International
Ukraine

Wladimir Klitschkos eindringliche Warnung an Europa: «Das Böse kommt»

Wladimir Klitschko zu Gast bei «Maischberger» (Februar 2026).
Wladimir Klitschko und die TV-Moderatorin Sandra Maischberger.Screenshot: ard.de

Wladimir Klitschkos eindringliche Warnung an Europa: «Das Böse kommt»

Die Rede Donald Trumps und die Lage in der Ukraine waren Thema in der deutschen Talkshow «Maischberger». Der frühere Profi-Boxer Wladimir Klitschko wählte deutliche Worte.
26.02.2026, 16:2326.02.2026, 16:23
Daniele Gambone / t-online
Ein Artikel von
t-online

Donald Trumps Rede an die Nation und der vierte Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine bildeten den doppelten Themenschwerpunkt der «Maischberger»-Talkshow am Mittwochabend. Besonders über den Gesundheitszustand der amerikanischen Demokratie wurde dabei lebhaft gestritten.

Gäste

  • Wladimir Klitschko, ukrainische Box-Legende
  • Iris Berben, Schauspielerin
  • Sandra Navidi, «ntv»-Finanzexpertin
  • Theo Koll, «Phoenix»-Moderator
  • Anna Lehmann, «taz»-Journalistin
  • Marc Felix Serrao, «Welt»-Journalist

Trumps Rede, die nicht nur die USA spaltet

Während der ehemalige Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Theo Koll, die längste Ansprache ans eigene Land, die je von einem amtierenden US-Präsidenten gehalten wurde, als erwartbare «Show eines Narzissten» interpretierte, beurteilte die deutsche Journalistin Anna Lehmann den Auftritt als «bizarr».

Trump habe sich bei der Veranstaltung mit «Claqueuren», also bestellten Beifallspendern, umgeben und seinen Plan vorangetrieben, die USA hin zu einer Autokratie umzubauen, so die Leiterin des Parlamentsbüros der Tageszeitung «taz».

«Welt»-Journalist lehnt sich aus dem Fenster

Als klare Anzeichen dafür, dass dieser Prozess in vollem Gange sei, nannte Lehmann Trumps Regieren per Dekret, die Kriminalisierung von Kritikern und die unverhohlene Einflussnahme auf die eigentlich unabhängige Justiz.

Dem «Welt»-Journalisten Marc Felix Serrao ging diese Einschätzung deutlich zu weit. Er diagnostizierte Trump zwar «einen Zug ins Autoritäre», die Gewaltenteilung in den USA sei aber weiterhin intakt, wie das Urteil des Supreme Courts zu Trumps Zollpolitik zeige, sagte der Politikexperte des Axel Springer Verlags.

Zudem könne Trump nach seinem durchwachsenen ersten Amtsjahr ungeachtet seiner niedrigen Umfragewerte auch Erfolge vorweisen. «Es waren noch nie so viele Amerikaner in Arbeit wie jetzt», betonte Serrao und erwähnte daneben eine historisch niedrige Mordrate sowie Höchststände an den Börsen. Dass ein US-Präsident die obersten Richter des Landes ausdrücklich kritisiere, sei überdies keine Neuheit. Auch Barack Obama habe das in der Vergangenheit getan.

Das wollte die «ntv»-Finanzexpertin Sandra Navidi so nicht stehen lassen. Die Arbeitsmarktzahlen seien tatsächlich schlecht. Den Vergleich zwischen Obamas ihrer Ansicht nach begründeten Kritik und Trumps persönlicher Beleidigung der Richter bezeichnete Navidi darüber hinaus als «gefährliche Relativierung».

Finanzexpertin vermutet Kalkül hinter Trump-Chaos

«Ihm geht es um ein unbegrenztes Ausleben seiner Macht», lautete das klare Urteil der in New York lebenden Juristin. Hinter der Erschütterung der Rechtssicherheit und jeglicher Berechenbarkeit, unter anderem für Investoren, vermutete Navidi ein klares Kalkül. «Ihm ist es dienlich, Chaos zu schaffen», sagte sie über Trump. Er habe, beispielsweise durch die Zollpolitik, eine Situation geschaffen, in der alle zu ihm kommen und ihn um Ausnahmegenehmigungen bitten müssten.

Für Millionenbeträge könnten Reiche, die Trumps Wohlwollen suchten, Einzeldinner oder Gruppendinner auf dessen Anwesen Mar-a-Lago buchen. «Die Politik wird sozusagen verkauft. Wer im innersten Machtzirkel ist, der profitiert, und alle anderen fallen hinten runter», resümierte Navidi.

«Wir brauchen nicht europäische oder NATO-Soldaten auf unserem Boden, den Job erledigen wir selbst.»

Nur am Rande wurde in Trumps Rede die Ukraine erwähnt. Das Not leidende Land hat nach vier Jahren Krieg nicht nur mit einem unerbittlichen Gegner im Kreml und einem besonders harten Winter, sondern auch mit einer schwindenden Aufmerksamkeit für den Konflikt bei seinen westlichen Partnern zu kämpfen.

Box-Champion wirbt für weitere Ukraine-Unterstützung

Auch in der eigenen Bevölkerung sei Erschöpfung zu verspüren und es gebe unterschiedliche Auffassungen darüber, wie es weitergehen soll, berichtete die ukrainische Box-Legende Wladimir Klitschko. «Manche wollen nur den Frieden um jeden Preis, die anderen wollen auf keinen Fall», so der Bruder des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko. Trotz einer gewissen Spaltung, die daraus resultiere, sei der Wille der Bevölkerung im Kern aber ungebrochen, zeigte sich der ehemalige Box-Champion überzeugt.

Wie schwer es sein muss, angesichts der langen Leidenszeit die Zuversicht zu bewahren, liess sich an Klitschkos eigenen Worten und Reaktionen ablesen. Auf die Frage der Moderatorin, was ihm derzeit Hoffnung mache, fand der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister keine unmittelbare Antwort, obwohl er bereits zu einer angesetzt hatte.

Was nach einer auffällig langen Pause folgte, glich mehr einer Mahnung als einem Grund für Optimismus. «Wir sind in Berlin, diese Stadt kennt das sowjetische Imperium», erinnerte Klitschko die Moderatorin und das Publikum an die Erfahrungen der einst geteilten Metropole mit russischer Herrschaft.

Klitschkos Warnung an Europa

«Wir Europäer sollten einfach stärker sein. Und die Hoffnung bei uns in der Ukraine ist, dass nach vier Jahren hoffentlich Europa – und die sogenannte freie Welt, inklusive der Vereinigten Staaten – aufwacht, weil das Böse kommt», forderte Klitschko.

Um die europäischen Werte weiterhin verteidigen und den russischen Imperialismus stoppen zu können, sei man auf Unterstützung angewiesen. «Wir brauchen nicht europäische oder NATO-Soldaten auf unserem Boden, den Job erledigen wir selbst, aber wir brauchen Werkzeug, um uns zu schützen, ob das Geld oder die Waffen sind», setzte der Ex-Boxer seinen Appell fort.

Trumps Ansatz, den Krieg mit einem konstruktiven Deal beenden zu wollen, beurteilte der Ukrainer als nicht zielführend. Das Russland von Wladimir Putin sei destruktiv und nur mit Stärke zu stoppen. Alles andere – etwa Verhandlungen – werde als Schwäche empfunden.

Enttäuschung wegen ausbleibender Taurus-Lieferung

Seine Enttäuschung darüber, dass es unter Bundeskanzler Friedrich Merz, anders als in dessen Wahlkampf angekündigt, nicht zu einer Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern Deutschlands an die Ukraine gekommen ist, versuchte Klitschko erst gar nicht zu verbergen. «Das Versprechen hat stattgefunden», sagte der Ukrainer, «es kam leider nichts.»

Auch zu seiner persönlichen Zukunft nahm Klitschko Stellung. Ein von ihm geteiltes privates Boxvideo hatte jüngst Gerüchte über eine mögliche Rückkehr in den Ring ausgelöst. «Ich habe nur ein Comeback in meinem Kopf, genauso wie jeder Ukrainer und Europäer: Das 'Comeback' von russischen Truppen zurück nach Russland. Es gibt kein anderes Comeback in meinem emotionalen Zustand», kommentierte der 49-Jährige die Spekulationen.

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern
1 / 54
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern

Von ihrem Nachbarn überfallen, kämpft die Ukraine ums Überleben. In dieser Bildstrecke schauen wir auf die Ereignisse seit der Invasion Russlands zurück ...

quelle: keystone / bo amstrup
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Arnold Schwarzeneggers starke Botschaft gegen Hass und Antisemitismus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Trump schiesst sich mit Provokationen ins eigene Knie
Während 108 Minuten lobt der US-Präsident das Hockey-Team, die Republikaner und sich selbst. Was der Republikaner während der Rede nicht sagte, könnte ihm im Wahljahr zum Verhängnis werden.
Donald Trump hat es wieder einmal geschafft. Mit einer gezielten Provokation hat der amerikanische Präsident die Demokraten am Dienstag derart zur Weissglut gebracht, dass sie einmal mehr überreagierten.
Zur Story