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Ein tschetschenisches Regiment posiert vor Häuserruinen in Lyssytschansk.
Ein tschetschenisches Regiment posiert vor Häuserruinen in Lyssytschansk. Bild: keystone

Ukraine: Putin lässt Kämpfer ruhen. Sind bereits HIMARS im Einsatz?

05.07.2022, 20:0707.07.2022, 04:47

Der Krieg in der Ukraine konzentriert sich aktuell weiterhin auf zwei Hauptschauplätze. Die Region um die beiden eroberten Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im Osten und um die Stadt Cherson im Süden.

In der Ostukraine und den Oblasten Luhansk und Donezk

Nach der Einnahme der beiden Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk ordnete der russische Präsident Wladimir Putin für die involvierten Truppen eine Einsatzpause an. Es soll sich dabei vor allem um Wagner-Söldner, tschetschenische Kadyrowzy und Separatisten handeln. Nach Einschätzung des ISW (Institute for the Study of War) mussten sie im Kampf um die beiden 100’000-Einwohner-Städte beachtliche Verluste verzeichnen. Anders sieht dies das polnische Militärberatungsbüro Rochan Consulting. Es glaubt nicht an schwerwiegende russische Verluste. Die Angaben können nicht unabhängig geprüft werden.

In jedem Fall versucht Moskau, die Kontrolle über die Region als grossen Sieg darzustellen – ein Framing, das auch von Verbündeten untergraben wird. Der ehemalige Separatistenführer Igor Girkin zum Beispiel kritisierte das Vorgehen auf seinem Telegram-Kanal (400’000 Abonnenten) scharf. Der Verschleiss von Mensch und Material sei im Verhältnis zum strategischen Gewinn zu hoch gewesen.

Hätte gerne ein Grossrussland von Brest bis Wladiwostok: Igor Girkin.
Hätte gerne ein Grossrussland von Brest bis Wladiwostok: Igor Girkin.

Es ist nicht das erste Mal, dass Girkin die Vorgehensweise der russischen Armee direkt – und damit indirekt Verteidigungsminister Schoigu – kritisiert. Dass Girkin dies so öffentlich kann, sei ein Indiz dafür, dass die russische Rechtsextreme an Einfluss gewinne, analysiert Osteuropa-Experte Ivo Mijnssen in einem Podcast der NZZ. Girkins erklärtes Ziel ist die Errichtung eines grossrussischen Reiches. Im Krieg gegen die Ukraine befürwortet er eine Generalmobilmachung.

Wie lange die Einsatzpause für die Truppen um Sjewjerodonezk und Lyssytschansk dauert, ist nicht bekannt. Das ISW geht nicht von einer längeren Zeitspanne aus, weil eine solche mit diversen Risiken wie Gegenangriffen und Reorganisation der ukrainischen Einheiten verbunden sei. Als nächstes Ziel wird die Front zwischen Slowjansk und Bachmut antizipiert. Slowjansk war vor dem Krieg Heimat für über 100'000 Einwohner.

Derweil attackieren russische Truppen weiter nordöstlich rund um Charkiw zivile Infrastruktur mit schwerer Artillerie. In den letzten sieben Tagen sind laut ukrainischen Angaben dabei 30 Zivilisten getötet worden.

An der südlichen Front: Kampf um Cherson

Die in der Regel gut informierte Zeitschrift «Economist» berichtete, ukrainische Truppen hätten sich bereits bis auf einen Kilometer der Stadt Cherson genähert. Diese Darstellung wird von der ukrainischen Pressesprecherin Natalia Humeniuk dementiert: «Die Aussage ist nicht nur falsch, sie verwirrt unsere Bürger und schadet unseren Einheiten». Gleichzeitig bestätigte Humeniuk aber, dass sich die ukrainische Armee im Süden «langsam, aber zuversichtlich» vorwärts bewege.

Laut ukrainischen Angaben wurde in Darjiwka, 10 Kilometer nordöstlich von Cherson, ein russisches Munitionsdepot zerstört und mit Raketen- und Artillerieangriffen 30 feindliche Soldaten getötet. Ob dabei bereits ein von den USA geliefertes HIMAR-System (High Mobility Artillery Rocket System) zum Einsatz kam, ist nicht bestätigt.

Die modernen HIMARS können Ziele weit hinter der Front treffen. Rochan Consulting berichtet, die mobilen Abschussgeräte seien bereits in der Ukraine, nicht aber die Munition. Das ukrainische Militär veröffentlichte allerdings bereits ein Video, welches das Lenkraketensystem im Kampfeinsatz in der Oblast Saporischschja zeigt. Gerüchten zufolge sollen auch im Ringen um die Schlangeninsel amerikanische HIMARS im Einsatz gewesen sein.

Experten erwarten für die nächsten Tage intensivere Kämpfe rund um Cherson. Russland transportierte 17 Wagenladungen Munition von der Krim nach Kalantschak. Die 10’000-Einwohner-Stadt liegt 40 Kilometer südöstlich der strategisch wichtigen Stadt.

Neben der Munition sollen auch frische Truppen in die Region transportiert worden sein. Aufgrund der Situation rund um Cherson soll Russland planen, in der Krim eine Generalmobilmachung auszurufen. Damit könnten die Bewohner der Halbinsel gezwungen werden, gegen ihre eigenen Landsleute zu kämpfen.

Deutsche Artillerie an der ukrainischen Front

Video: watson
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Video zeigt, wie Russland ganze Städte dem Erdboden gleich macht

Video: watson

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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egemek
05.07.2022 20:31registriert Mai 2016
Der letzte Abschnitt sagt ja wohl alles. Jetzt will der kleine Drecksack die Leute von der Krim, also Ukrainer, zwingen die eigenen Landsleute umzubringen. Dann können die Russen ihre Verluste auch leicht verkraften. Win-Win sozusagen für Putler, wenns ein Gemetzel gibt.
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Konserve
05.07.2022 23:09registriert Mai 2022
Nun passiert was vor Wochen gesagt wurde, als die PZH 2000 und die HIMARS versprochen wurden. Die Russen formieren sich neu und das müssen sie auch. Die beiden Topmodernen Waffensysteme können russ. Waffensysteme identifizieren und vernichten.

Die 12 PZH 2000 können innert 5 Minuten 720 Smart verschiessen, womit 1440 militärische Ziele vernichtet werden. Für die Mobilmachung der Krim ist es jetzt zu spät, die brächte nur mehr Soldaten aber nicht mehr Material in den Kampf.

Nun beginnt was heute noch als unmöglich deklariert wurde, nämlich das Zurückdrängen der Russen. Meter um Meter.
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manuel0263
05.07.2022 22:40registriert Februar 2017
Man kann nur inständig hoffen, dass dieser grössenwahnsinnige Psychopath in Moskau für all dies zur Rechenschaft gezogen wird. Der Tod wäre eigentlich zu gnädig für ihn und nur aus dem Grund eines dann wahrscheinlich schnellen Kriegsendes sinnvoll.
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