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Syrien lanciert Offensive auf Rebellen-Gebiet Ost-Ghouta 



This photo released on Thursday, March. 1, 2018 by the Syrian anti-government activist group Ghouta Media Center, which has been authenticated based on its contents and other AP reporting, shows Syrians walking between destroyed buildings in Douma, after airstrikes and shelling by Syrian government forces hit in the eastern Ghouta region near Damascus, Syria. Thousands of residents are huddling underground in basements and tunnels, hiding from the horror raining down from Syrian army jets that almost never leave the skies. Residents of the rebel-held suburbs east of Damascus describe damp, mostly unhygienic living conditions underground, and moments of pure terror when bombs fall above their heads, fearing their shelters would collapse. (Ghouta Media Center via AP)

Ost-Ghouta gehört zu den letzten von Rebellen kontrollierten Gebietne in Syrien – Bewohner in der eingekesselten Region. Bild: AP/Ghouta Media Center

Syrische Regierungstruppen haben im belagerten Ost-Ghuta mit strategischen Geländegewinnen die entscheidende Phase im Kampf um das Gebiet eingeleitet: Die Einheiten von Präsident Baschar al-Assad schnitten am Wochenende die beiden wichtigen Städte Duma und Harasta voneinander und vom Rest der Region ab.

Dies berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR). Die weiter vorrückenden Regierungstruppen nahmen auch Strassen und Nachschubwege ein, sodass der Druck auf die vorwiegend islamistischen Rebellen dort noch grösser wird.

epa06525715 A handout photo made available by Syrian Arab Red Crescent (SARC) shows  Humanitarian aid convoy reaching Eastern Ghouta in rural Damascus , Syria 14 February 2018.  According to Syrian Arab Red Crescent (SARC) press office the SARC/ UN joint convoy of 9 trucks delivered a humanitarian aid to Al Neshabyeh area in Eastern Ghouta east of Damascus, carrying relief items of food parcels, flour, nutrition, medicines and medical materials for 1440 family there.  EPA/SYRIAN ARAB RED CRESCENT (SARC) HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

400'000 Menschen sind seit 2013 hier eingeschlossen – Hilfskonvoi in Ost-Ghouta. Bild: EPA/SYRIAN ARAB RED CRESCENT (SARC)

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass die Regierungstruppen tief in das Gebiet vorgerückt seien, um eine Hauptstrasse zwischen dem Süden und dem Norden Ost-Ghutas zu blockieren. Sie flogen zudem Dutzende schwere Luftangriffe und beschossen die Region mit Artillerie und Raketen. Mehr als 20 Menschen seien allein am Sonntag gestorben.

Vertreter der Rebellen teilten mit, weiterkämpfen zu wollen. Am späten Freitagabend hatte eine kleine Gruppe aufständischer Kämpfer mit ihren Familien die eingeschlossene Region verlassen und sich auf den Weg in eine von der Opposition gehaltene Gegend im Nordwesten des Landes gemacht. Die beiden grössten Rebellengruppen gaben aber an, in Ost-Ghuta bleiben und für sich und ihre Familien keine entsprechende Vereinbarung aushandeln zu wollen.

Hunderttausende eingeschlossen

Ost-Ghuta östlich der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert werden. Es erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren.

Die Rückeroberung von Ost-Ghuta wäre für Präsident Assad der grösste Erfolg gegen die Aufständischen seit der Einnahme der Metropole Aleppo im Dezember 2016. Assad und sein Hauptverbündeter Russland wollen nach eigenen Angaben mit dem Vorstoss den Beschuss der Hauptstadt Damaskus durch Aufständische unterbinden.

Wie bei früheren Angriffen setzen die Regierungstruppen dabei vor allem auf massive Luftschläge sowie eine Belagerung der Rebellengebiete. Die Regierungstruppen hatten zuletzt mehr als 50 Prozent des Gebietes erobert.

Rund 400'000 Menschen sind in Ost-Ghuta seit 2013 von der Regierung eingeschlossen. Die humanitäre Lage dort ist katastrophal. Es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten, medizinischen Gütern und Strom. Seit Beginn der Offensive vor gut drei Wochen wurden der Beobachtungsstelle zufolge mehr als 1100 Menschen im Gebiet getötet.

Stadt Afrin vor Belagerung

Im Nordwesten des Landes sind derweil die türkische Armee und verbündete protürkische Rebellen nach mehr als 50 Tagen ihrer Militäroperation «Olivenzweig» bis kurz vor die Stadt Afrin vorgerückt. Türkische Streitkräfte seien nur mehr wenige hundert Meter von der Stadtgrenze entfernt, teilte SOHR in der Nacht zum Sonntag mit.

Erst am Freitag hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan gesagt, die türkischen Truppen bereiteten sich auf die Belagerung Afrins vor: «Wir beseitigen die letzten Hindernisse, die einer Belagerung des Zentrums von Afrin im Wege stehen.»

In der Stadt leben viele Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in der gleichnamigen Region geflüchtet waren. Die türkischen Streitkräfte hatten die Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG am 20. Januar gestartet. Ankara sieht die YPG als syrischen Ableger der in der Türkei verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK. (wst/sda/dpa/reu)

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