International
Armee

Operation «Logistic Lockdown» der ukrainische Streitkräfte zeigt Erfolge

Neue Operation angelaufen: Hier trifft die Ukraine Putins Truppen besonders hart

Die ukrainischen Verteidiger versuchen mit der Operation «Logistic Lockdown», die russischen Truppen an der Front zu schwächen. Dabei greifen sie die Invasoren weit hinter der Frontlinie an.
30.05.2026, 06:3930.05.2026, 06:43
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die Ukraine versucht mit einer neuen Operation den Nachschub für Putins Truppen zu unterbrechen. Das Vorhaben unter dem Namen «Logistic Lockdown» hat die russischen Nachschubwege im Visier, auch auf russischem Gebiet.

Der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov liess über grosse Social-Media-Plattformen verlauten:

«In den letzten Monaten haben wir die Zerstörung feindlicher Logistik, Lagerhäuser, Maschinen, Kommandoposten und Versorgungswege im operativen Hinterland vervierfacht. In den Dashboards zeichnet sich bereits ein Muster ab: Je mehr russische Logistik zerstört wird, desto weniger Angriffsaktionen finden an der Front statt.»

Ziel sei, den Druck auf die russischen Truppen so zu erhöhen, dass diese keine Angriffe an der Front mehr durchführen könnten.

Die 412. Nemesis-Brigade der Drohnenstreitkräfte der ukrainischen Armee teilte am Dienstag in einer Erklärung mit, dass die Strasse P-280 zur Krim derzeit Ziel eines konzentrierten Angriffs ist.

Ukrainische Einheiten und der Generalstab haben bei Telegram und auf anderen Social-Media-Plattformen Dutzende Videos veröffentlicht, die Angriffe auf russische Transportfahrzeuge zeigen sollen. Unter anderem war eine Strasse, die 100 Kilometer von der Front entfernt ist, ins Visier genommen worden. In den Aufnahmen sind brennende Fahrzeuge zu sehen, einige konnten aber weiterfahren.

Was steckt dahinter?

Mehr Mittel bereitgestellt

Möglich machen die Angriffe auf die Nachschublinien auch Schläge gegen die russische Flugabwehr. «Seit Frühlingsbeginn haben Mittelstreckenangriffe die russische Luftabwehr in der Region ausgeschaltet, sodass wir jeden beliebigen Punkt in den vorübergehend besetzten Gebieten anfliegen konnten»: Dies erklärte Topot, ein Kommandeur des 7. Bataillons der ukrainischen «Magyar’s Birds» – einer auf Drohnenkriegsführung spezialisierten Einheit – am Dienstag gegenüber dem US-Magazin «Politico».

Jetzt könne man die Transportwege innerhalb einer Stunde erreichen. «Wir erschweren nicht nur die Fortbewegung, sondern verbieten sie generell auf allen Strassen in den vorübergehend besetzten Gebieten», sagte Topot.

epa12888334 Ukraine's Defence Minister Mykhailo Fedorov (L) looks on during a reception with military honors at the Ministry of Defense in Berlin, Germany, 14 April 2026. Fedorov is in Berlin to  ...
Der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov: Er lässt russische Nachschubtransporte angreifen. (Archivbild)Bild: keystone

Der ukrainische Verteidigungsminister Fedorov erklärte, die ukrainische Offensive habe «die Zerstörung feindlicher Logistik, Lagerhäuser, Waffen, Kommandostellen und Versorgungswege in der operativen Tiefe verstärkt».

Die Regierung habe fünf Milliarden UAH (etwa 88 Millionen Franken) bereitgestellt, um moderne Mittel für den mittleren Angriffsraum zu beschaffen. «Die Mittel fliessen an die leistungsstärksten Gruppen, die auf die Bekämpfung des Feindes in der operativen Tiefe spezialisiert sind und in diesem Bereich die besten Ergebnisse erzielen», schrieb Federov.

Auf Telegram berichteten russische Militärblogger von vermehrten ukrainischen Angriffen auf russische Versorgungswege. «Neben Angriffen auf wichtige Nachschubrouten werden nun auch Attacken auf anderen Strassen in Richtung Front registriert – diese sind weiss markiert. Aktuell sind 78 Angriffe und ausgebrannte Fahrzeuge auf der Karte verzeichnet», schrieb der Blogger Oko Gora und veröffentlichte eine Karte des Gebiets.

ISW: Russische Aktivitäten geschwächt

Auch das amerikanische Institut für Kriegsstudien sieht Unterbrechungen der russischen Versorgung. In der Südukraine gelinge es Kiew, die russische Logistik zu beeinträchtigen.

«Im Frühjahr 2026 starteten die ukrainischen Streitkräfte eine konzertierte Offensive, um wichtige russische Landverbindungen und die Eisenbahnlogistik in den besetzten Oblasten Donezk, Saporischschja und Cherson zu unterbrechen, was die russischen Kampfkapazitäten schwächt und den Vormarsch der Ukrainer in diesem Gebiet erleichtert.»

Die Ukraine versucht mit mehreren Mitteln, die russischen Truppen von der Versorgung abzuschneiden. Neben den Angriffen auf die Transporte werden auch Einrichtungen wie Ölterminals und Waffenlager attackiert. Mittlerweile ist die russische Ölproduktion durch den Beschuss mit ukrainischen Drohnen beträchtlich zurückgegangen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 25. Mai dass die Ölraffinerie im russischen Syzran nach dem ukrainischen Drohnenangriff vom 20. bis 21. Mai den gesamten Betrieb eingestellt habe.

Quellen

(dsc/t-online)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wie die Techkonzerne das Internet kaputtmachen
1 / 16
Wie die Techkonzerne das Internet kaputtmachen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mag sich als Nerd verkleiden, doch das ändert nichts daran, dass der Techmilliardär ein Totengräber des freien Internets ist. In diesem Beitrag erfährst du, warum jede neue Plattform für uns User im Desaster endet...

quelle: keystone / nic coury
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Dieser ukrainische Veteran zeigt, wie 30 Kilometer hinter der Front das Leben weitergeht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Chemie-Unfall in USA: 6 der 9 Vermissten tot geborgen
Nach dem Unglück auf dem Gelände einer Verpackungsfirma im Nordwesten der USA wurden sechs der neun zuletzt noch als vermisst geltenden Arbeiter tot geborgen.
Das teilte die Feuerwehr bei einer Pressekonferenz mit. Die Zahl der bestätigten Todesopfer steigt damit auf acht. Allerdings hatte die Feuerwehr bereits am Vortag mitgeteilt, dass sie nicht mehr damit rechnet, Überlebende zu finden.
Zur Story