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Putin-Verbündeter «adoptiert» entführtes ukrainisches Baby

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Wladimir Putin und Sergej Mironow gelten als Verbündete.Bild: www.imago-images.de

Putin-Verbündeter «adoptiert» entführtes ukrainisches Baby – jetzt hat er ein Problem

24.11.2023, 09:2424.11.2023, 12:39
Anna Von Stefenelli /
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Kinder sind die schwächste Partei im Krieg. Sie sind es, die keine Stimme haben, wenn um sie herum alles eskaliert. Dabei sind die Auswirkungen der Gewalt und allem, was damit zusammenhängt, für sie oft am grössten. Auch im Krieg in der Ukraine ist das nicht anders.

Im März dieses Jahres wurde Haftbefehl gegen den russischen Machthaber Wladimir Putin erlassen. Er war mutmasslich an der Entführung von Kindern aus der Ukraine beteiligt. Der Internationale Strafgerichtshof wirft dem russischen Präsidenten die «rechtswidrige Deportation» von Kindern aus der Ukraine vor – ein Kriegsverbrechen im Sinne der Genfer Konvention.

>> Ukraine: Alle aktuellen Entwicklungen im Liveticker

Was mit den Tausenden Kindern passiert ist, ist oft nicht bekannt. Viele werden in sogenannte «Umerziehungslager» gesteckt. Nun gerät ein Putin-Verbündeter wegen seiner Verwicklungen ins Kreuzfeuer. Er soll ein entführtes Kind «adoptiert» haben.

Vollmacht erteilt: Ukrainische Kinder nach Russland verschleppt

Sergej Mironow, der Vorsitzende der russischen Partei Gerechtes Russland, steht jetzt wegen der Adoption eines zehn Monate alten ukrainischen Mädchens aus der besetzten Region Cherson unter besonderer Beobachtung. Über diese umstrittene Adoption hat «Important Stories» ausführlich berichtet. Der Fall hat eine Debatte über internationales Recht sowie den Schutz von Kindern in Krisen ausgelöst.

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«Adoptierte» Kinder aus Luhansk bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen im russischen Nowosibirsk. Bild: www.imago-images.de

Mironows fünfte Frau, Inna Warlamowa, reiste demnach im August 2022 zusammen mit einer Parteiberaterin, Jana Lantratowa, in die besetzte Ukraine. Sie entführten dort laut Bericht das zehn Monate alte Mädchen. Ein Besatzungsbeamter in der besetzten Region hätte ihnen eine «Vollmacht» dafür erteilt, wie es in dem düsteren Bericht weiter heisst.

Sie brachten wohl auch einen zweijährigen Jungen nach Moskau: Ilja Waschtschenko. Sein Schicksal ist derzeit unbekannt. Beide Kinder wurden aus einem Waisenhaus in Cherson entführt, aber zu diesem Zeitpunkt in einem örtlichen Krankenhaus behandelt. Berichten zufolge wurde ein Arzt im Krankenhaus stark unter Druck gesetzt, um die Kinder nach Moskau bringen zu dürfen.

Putin-Verbündeter adoptierte Mädchen – und raubte ihre Identität

Im Dezember 2022 adoptierten Mironow und Warlamowa offiziell Margarita und änderten ihren Namen in Marina Sergewna Mironowa. Das Paar änderte wohl auch den eingetragenen Geburtsort des Kindes; ersetzte das ukrainische Cherson durch Podolsk bei Moskau. Sein ukrainischer Ursprung wurde damit auf dem Papier gelöscht.

Doch der Fall ist komplexer. So war dem Bericht zufolge Margaritas leibliche Mutter bereits zuvor ihrer elterlichen Rechte beraubt worden, ihr Vater war gestorben. Allerdings hatte das Mädchen wohl noch andere Verwandte, deren Rechte und Ansichten in dieser Angelegenheit unklar bleiben.

Dieser Fall ist von besonderer Bedeutung, da es sich um den ersten dokumentierten Fall handelt, in dem ein Kind aus der Ukraine von einem russischen Politiker vom Format Mironows adoptiert wurde.

Russland: Mironow unterstützt Putin schon seit Langem

Mironow ist seit Langem ein treuer Verbündeter Putins: Bei der Präsidentschaftswahl 2004 stellte er sich sogar als Scheinkandidat gegen den Diktator, um ihm zum Sieg zu verhelfen. Er sagte damals: «Wir alle wollen, dass Wladimir Putin der nächste Präsident wird.»

Russia: Russia s President Putin meets with Spravedlivaya Rossiya Party leader Mironov RUSSIA, MOSCOW REGION - FEBRUARY 14, 2023: Russia s President Vladimir Putin L and Spravedlivaya Rossiya - Za Pra ...
Putin und Mironow in Moskau.Bild: www.imago-images.de

Nun muss er womöglich mit Konsequenzen rechnen.

Internationale Rechtsexpertinnen und Völkerrechtler weisen darauf hin, dass solche Handlungen als Kriegsverbrechen – und sogar als Völkermord – eingestuft werden könnten. Der Grund sind die Zwangsadoption und der Identitätswechsel eines Kindes aus einer besetzten Region.

Wie die Anwältin Maria Chashchilova sagte, werde Mironows Tat «als Völkermord angesehen», da «Kinder gewaltsam von einer Menschengruppe in eine andere überführt» wurden. Sie erklärt ausserdem: «Nach internationalem Recht müssen die Konfliktparteien Angehörigen und Erziehungsberechtigten Auskunft über die Vermissten geben und deren Suche erleichtern.»

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Die internationale Gemeinschaft ist seit Langem der Ansicht, dass die Rechte von Kindern in Konfliktgebieten geschützt werden müssen. Das beinhalte auch ihr Recht, die kulturelle und nationale Identität zu bewahren.

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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sowhat
24.11.2023 09:36registriert Dezember 2014
Es ist zwar nur ein Beispiel von x-hunderten. Aber es ist gut, dass dieses aufgezeigt und verfolgt wird. Könnte eine Chance sein, dass man bei anderen auch dran bleibt.
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FrancoL
24.11.2023 09:39registriert November 2015
Putin in Freiem Fall. Es könne noch so viele Potentaten ihn stützen er ist eine grauenhaft widerwärtige Person, der man nur noch ein baldiges Ableben wünschen kann.
Mit einer solchen Person ist kein Frieden möglich oder der Frieden ist so löcherig wie ein altes Sieb.
das Russische Volk lädt sich von Tag zu Tag immer mehr Mitverantwortung in diesem Desaster auf die eh schon schwachen Schultern. Ein Land das sich wohl neu erfinden muss.
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The Guitar Player
24.11.2023 10:36registriert Oktober 2023
Jeden Tag lese ich nur Widerwärtiges aus Russland. Es ist langsam Zeit, dass der Möchtegern-Zar das Zeitliche segnet oder in einer Spezialoperation verhaftet wird und dass sein korrupter unnötiger Staat in Teilstaaten zerfällt, die niemanden mehr bedrohen und angreifen können.
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