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900 russische Panzer in der Ostukraine
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Separatisten und die russische Armee haben in der Ostukraine mehr Panzer als die Armeen von Deutschland, Frankreich und Tschechien zusammen 

900 Panzer hat Russland in die Ostukraine gebracht. Die russische Armee und die Separatisten haben damit mitten in Europa eine gigantische Feuerkraft zur Verfügung. Das beweisen Experten, die Tausende von Videos und Fotos aus den Sozialen Medien auswerteten. 
01.06.2015, 21:3502.06.2015, 10:44

Jeden Tag kommen streng bewachte Züge der Russischen Eisenbahnen RZD mit schwerem Kriegsgerät im kleinen Ort Matwejew (siehe Karte) an, der nur 16 Kilometer vor der russisch-ukrainischen Grenze liegt. Vor einer Woche konnte ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters dabei heimlich Bilder von russischen Raketenwerfern vom Typ BM-27 machen (siehe Bildstrecke oben).

Hier liegt Matwejew

Derselbe Reuters-Fotograf konnte ein paar Tage später wieder in Matwejew dokumentieren, wie russische Panzer vom Typ T-72B1 und T-72BM ankommen. Raketenwerfer und Panzer wurden abgeladen und fuhren auf unbefestigten Strassen in ein «militärisches Sperrgebiet» direkt an der Grenze zur Ukraine, wo sie der Reuters-Fotograf nicht mehr weiter verfolgen konnte. 

Von den Raketenwerfern und Panzern waren die russischen Hoheitszeichen und Militärmarkierungen (so genannte «taktische Nummern») abgekratzt und übermalt worden. Nicht besonders sorgfältig, denn auf der anderen Seite der Grenze – mitten im Kriegsgebiet in der Ukraine – fotografierten sich die russischen Soldaten selbst auf ihren Panzern. Die «taktischen Nummern» waren noch zu lesen, da nützte auch eine hastig aufgemalte neue Kennzeichnung nichts. 

Russischer Panzer mit der taktischen Nummer 542, die unsorgfältig abgekratzt und übermalt wurde, in der Ostukraine. 
Russischer Panzer mit der taktischen Nummer 542, die unsorgfältig abgekratzt und übermalt wurde, in der Ostukraine. 
bild: russisches soziales Netzwerk VKontakte

Russland baut in der Ostukraine die grösste Panzer-Armee Europas auf

Es ist ja nicht so, dass es in den besetzten ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk noch keine Panzer und schwere Artillerie aus Russland geben würde: Die Separatisten und die russische Armee hatten dort schon Anfang Mai mehr Panzer im Einsatz, als die Armeen von Deutschland (322), Frankreich (254) und Tschechien (123) zusammen: 

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  • 700 Panzer
  • 1100 Panzerfahrzeuge
  • 600 Artillerie-Systeme
  • 380 Mehrfach-Raketenwerfer-Artilleriesysteme 

Dies ist das erschreckende Ergebnis, wenn man «The Military Balance 2014» des renommierten British International Institute for Strategic Studies (IISS) und Aussagen des stellvertretenden Kommandanten der ukrainischen Anti-Terror-Operation ATO vergleicht: «Diese gigantische Kriegsmaschine wird von 9000 regulären Soldaten der russischen Armee gefahren», erklärte ATO-Oberst Walentin Feditschew.  

Erklärung von ATO-Oberst Walentin Feditschew

Wie der ukrainische Militäranalytiker Dmitri Timtschuk erklärt, sind alleine im Mai 200 russische Panzer, 80 Mehrfach-Raketenwerfer-Artilleriesysteme, 100 Schützenpanzer und 100 gepanzerte Mannschaftstransportwagen sowie 1000 Lastwagen mit Munition dazu gekommen. Ex-Oberstleutnant Timtschuk hat seine Quellen sprichwörtlich von vorderster Front der ukrainischen Armee. 

Social Media wie Instagram und Twitter liefern erdrückende Beweise

Ukrainische Militärs wie Feditschew und Timtschuk sind natürlich Partei. Aber internationale Fotoagenturen und Beiträge der russischen Soldaten in den Social Media unterstützen ihre Erklärungen. So sammelte ein internationales Expertenteam in den sozialen Netzwerken von Instagram über Twitter bis «VKontakte» (das russische Facebook) monatelang Beweise dafür, «dass Putin gegen die Ukraine Krieg führt und diesen Krieg verleugnet.» 

Der angesehene britische Analytiker Eliot Higgins, sein Recherche-Netzwerk Bellingcat und weitere Experten werteten in akribischer Kleinarbeit Tausende von Videos, Fotos und Satellitenaufnahmen vom Krieg in der Ostukraine aus. Die von diesem internationalen Expertenteam erstellte Studie «Hiding in plain sight – Putin’s War in Ukraine» veröffentlichte der Think Tank Atlantic Council letzte Woche in Washington.  

Die Studie «Hiding in plain sight».
Die Studie «Hiding in plain sight».

Ein besonders anschauliches Beispiel aus der Studie publizierte Bellingcat am Sonntag: «The Avalanche that Went from Russia to Ukraine». Die Analytiker verfolgten einen amphibischen Schützenpanzer vom Typ BMP-2 mit der auffälligen kyrillischen Beschriftung «лавина» («Lawine») von der südrussischen Stadt Kamensk-Schachtinski über die Grenze bis nach Uglegorsk, einer ukrainischen Kleinstadt 50 Kilometer nordöstlich von Donezk. 

Russische Soldaten laden unerlaubt Fotos hoch

Eliot Higgins und sein Bellingcat-Netzwerk nutzten die Tatsache, dass viele russische Soldaten in die sozialen Netzwerke unerlaubt Fotos hochladen, die sie in der Ostukraine im Kriegseinsatz zeigen. Auf den Fotos sind die russischen Soldaten eindeutig identifizierbar anhand der unsorgfältig übermalten taktischen Nummern auf Fahrzeugen und ihrer Truppenabzeichen an den Uniformen. Und sie sind klar lokalisierbar anhand geografischer Details sowie – dumm gelaufen – durch die automatische GPS-Ortsangabe ihrer Mobiltelefone. 

Zusätzlich wertete das Bellingcat-Netzwerk Hunderte von Videos aus von russischen Soldaten, von Separatisten und von den Anwohnern zuerst auf russischer und dann auf ukrainischer Seite der Grenze. Mit dieser Sisyphus-Arbeit konnten die Analytiker beweisen, dass es sich bei den gefilmten Panzern, Raketenwerfern etc. um dieselben Militärfahrzeuge der russischen Armee handelt. 

Putin: «Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine»

Einer der Autoren der «Atlantic Council»-Studie, Maksymilian Czuperski, erklärte gegenüber der Bild: «Was in der Ukraine geschieht, ist kein Bürgerkrieg, sondern ein vom Kreml fabrizierter Konflikt.» Ein Krieg, der nach neuen Regeln geführt wird – oder genauer ein Krieg, der alle Regeln ignoriert.

Diese Einschätzung teilt auch der amerikanische Experte für Sicherheitspolitik Phillip A. Karber in einer druckfrischen Studie über die «Russische Kriegsführung der Zukunft»: «Die unvorstellbare Menge an Panzern, Raketenwerfern und Soldaten in den besetzten ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk sind der unübersehbare Beweis, dass Russland dort eine neue Generation Krieg führt.» 

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Obwohl all diese Beweise erdrückend sind, bestreitet die russische Regierung jegliche Beteiligung an den Kriegshandlungen in der Ostukraine. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte am 16. April 2015 wörtlich: 

«Wir setzen keine russischen Soldaten in der Ostukraine ein. Weder kämpft unsere Armee dort, noch unterstützt Moskau die Separatisten mit Waffen. Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine!»
Wladimir Putin

Dieses Zitat machte Putin in der Fragestunde des russischen Präsidenten, die traditionell live im staatlichen Fernsehen übertragen wird. Und auf Twitter wiederholte der Kreml unmissverständlich: «Putin erklärt zu den Gerüchten, dass in der Ukraine russische Truppen im Einsatz seien: ‹Ich betone klar und deutlich, es gibt es keine russischen Truppen in der Ukraine.›»  

Der Analytiker Eliot Higgins, sein Recherche-Netzwerk Bellingcat und alle anderen in diesem Bericht zitierten Experten winken ab. Sie haben unwiderlegbare Beweise und sie wissen, die Zeit wird ihnen Recht geben.

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