International
Ukraine

Auch wenn Krieg in der Ukraine enden würde, bleibt die Gefahr im Boden

Ein falscher Schritt in der Ukraine – und es ist vorbei

Der Krieg in der Ukraine tobt nicht nur an der Front. Er steckt auch im Boden.
24.02.2026, 20:4324.02.2026, 20:43

Man kann einen Krieg beenden und ihn dennoch über den Boden weiterführen. In der Ukraine werden die Explosionen auch dann nicht versiegen, wenn offiziell Waffenstillstand herrscht.

Selbst ein Bein gestellt? Ein russischer Minenräumer durchsucht ein besetztes ukrainisches Gebiet.
Selbst ein Bein gestellt? Ein russischer Minenräumer durchsucht ein besetztes ukrainisches Gebiet.bild: dpa

Während an der Front weiter gekämpft wird, wächst in Feldern, Wäldern und sogar Flüssen eine Bedrohung, die noch Jahrzehnte nachwirken dürfte: Landminen und Streumunition sowie andere explosive Teile.

Hilfsorganisation: Ein Viertel der Ukraine ist kontaminiert

Nach einer aktuellen Studie der Hilfsorganisation Handicap International (HI) ist rund ein Viertel des ukrainischen Staatsgebiets möglicherweise mit Landminen, Streumunition und anderen explosiven Kriegsresten kontaminiert. Das geht aus einer Mitteilung der Organisation hervor.

Konkret spricht HI von 138'503 Quadratkilometern Landfläche und 14'000 Quadratkilometern Wasser, die potenziell betroffen sind. Die Ukraine zählt damit zu den am stärksten mit explosiven Altlasten belasteten Ländern weltweit.

Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland, erklärt laut Mitteilung:

«Die Kontamination behindert die landwirtschaftliche Produktion, erschwert den Wiederaufbau und schränkt den Zugang zu humanitärer Hilfe ein.»

Ganze Gemeinden hätten den Zugang zu lebenswichtigen Flächen für Ackerbau und Weidewirtschaft verloren, wodurch ländliche Haushalte in noch grössere Armut getrieben würden und stärker auf Hilfe angewiesen seien.

Es geht also nicht nur um akute Explosions- und Verletzungsgefahr. Es geht auch um wirtschaftliche Existenz und die Frage, ob Menschen in ihre Heimat zurückkehren können.

Minen in der Ukraine: Gefahr für Rückkehrer, Kinder und Helfer

Wie gross das tatsächliche Ausmass der Kontaminierung ist, lässt sich laut HI erst nach Ende der Kampfhandlungen genau bestimmen. Klar ist schon jetzt: Die Folgen werden Generationen betreffen.

Seit Beginn der grossflächigen Invasion 2022 hat Handicap International nach eigenen Angaben rund 230'000 Menschen in der Ukraine über die Risiken von Blindgängern, Minen und Streumunition aufgeklärt.

Besonders im Fokus stehen Menschen in Frontnähe und Kinder. Die Teams erklären, wie sich explosive Überreste erkennen lassen, was im Ernstfall zu tun ist und wie Verletzte sicher evakuiert werden können. Zusätzlich werden Plakate verteilt und Radiospots geschaltet. Auch humanitäre Helferinnen und Helfer werden geschult. Das Ziel ist banal und existenziell zugleich: verhindern, dass Neugier, Unwissenheit oder ein falscher Schritt tödlich enden.

«Schwächung des Grundsatzes zum Schutz der Zivilbevölkerung»

Handicap International kritisiert in seiner Mitteilung zudem die anhaltenden russischen Angriffe auf zivile Gebiete scharf. Die Organisation spricht von wahllosen Attacken auf Zivilistinnen und Zivilisten, medizinisches und humanitäres Personal sowie auf Schulen, Gesundheitseinrichtungen und andere zivile Infrastruktur.

Fischer warnt: «Wir sehen eine ernsthafte Schwächung des Grundsatzes zum Schutz der Zivilbevölkerung. Dieser Grundsatz besagt, dass Zivilistinnen und Zivilisten verschont und vor den Auswirkungen bewaffneter Konflikte geschützt werden müssen.»

Die Organisation verurteile nachdrücklich die weitverbreiteten Einsätze von Explosivwaffen mit grossflächiger Wirkung in bevölkerten Gebieten.

Und weiter: «Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, völkerrechtliche Verpflichtungen zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich umzusetzen.»

Die Organisation verweist ausserdem auf konkrete Schicksale wie das der 75-jährigen Lidiya, die Opfer eines Streubombenangriffs wurde; oder von Yuliia, die bei einer Minenexplosion beide Beine und ihr Augenlicht verlor.

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