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Blick in die Geburtenabteilung eines Spitals in der syrischen Stadt Aleppo.<br data-editable="remove">
Blick in die Geburtenabteilung eines Spitals in der syrischen Stadt Aleppo.
Bild: ABDALRHMAN ISMAIL/REUTERS

In Syrien nichts Neues. Aber dieser Bericht aus Aleppo ist herzzerreissend

29.07.2016, 02:1129.07.2016, 07:03

«Medecins sans Frontières beklagen Angriffe auf Spitäler in Aleppo» oder «MSF warnt vor Not in belagerter syrischer Stadt», «250'000 Menschen in Aleppo eingeschlossen» oder aber «Hilfsorganisation fordert Ende von Beschuss in Aleppo»: Hand aufs Herz, wer liest nach solchen Schlagzeilen über die Lage in Syrien noch weiter nach fünf Jahren Bürgerkrieg im Land?

Die Hilfsorganisation Medecins sans Frontières (MSF) hat am Donnerstag eine Mitteilung veröffentlicht, die sich mit all diesen Schlagzeilen überschreiben liesse:

So meldet die Hilfsorganisation etwa:

  • Die Kämpfe in Aleppo haben sich in den letzten drei Wochen intensiviert.
  • Die seit langem leidende Zivilbevölkerung trägt die Last der Zerstörung.
  • Anhaltende Luftangriffe treffen den Osten der Stadt, auch der Westen ist unter Beschuss, viele Tote und Verletzte sind zu beklagen.
  • Wegen der Belagerung sind in Ost-Aleppo rund 250'000 Menschen eingeschlossen. Sie kämpfen ums Überleben. Die einzige Strasse in nicht von der Regierung gehaltenes Gebiet ist abgeschnitten.
  • Die Menschen können das Kriegsgebiet nicht verlassen, Nahrung und medizinische Versorgung können sie nicht erreichen.
  • Spitäler beklagen Angriffe und fehlenden Nachschub.

Wer bis hier gelesen hat, dürfte das eine oder andere Déjà-vu erlebt haben. «Alleine in dieser Woche», schreibt MSF weiter, wurden vier Spitäler bei Bombenangriffen beschädigt. Auch das gab es in dem Konflikt bereits zu oft.

Gleichzeitig beschossen

Eines dieser Spitäler, das auf allgemeine und Gefässchirurgie spezialisiert ist, war schon vor einem Monat getroffen worden und musste den Betrieb einstellen. MSF unterstützte den behelfsmässigen Wiederaufbau der Einrichtung, welche vor zwei Wochen wieder öffnen konnte. Doch was dann am letzten Samstag in Aleppo passierte, deutet an, in welcher Verzweiflung sich Bevölkerung und Hilfskräfte wiederfinden:

«Am 23. Juli, nur Tage später, wurde das Spital durch einen Luftangriff auf ein benachbartes Gebäude erneut getroffen. Das Personal begann damit, Patienten in ein anderes Spital zu überführen, welches kurz darauf ebenfalls getroffen wurde. Während der ersten Minuten des Chaos' wiesen sich die beiden Spitäler gegenseitig Patienten zu, während sie gleichzeitig beschossen wurden.»

So sieht es aus in den Strassen von Aleppo.<br data-editable="remove">
So sieht es aus in den Strassen von Aleppo.
Bild: ABDALRHMAN ISMAIL/REUTERS

Pablo Marco von MSF berichtet von steigenden Opferzahlen. Eines der Spitäler habe in den letzten Monaten bis zu 50 Verwundete täglich aufgenommen, bevor es getroffen wurde und schliessen musste. «Wohin werden diese Menschen jetzt gehen?»

34 Ärzte für 300'000 Einwohner
Die Vereinigung der syrischen Notärzte (UOSSM) forderte eine internationale Überwachung für humanitäre Korridore in Aleppo. «Es ist unmöglich, dass jene, die bombardieren, wie Russland und das syrische Regime eine solche Massnahme durchführen», sagte Tawfik Chamaa, Präsident der Schweizer Sektion der Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM), in Genf. Chamaa rief dazu auf, die humanitären Fragen von den militärischen zu trennen und die Zivilisten zu unterstützen, statt sie zur Flucht aufzufordern. Die Erpressung wie zuvor in Homs und Jarmuk müsse aufhören, sagte er. Nach Angaben von Chamaa gibt es im Ostteil von Aleppo nur noch 34 Ärzte für 300'000 Einwohner. Fast alle Spitäler seien beschädigt. Vier Kliniken funktionierten noch und zwei weitere teilweise. Seit Beginn des Krieges seien in Syrien 650 Mitarbeiter von medizinischen Einrichtungen getötet worden, davon mehr als 80 in diesem Jahr. (sda)

Aleppo ist seit Monaten heftig umkämpft. Vor Beginn des Krieges vor fünf Jahren war es die grösste Stadt des Landes. Sie ist seit 2012 zwischen Armee und Rebellen geteilt. Seit 17. Juli werden die von Rebellen beherrschten östlichen Stadtteile von der Regierungsarmee belagert.

Zuletzt gelang es der Armee nach eigenen Angaben, alle Versorgungsrouten der Aufständischen in den Ostteil Aleppos zu kappen. Laut staatlichen Medien eroberte die Armee zudem mit Unterstützung verbündeter Milizen und russischer Luftangriffe auch Gelände am nördlichen Stadtrand zurück. (kad)

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Kommentar

Bei euch, liebe zu Unrecht als Putin-Trolls Beschimpfte, möchte ich mich entschuldigen. Bei allen anderen nicht

Offener Brief auf einen Artikel, der ein grosses Echo und ein paar Missverständnisse ausgelöst hat.

Vor ein paar Tagen habe ich mich stellvertretend dafür entschuldigt, dass watson einen Artikel des Journalisten Helmut Scheben unter dem Titel: «Spielball der Mächte: Weshalb der Syrienkonflikt ein Stellvertreterkrieg geworden ist» von Infosperber übernommen hat.

Diese Story, so meine Aussage, sei russische Propaganda und Scheben ein Putin-Troll, und wir watson-Deppen seien ihm auf dem Leim gekrochen.

Ich habe auch darauf hingewiesen, dass Scheben auf anderen Portalen schon mehrmals …

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