International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Cassis' Glencore-Besuch in Sambia: EDA hat mehrfach unkorrekt informiert



Bild

Bundesrat Cassis in Sambia. screenshot twitter

SRF-Ombudsmann Roger Blum kann die Beanstandungen des EDA zur Berichterstattung der SRF-Medien über den Besuch von Aussenminister Cassis in einer Glencore-Mine «beim besten Willen nicht unterstützen». SRF habe «professionell» gearbeitet, das EDA «dilettantisch».

Jean-Marc Crevoisier, Sprecher des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Gelegenheiten (EDA), hatte beim SRF-Ombudsmann die Berichterstattung von SRF zum Besuch von Bundesrat Ignazio Cassis im Januar 2019 in einer Kupfermine des Rohstoffkonzerns Glencore in Sambia beanstandet.

Aussagen von Cassis in einem Interview seien falsch interpretiert respektive manipuliert worden mit dem Ziel, eine Polemik auszulösen, so die Eingabe des EDA-Mannes an Blum. Das Interview wurde am 12. Januar im «Echo der Zeit» ausgestrahlt und auf SRF.ch am 17. Januar online weiterverwertet.

Allerdings korrigiert SRF in ihrer Berichterstattung gemäss Blum die Verlautbarungen aus dem EDA zu Recht: «Es war richtig, die Verwedelungen und Unklarheiten klarzustellen.» Es falle ihm schwer, so Blum, in seiner «eigenen Bewertung der Berichterstattung», nur einen Kommentar zu SRF abzugeben und keinen zum Verhalten des Aussenministers und seiner Kommunikationsabteilung.

Reaktionen der Deutschschweizer Presse auf die Cassis-Wahl im 2017

«Mehrfach unkorrekte Informationen»

Das EDA habe im Kontext des Glencore-Besuches der Öffentlichkeit «mehrfach unkorrekte Informationen» vorgesetzt, kommt Blum in seiner am Montag veröffentlichten Antwort auf die Beanstandung zum Schluss. Es sei Aufgabe des Journalismus, Informationen der Behörden zu hinterfragen. Erst recht sei es Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten, falsche Informationen seitens der Behörden richtig zu stellen.

Die Kommunikationsabteilung des EDA habe nach Cassis' Besuch euphorische Tweets abgesondert, die das Unternehmen nachher für seine PR benutzt habe, so Blum. In den EDA-Verlautbarungen war davon die Rede, dass Glencore die Abgas-Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vollumfänglich einhalte.

Cassis relativierte später im Radio-Interview zwar und sprach davon, die Grenzwerte würden «im Grossen und Ganzen» eingehalten. Das EDA berichtigte seine Meldung zur angeblichen Einhaltung der Grenzwerte zehn Tage nach der Publikation online. Messungen eines Reporters des SRF-Magazins «Rundschau» vor Ort haben in der Zwischenzeit ergeben, dass die Kupferfabrik die WHO-Limiten um eine Mehrfaches überschreitet.

Keine Gespräche mit lokalen NGO

Als unwahr, beziehungsweise missverständlich, erwies sich laut Blum auch die Angabe von Cassis im Echo-Interview, das EDA habe darüber auch mit lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGO) gesprochen. Tatsächlich gab es im Vorfeld des Besuchs von Cassis in der 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Lusaka Kontakte von EDA-Vertretern mit Vertretern zweier NGO.

Bei beiden handelte es sich gemäss SRF jedoch nicht um lokale Organisationen. Diese setzten sich zudem auch nicht mit dem Kontext der Kritik, der Umweltbelastung, auseinander. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die sieben bisherigen Tessiner Bundesräte

Ignazo Cassis: Der neue Bundesrat

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
who cares?
17.06.2019 09:41registriert November 2014
Cassis ist für mich naiv und dem Job nicht gewachsen. Er hat das Gefühl, er könne die Dinge als Bundesrat genaus so händeln wie als Nationalrat. Also durchwursteln, da und dort mal eine unseriöse Günstlings-Aktion (Glencore, Pro-Tell) und sich wie eine Fahne im Wind von Interessengruppen beeinflussen lassen.
Schade, dass das EDA nun seine Arbeitsweise übernommen hat.
961
Melden
Zum Kommentar
Fairness
17.06.2019 09:38registriert December 2018
Himmeltraurig, Cassis‘ Fake News. Vermutlich hofft er auf eine frühere oder spätere „Spende“ von Glencore.
830
Melden
Zum Kommentar
The oder ich
17.06.2019 09:46registriert January 2014
Man muss wohl einen klassischen Diss neu formulieren:
Frage:
Was ist der kürzeste Abstand zwischen zwei Fettnäpfen?
Antwort:
Ein Cassis
642
Melden
Zum Kommentar
14

Schweizer Firma bezieht Kupfer von giftiger Schmelzerei in Namibia – mit tödlichen Folgen

Die Schweizer IXM S.A. lässt bulgarisches Kupfer mit hohem Arsengehalt in einem Schmelzwerk in Namibia verarbeiten und nimmt diesem die ganze Produktion auch wieder ab. Das giftige Arsen wird gemäss Berichten in Zuckersäcken in einer Freiluft-Deponie am Rand einer Kleinstadt gelagert.

Auf dem Wappen Tsumebs prangt der Bergarbeitergruss «Glück auf». Tsumeb, 400 Kilometer nördlich der namibischen Hauptstadt Windhoek gelegen, ist eine Bergarbeiterstadt. Seit Jahrzehnten wurden in den Minen in der Nähe verschiedene Mineralien abgebaut. Viele der Minen wurden inzwischen geschlossen. Sie waren erschöpft, die Förderung nicht mehr rentabel.

Die grosse Schmelzerei gleich neben der Stadt mit 35'000 Einwohnern ist nach wie vor in Betrieb. Eine Zugverbindung führt direkt an die …

Artikel lesen
Link zum Artikel