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Ukrainische Soldaten im Donezk-Gebiet.
Ukrainische Soldaten im Donezk-Gebiet. Bild: keystone

Nach heftiger Kritik: Amnesty will Entstehung des Ukraine-Berichts aufarbeiten

13.08.2022, 15:0213.08.2022, 15:18

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International will nach heftiger Kritik an ihrem Bericht zur Kriegsführung der ukrainischen Armee dessen Entstehungprozess aufarbeiten. Man werde von externen Experten eine gründliche Prüfung des Vorgangs durchführen lassen, heisst es in einem der Deutschen Presse-Agentur am Samstag vorliegenden Statement der Organisation. Die Ergebnisse dieser Prüfung hätten eine hohe Dringlichkeit.

In der kommenden Woche sollen Details zum Ablauf der Prüfung vom Amnesty-Vorstand festgelegt werden, nachdem die verschiedenen nationalen Organisationen ihren Input geben konnten – unter anderem auch die ukrainische Amnesty-Organisation, deren Leiterin Oxanna Pokaltschuk aus Protest gegen den Bericht zurückgetreten war.

In dem Bericht hatte Amnesty der ukrainischen Armee vorgeworfen, sich in Wohnvierteln zu verschanzen und damit Zivilisten unnötig in Gefahr zu bringen. Kiew kritisierte, die Nichtregierungsorganisation habe durch den Fokus auf Verfehlungen der Armee des angegriffenen Landes eine Täter-Opfer-Verkehrung betrieben. Kritiker stellten auch die Methodik des Berichts teilweise in Frage. In Russlands Staatsmedien, die über mutmassliche Straftaten durch russische Soldaten in der Ukraine kaum berichteten, war der Amnesty-Bericht zu den Verstössen der ukrainischen Armee ausführlich behandelt worden. Amnesty International verteidigte den Bericht danach weiterhin, drückte aber Bedauern über den ausgelösten «Schmerz und Ärger» aus.

Der deutsche Ableger von Amnesty teilte mit, die Ergebnisse seien «nicht mit der Sensibilität und der Präzision kommuniziert» worden, die von der Organisation erwartet werden müsse. «Dies betrifft auch die anschliessende Kommunikation und Reaktion des Internationalen Sekretariats auf die öffentliche Kritik.» Man wolle sich eng an der Aufarbeitung beteiligen, in der auch Machtverhältnisse berücksichtigt werden müssten, schrieb die Organisation in einem Statement vom Freitag. «Wir wollen verstehen, was genau falsch gelaufen ist und warum, um die Lehren daraus zu ziehen und unsere Menschenrechtsarbeit zu verbessern.» (sda/dpa)

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77 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LeMac
13.08.2022 17:17registriert August 2020
"... sich in Wohnvierteln zu verschanzen und damit Zivilisten unnötig in Gefahr zu bringen. "

Was ist die Alternative? Oder besser gefragt: Wie soll man sonst Dörfer/Städte vor dem Einmarsch russischer Truppen verteidigen? Würde sich die Ukrainern aus den Wohnvierteln raushalten, kämen die Russen undehindert rein, hissen ihre Flagge, plündern alle Waschmaschinen, vergehen sich an den Zivilisten und organisieren ein Pseudoreferendum unter den eingeschüchterten Überlebenden. Im Gegenzug gibts dann ein A+++ von Amnesty International für die ukrainischen Streitkräfte. Momoll, erstrebenswert...
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weissauchnicht
13.08.2022 15:34registriert März 2019
Das irritiert nun fast mehr als der Bericht selbst. Wer glaubt in einem Krieg geschehen keine Kriegsverbrechen - von beiden Seiten - ist extrem naiv.
Wenn man nun separate Berichte für die Kriegsverbrechen beider Parteien veröffentlicht, wird derjenige des Verteidigers immer als Affront gesehen, wenn er für sich alleine beurteilt wird, selbst wenn darin 10x weniger Verbrechen dargestellt werden als im anderen Bericht. Aber soll deswegen auf kritisches Hinterfragen und Verbesserungen verzichtet werden?
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Kaffeesüchtig
13.08.2022 19:42registriert November 2021
Das erinnert mich etwas an ein Gerichtsurteil vor einigen Jahren. Ein Einbrecher stürzte im Dunkeln eine ungesicherte Treppe runter und verletzte sich schwer. Der Hauseigentümer wurde verurteilt, da seine Treppe nicht gemäss den Bauvorschriften gesichert war.
Juristisch korrekt - und trotzdem stossend und unfair.
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