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A relative of a victim of Easter bomb blasts wipes her tears during a prayer at the burial site of her relatives after a televised Sunday mass by Sri Lankan Archbishop Cardinal Malcolm Ranjith, in Negombo, north of Colombo, Sri Lanka, Sunday, April 28, 2019. Sri Lanka's Catholics celebrated Sunday Mass in their homes by a televised broadcast as churches across the island nation shut over fears of militant attacks, a week after the Islamic State-claimed Easter suicide bombings killed over 250 people. (AP Photo/Manish Swarup)

Grosse Trauer in Sri Lanka. Eine Angehörige am Grab eines Opfers in Nordcolombo. Bild: AP/AP

Dutzende neue Festnahmen in Sri Lanka – Von Reisen wird abgeraten



Nach den Anschlägen vom Ostersonntag sind am Wochenende in Sri Lanka erneut Dutzende Menschen festgenommen worden. Bei Hausdurchsuchungen wurden zudem Sprengstoff, Zünder, Schusswaffen, Schwerter und Funkgeräte sichergestellt. Das Aussendepartement (EDA) in Bern verschärfte nach neuer Gewalt am Freitagabend seine Reisehinweise für Sri Lanka.

Allein am Sonntag gab es nach Angaben der Polizei 48 Festnahmen. Darunter war auch ein Bruder von zwei der Selbstmordattentäter, bei dem zwei Schwerter gefunden wurden.

Terroranschläge in Sri Lanka

Die Polizei meldete ausserdem die Festnahme zweier Männer, die auf einer Liste der meistgesuchten Verdächtigen standen. Mohamed Saadik Abdul Haq und Mohamed Saahid Abdul Haq wurden demnach am Samstagabend in der Region Nawalapitiya gefasst, etwa 125 Kilometer östlich von Colombo. Die beiden Männer sollen im Dezember in der Stadt Mawanella mehrere Buddha-Statuen beschädigt haben.

Damit stieg die Zahl der Festgenommenen auf über 100. Die Polizei fahndet nach 140 Verdächtigen, die Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterhalten haben sollen.

Vor einer der betroffenen Kirchen in der Hauptstadt Colombo wurde der Toten mit einem Gottesdienst gedacht. Obwohl die katholische Kirche des Landes wegen der anhaltenden Terrorgefahr bis auf weiteres alle Sonntagsmessen abgesagt hatte, versammelten sich am Sonntag mehrere Dutzend Gläubige auf der Strasse vor dem St.-Antonius-Schrein, um an die mehr als 250 Todesopfer zu erinnern. Die Trauernden wurden streng bewacht.

15 Leichen nach Razzia gefunden

Nach mindestens drei Explosionen in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus in der Küstenstadt Sainthamaruthu waren in der Nacht zum Samstag 15 Leichen entdeckt worden.

Das Haus sollte im Zuge einer Anti-Terror-Razzia von Polizisten und Soldaten gestürmt werden, als diese nach Aussagen eines Polizeisprechers aus dem Haus beschossen wurden. Kurz darauf sei es in dem Gebäude zu den Explosionen gekommen. Die Polizei vermutet, dass die Detonationen auf einen oder mehrere Selbstmordattentäter zurückgehen.

Unter den Toten waren demnach sechs Kinder und drei Frauen. Zwölf Leichen seien in dem Haus und drei davor gefunden worden. Ein vierjähriges Mädchen und eine Frau wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sie wurden nach Angaben der Polizei vom Sonntag als Tochter und Ehefrau des mutmasslichen Drahtziehers der Osteranschläge, des srilankischen Hasspredigers Mohammed Zaharan, identifiziert. Dessen Vater und zwei Brüder waren unter den Toten.

Einige Stunden zuvor waren in einem wenige Kilometer entfernten Wohnhaus unter anderem mehrere Sprengstoffwesten, eine Drohne und umfangreiches Material zur Herstellung von Bomben - darunter rund 100'000 Kugellager - sichergestellt worden, wie die Polizei mitteilte.

Zudem seien eine Flagge der sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) und Kleidung gefunden worden - sie könnten auf einem angeblichen Bekennervideo der Attentäter vom Ostersonntag zu sehen sein, das von einem IS-Sprachrohr verbreitet worden war. Der IS reklamierte die Gewalt in der Nacht zum Samstag, wie zuvor schon die Osteranschläge, für sich.

EDA warnt Schweizer vor Reisen

Neben Deutschland und den USA passte auch die Schweiz noch einmal ihre Reisehinweise an: «Meiden Sie grosse Menschenansammlungen und religiöse Stätten», heisst es in einer ab Samstag gültigen Mitteilung auf der Website des Eidg. Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Der Reiseveranstalter Hotelplan Suisse annullierte am Samstag - «ab sofort» - alle Reisen nach Sri Lanka mit Abreise bis und mit 31. Mai 2019.

Das US-Aussenministerium wie auch das Foreign and Commonwealth Office in London sowie Indien raten dazu, wegen Terrorismus Reisepläne nach Sri Lanka zu überdenken. Das US-Aussenministerium ordnete zudem an, dass Angehörige von US-Regierungsmitarbeitern, die im Schulalter sind, den Inselstaat verlassen müssen. Die Abreise aller Mitarbeiter, die nicht für Notfälle benötigt werden, und ihrer Angehörigen sei genehmigt worden, hiess es.

Zwei Islamistengruppen verboten

Zwei extremistische Organisationen, die für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht werden, wurden am Samstag in Sri Lanka verboten: die Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ) sowie die Organisation Jammiyathul Millathu Ibrahim. Beide Organisationen waren zuvor kaum bekannt und nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden. Die NTJ, die der Hassprediger Zaharan gründete, gilt als salafistisch.

In vielen Moscheen des Landes fielen auch die Freitagsgebete aus. Führer der religiösen Minderheit hatten dazu aufgerufen, aus Solidarität mit den Christen Sri Lankas, deren Kirchen geschlossen blieben, Moscheen fernzubleiben. Es hatte laut Polizei auch Anschlagspläne gegen Gotteshäuser der als tolerant geltenden islamischen Strömung des Sufismus gegeben. Einige Muslime waren zudem besorgt über mögliche Racheakte gegen sie.

Neun einheimische Selbstmordattentäter, unter ihnen eine Frau, hatten am Ostersonntag Anschläge unter anderem auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verübt. Unter den Todesopfern waren mindestens 40 Ausländer - darunter ein Berner Ehepaar - und laut Unicef 45 Kinder. (sda/dpa/afp/reu)

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