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Hitzewelle: Dieser Portugiese rettet Tiere vor Bränden und wird zum Held

«Ich will nicht wegen eines Brandes berühmt sein» – die Geschichte hinter diesem Bild

Ein Pressefotograf knipst ein Foto von einem Portugiesen, der oben ohne ein Schaf vor dem Feuer rettet – und macht ihn damit über die Landesgrenze hinweg bekannt. Ein Held will der Tierretter aber nicht sein. Das ist die Geschichte hinter dem Bild.
18.07.2022, 17:0421.07.2022, 13:23
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In den Wäldern der portugiesischen Region Leiria wüten zahlreiche Brände. João Paulo Ruivo schnappt sich ein verletztes Schaf und bringt es vor dem Feuer in Sicherheit. Ein Pressefotograf eilt zur Stelle und verewigt die Rettungsaktion mit seiner Kamera.

epaselect epa10066764 A man carries a sheep on his back during the fire at Boa Vista, Portugal, 12 July 2022. The fire forced shutting down the highway nr 1 in both directions. EPA/PAULO CUNHA
12. Juli 2022: João Paulo Ruivo trägt ein Schaf auf seinen Schultern, um es vor Bränden in Sicherheit zu bringen.Bild: keystone

Die kraftvolle Aufnahme wird in Portugal zu einem der symbolträchtigsten Bilder des Hitzesommers 2022.

Zahlreiche Zeitungen und Newsplattformen zeigten das Foto mit dem 22-jährigen João Paulo Ruivo mit dem Schaf auf den Schultern, als sie über die Brände im Land berichten – auch die Schweizer Medien. Mittlerweile hat der Portugiese bereits einen Wikipediaeintrag und gilt in Portugal als Held des Hitzesommers 2022. In den sozialen Medien kursieren die wildesten Vergleiche.

Dabei will der Zimmermann eigentlich gar nicht als Held gefeiert werden – zumindest nicht als einziger.

Schlimmste Waldbrände seit 2017

In Portugal heizen seit Tagen Temperaturen von über 40 Grad den Menschen ein, die Trockenheit in der Region ist gross. Nun wüten schwere Waldbrände, bereits eine halbe Million Hektar Wald legte das Feuer in Asche. Es sind die schlimmsten Brände, die Portugal seit 2017 erlebt.

Die Folgen bekam auch ein Dorf nahe der Stadt Leiria zu spüren: Am 12. Juli 2022 brachen gegen Abend zahlreiche Feuer aus. Der Zimmermann João Paulo Ruivo beendete seine Arbeit und wollte in den Feierabend abzischen. Doch die Brände kamen immer näher. Zusammen mit anderen Dorfbewohnern brach er auf, um Menschen und Tiere, die sich in Gefahr befanden, in Sicherheit zu bringen.

epa10072749 A local woman looks at the flames burning trees surrounding her house in Ancede village during a wildfire in the municipality of Baiao, North of Portugal, 15 July 2022. EPA/HUGO DELGADO
Eine Einheimische versucht mit einem Gartenschlauch das Feuer vor ihrem Haus in der Gemeinde Baiao, im Norden Portugals, einzudämmen.Bild: keystone

«Es war nicht einfach, die Tiere zu retten», erzählt der Portugiese der spanischen Zeitung «El Pais». «Sie waren eingezäunt, nervös und konnten nicht gut sehen». Das Schaf, welches er auf den Schultern trug, sei verletzt gewesen. Insgesamt konnte er – gemeinsam mit seinem Neffen – rund 40 Ziegen und 20 Schafe vor dem Feuer retten.

«Wenn man so etwas tut, ist es keine Frage des Stolzes, man will einfach nur helfen.»

«An diesem Tag wollte ich einfach nur helfen», erzählt der 22-Jährige. Ruivo möchte allerdings nicht als Held in diese Geschichte eingehen. «Es ist nicht richtig, wegen eines Brandes berühmt zu werden», sagt der bescheidene Helfer. Vielmehr sollten alle als Helden gefeiert werden, die geholfen haben – insbesondere die Feuerwehrleute, die seit Tagen im Einsatz stünden.

epa10069330 A firefighter watches the flames near a house threatened by a fire in the Ludo area, Faro, Algarve, south of Portugal, 13 July 2022. Sixteen of the 18 districts of mainland Portugal are un ...
Ein Feuerwehrmann steht am 13. Juli 2022 vor einem vom Brand bedrohten Haus in Lado, im Süden Portugals.Bild: keystone

Feuerwehr konnte nicht eingreifen

Die Feuerwehrleute seien zwar auch in der Umgebung im Einsatz gewesen, konnten aber nicht überall helfen. Trotz internationaler Hilfe aus Spanien und Italien breiteten sich die Brände in den letzten Tagen in einem so schnellen Tempo aus, dass es die Feuerwehren überforderte. Dutzende Menschen hätten in der Region Äste, Eimer und Gartenschläuche benutzt, um die Flammen zu bekämpfen. Laut Berechnungen brach auf dem Festland einen Tag nach Ruivos Rettungsaktion alle 10 Minuten ein Feuer aus. (cst)

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quelle: epa/epa / shahzaib akber
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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gandalf-der-Blaue
18.07.2022 17:13registriert Januar 2014
Katastrophen bringen Helden hervor. Seine Bescheidenheit und seine Gelassenheit beim Verweis auf alle anderen Helfer sind vorbildlich und geben Hoffnung auf das Gute im Menschen!
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Sauäschnörrli
18.07.2022 21:00registriert November 2015
„Ich will nicht wegen eines Brandes berühmt sein“ - lasst uns vorstellen: der Mann hinter dieser Aussage.
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