Nebeneffekt des Iran-Krieges: Toyota-Memes noch und nöcher
«Was ist eigentlich das taffste Auto der Welt?», fragte «Top Gear»-Moderator Jeremy Clarkson anno 2003. «Was ist es, das die geballte Macht des US-Militärs, des grössten und technologisch fortgeschrittensten Militärapparats der Weltgeschichte, zu einem knirschenden Stillstand bringen kann?»
Die Antwort: «Ein paar Kalaschnikow-bewaffnete Teenager in einem Toyota-Pickup.»
Was darauf folgte, gehört längst zum Pantheon der TV-Geschichte. Die Rede ist von der «Top Gear»-Episode «The Toughest Car In the World»:, in der man einen 1988er Toyota Hilux mit 200'000 Meilen auf dem Tacho mit Vollgas gegen einen Baum fuhr, mit einer Abrissbirne zertrümmerte, über Nacht im Meer parkierte, von einem Kran fallen liess, in Brand setzte und schliesslich auf dem Dach eines 23-stöckigen Wolkenkratzers parkierte, der dann gesprengt wurde. Der Toyota wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Aber nach jeder Tortur sprang er wieder an. (Hier kannst du gucken.)
Unterhaltsames TV, gewiss. Und doch bestätigen unzählige Anekdoten aus aller Welt immer wieder das Klischee des unkaputtbaren Toyotas. Etwa: Der arme Typ, dessen Haus während der Brände in Los Angeles bis auf die Grundmauern niederbrannte – sein Toyota Tacoma, der in der Einfahrt geparkt war, überstand das Feuer und war weiterhin fahrtauglich.
Und was ebenfalls immer wieder bestätigt wird, ist Clarksons Feststellung, dass bewaffnete Teenies in Toyota-Offroadern – vorzugsweise die Modelle Land Cruiser, Tacoma und Hilux – eine ungemein wirksame Waffe in Kriegshandlungen darstellen («Technicals» nennt man solche Vehikel in Fachkreisen). Aus dem Sudan etwa erreichten uns gestern diese Bilder:

In jüngster Zeit tauchen Memes zum Thema Toyotas als Kriegsgerät überall auf Social Media auf – obige Sudanesen, etwa, im Insta-Feed «Toyotas of War» (yup it's a thing). Der Grund? Den Anfang machte ein Post von CNN-Reporterin Clarissa Ward, die aktuell im Nordirak die Situation der iranischen Kurden beobachtet:
50 Toyota Land Cruiser?
Zufall?
Und prompt wurden die Meme-Schleusentore geöffnet:

Toyota, wenn sie einen Auftrag von einer ungenannten Organisation im Nahen Osten über 1000 Pickup-Trucks erhalten.


Toyota, beim Zusehen, wie sich der Iran-Konflikt zu einem Bodenkrieg ausweitet.

Ich und mein Kumpel beim Kauf von Toyota-Aktien kurz vor Beginn eines weiteren Krieges im Nahen Osten.
Toyota-CEOs, nachdem sie von den Ereignissen im Nahen Osten erfahren haben.

Kürzlich gegründete Rebellengruppen, die eine Bedrohung für alle umliegenden Nationen darstellen, in geduldiger Erwartung ihrer nächsten Lieferung von Toyota-Pickups.
So würde es vielleicht aussehen, wenn Toyota-Hilux-Werbung ehrlich wäre:
Ob Sie nun einen spontanen Aufstand, einen unbefristeten Dschihad oder eine brutale Rebellion planen – der Toyota Hilux ist die erste Wahl für selbstbewusste Rebellen auf der ganzen Welt, die auf ihre technische Ausrüstung Wert legen. Kompatibel mit allen gängigen Arten von erbeuteten Waffen und mit jahrzehntelanger Erfahrung im Einsatz, sorgt er dafür, dass Ihre umherziehenden Banden bewaffneter Banditen stilvoll in die Schlacht ziehen können.
Toyotas Slogan lautet «Let's Go Places», gell?
Ich finde, das Beste an diesem Krieg mit dem Iran ist, dass sandfarbene Tacomas wieder trendy sind!
Und während sich die Amis über ihre tonnenschweren Riesen-Pickups streiten:

«FoRdS siNd KaCkE – sie sind unzuverlässig, langsam und zu teuer.»
«NeiiiiiN, ChEvYs siNd KaCkE – sie sind langsam, zu teuer und unzuverlässig.»
Derweil Toyota, sobald es im Nahen Osten zu neuen Auseinandersetzungen kommt:
Und hier der Unterschied, wie Toyotas in den USA einem Härtetest unterzogen werden, ...

... gegenüber, wie es im Nahen Osten gemacht wird.
Ach, schon gehört?

Toyota hat gerade einen neuen Hilux-Kipper auf den Markt gebracht! Und hier ist das Toyota-Entwicklungsteam dahinter!
Okay, okay: Komplett unzerstörbar, wie es «Top Gear» eingangs dieses Artikels uns weismachen wollte, sind Toyota-Pickups trotzdem nicht:
US-Luftwaffe zerstört einen iranischen Regierungs-Toyota im Wert von 3200 Dollar mit einer 30 Millionen Dollar teuren Präzisionsbombe.
Da freut sich doch der US-Steuerzahler!
Nicht.
