International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
UNDATED:  F.I.F.A. MEDIA RELATIONS DIRECTOR GUIDO TOGNONI OF ITALY. Mandatory Credit: 000P/ALLSPORT

Guido Tognoni stand Sepp Blatter selber persönlich nah, bevor dieser ihn von einem Privatdetektiv beschatten lies. Bild: Getty Images North America

Ex-Intimus des FIFA-Bosses: «Blatter ist nur wichtig, dass er unbeschadet bleibt. Um das Schicksal seiner Funktionäre kümmert er sich nicht»

Guido Tognoni war Medienchef bei der FIFA und persönlicher Berater von FIFA-Präsident Sepp Blatter. Er glaubt nicht, dass Sepp Blatter wegen des erneuten Korruptionsverfahrens Schaden nehmen könnte. 



Herr Tognoni, was ging Ihnen durch den Kopf als Sie heute Morgen die News lasen? 
Guido Tognoni:
 Überrascht haben mich die Verhaftungen nicht. Es lag etwas in der Luft. Leute, die diese Szene verfolgen, wussten, dass bald etwas passieren würde. 

«So viele hochrangige FIFA-Funktionäre an einem Ort und dienstwillige Unterstützung von einer Schweizer Kantonspolizei – diese Gelegenheit durfte sich die Amerikanische Justiz nicht entgehen lassen.» 

Warum? 
Es war bekannt, dass das FBI in Korruptionsfällen gegen die FIFA ermittelt. 

Denken Sie Präsident Sepp Blatter wusste, was heute passieren würde? 
Nein, dass kann er nicht gewusst haben. Das war ein perfekt durchgeplanter Schachzug der Amerikaner: So viele hochrangige FIFA-Funktionäre an einem Ort und dienstwillige Unterstützung von einer Schweizer Kantonspolizei – diese Gelegenheit durfte sich die Amerikanische Justiz nicht entgehen lassen. An den Vorwürfen wird sicherlich etwas dran sein.

Zur Person 

Guido Tognoni ist ehemaliger Pressechef und Marketing-Verantwortlicher bei der FIFA sowie persönlicher Berater von Sepp Blatter. 1995 wurde Tognoni bei der FIFA «rausgeschmissen», wie er sagt. Später kehrte er zurück und überwarf sich erneut mit der FIFA-Spitze, nachdem diese ihn beschatten lies. Kurzzeitig war er für Blatters Herausforderer Mohammed Bin Hammam tätig, der ebenfalls wegen Korruptionsverdacht vor der Ethik-Kommission antraben musste. Ursprünglich war der Jurist Sportredaktor beim «Tages-Anzeiger». (rar)

Blatter verliert auf einen Schlag seinen Vizepräsidenten und sechs weitere ranghohe FIFA-Funktionäre. Das muss ihm doch weh tun?
Blatter ist nur wichtig, dass er unbeschadet bleibt. Um das Schicksal seiner Funktionäre kümmert er sich nicht. Blatter hat man noch nie etwas anlasten können, auch wenn die ganze Welt denkt, er sei korrupt. Korruption sind bei der FIFA systemimmanent, da müssten drastischere Massnahmen als eine Ethik-Kommission her. 

«Was heute passiert ist, schadet dem Fussball, schadet der FIFA, aber sicher nicht Sepp Blatter.»

Seiner Wiederwahl wird diese Sache nicht im Weg stehen?  
Ach was! Was heute passiert ist, schadet dem Fussball, schadet der FIFA, aber sicher nicht Sepp Blatter. Blatter hat ja auch überhaupt keinen Ruf mehr zu verlieren. 

Wie wird er sich rauswinden? 
Blatter wird vorlegen, wie er in den Fällen schon selber interveniert hat. Er wird betonen, dass er eine transparente und saubere FIFA will und auf sein Marketing-Instrument – die Ethik-Kommission – verweisen. In dem Fall, in dem die Schweiz ermittelt, hat er ja sogar selber Anzeige gegen Unbekannt eingereicht – ein sehr geschickter Schachzug. Er wird sagen, er habe alles getan, was in seiner Macht stünde. 

Ja, nicht nur die New Yorker, sondern auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Ungereimtheiten bei der Vergabe der Weltmeisterschaften von 2018 und von 2022. Was wird herauskommen? 
Vermutlich nicht viel. Ich kann nur hoffen, dass sich die Bundesanwaltschaft an der FIFA nicht die Zähne ausbeisst. Ich hätte diesen Fall nicht übernommen, wenn ich die Bundesanwaltschaft gewesen wäre. Da hat man wohl ein neues Selbstbewusstsein gefunden. 

Warum? 
Die Bundesanwaltschaft legt sich mit der FIFA an und wagt sich in ihren Ermittlungen auf internationales Parkett. Im Fall des Betrug- und Geldwäschereiskandals um Hedgefonds-Guru Dieter Behring ermittelt die Bundesanwaltschaft aber beispielsweise seit mehr als zehn Jahren und konnte noch nie Ergebnisse vorlegen. Und diese Ermittlungen betreffen nur die Schweiz. 

Viel wird nicht herauskommen? 
Wahrscheinlich nicht. Vom amerikanischen Verfahren werden wir sicher bald hören. Die US-Staatsanwältin die den Fall übernommen hat, kann sich keinen Fauxpas leisten. Ich gehe davon aus, dass an den Korruptionsvorwürfen schon etwas dran ist.

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Dringender Verdacht gegen Infantino» – warum dem Fifa-Boss Ärger droht

Der Fifa-Boss könnte den Bundesanwalt zu Delikten angestiftet haben, sagt Ex-Staatsanwalt Markus Mohler.

Die ominösen Geheimtreffen im Berner Nobelhotel Schweizerhof müssen auch für Fifa-Chef Gianni Infantino Folgen haben. Das steht für Strafrechtsexperten wie den ehemaligen Basler Polizeikommandanten Markus Mohler fest.

Es gibt Leute, die sagen: Die Berner Staatsanwaltschaft müsste wegen der Geheimtreffen im «Schweizerhof» gegen Fifa-Chef Infantino ein Strafverfahren eröffnen.Markus Mohler: Diese Ansicht teile ich.

Welcher Verdacht liegt aus Ihrer Sicht konkret vor?Es besteht der dringende Verdacht, …

Artikel lesen
Link zum Artikel