolge gut 2000 Angehörige. Die Truppe gilt zwar als Freiwilligenmiliz, die untersteht jedoch offiziell der staatlichen Nationalgarde – sprich: dem Reserveverband der ukrainischen Streitkräfte.

Rassistische Aktionen werden gefeiert

Zu dieser Verbindung steht die Nationalgarde: Die Unterbehörde des ukrainischen Innenministeriums teilte am vergangenen Wochenende ein Video, in dem Asow-Kämpfer ihre Waffenmunition mit Schweineschmalz einschmierten für ihren Kampf gegen sogenannte «Kadyrow-Orks».

Gemeint ist damit die tschetschenische Paramiliz «Kadyrowzy»: Sie ist zwar nicht weniger politisch extrem als die ukrainische Asow-Miliz und wird wegen Mord und Folter gefürchtet. Sie positioniert sich aber muslimisch und islamistisch, womit das Schweineschmalz-Video wüsten Rassismus darstellt – verbreitet und unterstützt von der ukrainischen Nationalgarde.

Azov fighters of the National Guard greased the bullets with lard against the Kadyrov orcs👊
Die ukrainische Nationalgarde veröffentlichte das rassistische Asow-Video. Twitter löscht dies nicht: es gebe möglicherweise ein «öffentliches Interesse», dass dieser Tweet zugänglich bleibt. Dasselbe Vorgehen wählte Twitter bei den hassschürenden Tweets von Donald Trump.Bild: twitter/ng_ukraine

Westeuropäische Rechtsextremisten hätten damit kein Problem. Ihnen droht aber die Strafverfolgung durch die Schweizer Justiz, falls sie von eidgenössischem Boden aus «Feindseligkeiten gegen einen Kriegführenden» unternehmen.

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Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
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Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
Durch Russlands Angriff auf die Ukraine in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, ist die jahrelange Ukraine-Krise von einem blossen Konflikt zum Krieg geworden. Wer die wichtigsten Beteiligten sind, erfährst du hier:

Wladimir Putin ist seit 2000 (mit Unterbrechung von 2008 bis 2012) Präsident von Russland. Er sieht die Stabilität seines Systems seit den frühen Jahren seiner Präsidentschaft durch den Westen bedroht und will verhindern, dass die Ukraine Nato-Mitglied wird und eine westlich orientierte Demokratie aufbaut. Am 24. Februar befahl Putin schliesslich den Angriff auf die Ukraine. Offizielle Leitmotive für den Krieg sind die «Demilitarisierung und Entnazifizierung».
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«Russland hat jetzt die Taliban UND die Schweizer verloren»
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145 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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du_bist_du
03.03.2022 21:10registriert Mai 2020
Naja, hier sind wir sie los, und dort kämpfen sie für die Ukraine. Win win Situation behaupten böse Zungen.
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plop
03.03.2022 21:03registriert Dezember 2015
Uff. Auch solches noch.
Ich geh jetzt Germanys Next Topmodel gucken.
Diomio.
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Gringo Wäsche
04.03.2022 06:35registriert November 2017
Mich erstaunt die Unkenntnis hier in der Kommentarspalte aber schon. Seit knapp 10 Jahren (Maidan) ist bekannt, dass sich Faschisten aus ganz Europa gerne den ukrainischen Brigaden anschliessen und es aber auch solche unter den Russischen Streitkräfte hat. Das ist eine kleine Minderheit in der Ukraine und rechtfertigt in keinster Weise Putins mörderischen Krieg. Ich bin immer wieder entsetzt, dass Medienhäuser rechtsextreme Symbolik nicht erkennen.
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