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Ukrainischer Armee-Chef: «Wir holen alles zurück, auch die Krim»

Ukrainian soldiers fire a cannon near Bakhmut, an eastern city where fierce battles against Russian forces have been taking place, in the Donetsk region, Ukraine, Monday, May 15, 2023. (AP Photo/Libko ...
Ukrainische Soldaten feuern auf russische Stellungen bei Bachmut.Bild: keystone

«Wir holen alles zurück, auch die Krim»

Die Ukraine braucht langfristig eine «hochmoderne und kampfbereite Armee», sagt deren Chef Walerij Saluschnyj in einem Interview. Und er berichtet über den Tag, an dem die russische Invasion begann.
16.05.2023, 05:46
martin küper / t-online
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t-online

Der Chef der ukrainischen Armee gibt sich gewiss, dass seine Streitkräfte alle von Russland besetzten Gebiete befreien werden: «Ohne Zweifel holen wir alles zurück, die Regionen Donezk und Luhansk und auch die Halbinsel Krim», sagte Walerij Saluschnyj dem Filmemacher Dmitry Komarow in einem Interview für das ukrainische Fernsehen.

epa10513815 (R-L) Ukrainian Defense Minister Oleksii Reznikov, Commander in Chief of the Ukrainian armed Forces Valerii Zaluzhnyi, and Chief of the General Staff of Ukraine's armed forces Serhii  ...
Walerij Saluschnyj (Mitte) ist seit 2021 Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee.Bild: keystone

«Wir wissen, was wir dafür tun müssen und wir sind schon dabei, es zu tun», so der seit Juli 2021 amtierende Oberbefehlshaber. «Der Sieg ist erreicht, wenn sämtliche besetzte Gebiete befreit sind. Und noch während des Krieges müssen wir eine hochmoderne, kampfbereite Armee schaffen, die es Russland unmöglich machen wird zu wiederholen, was gerade passiert.» Der russischen Armee warf Saluschnyj vor, in der Ukraine Völkermord zu betreiben.

«Das strategische Ziel Russlands ist die Vernichtung der ukrainischen Eigenstaatlichkeit», so der General, der als einer der Architekten der ukrainischen Verteidigungsstrategie gilt. «Russen kommen in die Ukraine in der Absicht, Ukrainer zu töten, ganz bewusst. Im Kern geht es für uns in diesem Krieg darum: Wenn wir den Gegner jetzt nicht vernichten, dann werden wir vernichtet.» Der russischen Armee müsse so schnell wie möglich ihr gewaltiges Zerstörungspotenzial genommen werden.

Zur lange erwarteten Gegenoffensive der Ukrainer – und ob diese womöglich schon begonnen habe – äusserte sich Saluschnyj in dem am Freitag auf YouTube veröffentlichten Interview nicht. Dafür nannte der 49-Jährige erstmals Details zur Vorbereitung seiner Armee auf den russischen Einmarsch voriges Jahr: «Für die ukrainische Armee hat dieser Krieg schon im Sommer 2014 begonnen», erklärt Saluschnyj mit Blick auf den russischen Einmarsch auf der Krim und der Ostukraine in jenem Jahr. «Am 24. Februar 2024 hat sich aus Sicht des Militärs nur sein Ausmass verändert.»

Vor der Invasion hätten die Ukrainer genau analysiert, wie sie gegen einen überlegenen Gegner kämpfen können, der aus fast allen Richtungen gleichzeitig angreift. Im Schutz der Nacht habe die Armee immer wieder trainiert, Flugabwehreinheiten im ganzen Land hin und her zu verlegen und so vor russischen Angriffen zu schützen. «Diese acht Jahre des Krieges haben uns abgehärtet und gelehrt, wie man kämpft. Das haben die Russen nicht erwartet.» Am Tag der Invasion habe es dann keine grossen Befehle mehr gebraucht, so Saluschnyj.

«Ich habe die Kommandeure der einzelnen Bereiche angerufen und es gesagt, 'es geht los'. Die Antwort lautete meistens einfach 'habe verstanden' und in einigen Fällen hatten sie die notwendigen Schritte schon eingeleitet», berichtet der Armeechef weiter. «Wir mussten dem Feind so schnell wie möglich so viel Schaden wie möglich zufügen, auch wenn das hiess, Gelände aufzugeben. Und das hat funktioniert», sagt Saluschnyj mit Blick auf die gewaltige russische Militärkolonne, die im Frühjahr 2022 auf Kiew zurollte – und sich dann unter den ständigen Angriffen der Ukrainer zurückziehen musste.

Die aktuellen Entwicklungen im Krieg im Liveticker:

Er habe sich vor dem Einmarsch im vorigen Jahr nicht vorstellen können, dass die Russen ganze Städte in der Ukraine in «Steinwüsten» verwandeln würden, obwohl sie dies in Syrien und Tschetschenien schon getan hätten. Der Krieg sei in seinen Ausmassen vergleichbar mit dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, was die Länge der Front und den Verbrauch an Munition angehe, so Saluschnyj: «Es ist unfassbar, dass so etwas im 21. Jahrhundert passiert, wo die Wissenschaft so weit ist und wir alle noch in Erinnerung haben, was unsere Grosseltern im Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Und doch kommen sie her und töten ganz bewusst Ukrainer.»

Saluschnyj gilt als entschlossener Reformer, der das sowjetische Erbe der ukrainischen Armee loswerden will und die Truppe an die Standards und Methoden der Nato heranführt. Er war seit dem russischen Einmarsch 2014 in der umkämpften Ostukraine stationiert und sammelte dort Kampferfahrung an vorderster Front. 2017 wurde er zum Generalmajor befördert. Als Leiter der Gefechtsausbildung organisierte Saluschnyj schon seit 2015 Übungen mit britischen und US-Soldaten. Saluschnyj ist verheiratet und hat zwei Kinder. «Meine Familie hat mich seit 2014 allerdings kaum zu Gesicht bekommen», so der Armeechef.

Verwendete Quellen:

  • youtube.com: Interview mit Walerij Saluschnyj vom 12. Mai 2023 (mit englischen Untertiteln)
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134 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Foxtrott
16.05.2023 06:51registriert Oktober 2019
Steh voll hinter der Ukraine. Die internationale Staatengemeinschaft hat 2014 ja den Schwanz eingezogen als Putin die Krim widderrechtlich gesetzte. Dies war wohl die Legitimation für ihn diesen Krieg vom Zaun zu brechen. Wegschauen ist auch eine Unterlassungssünde
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Sarkasmusy
16.05.2023 06:33registriert Dezember 2020
Er hat recht, es darf nur dieses Ziel geben.
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Callao
16.05.2023 06:19registriert April 2020
Bezüglich dem Agieren der Russen mit dem Zerstören der Städte stimme dem ukrainischen Armeechef voll und ganz zu. Die Russen sind in ihrer über 100 jährigen brutalen Doktrin und menschenverachtenden Ideologie regelrecht gefangen. Und genau das wird weiterhin ihr Handeln beeinflussen. Leider.
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