Schüsse auf Nationalgarde in Washington – das wissen wir über den Angriff
Am Mittwochnachmittag wurden zwei Mitglieder der Nationalgarde in der US-Hauptstadt Washington angeschossen. Sie seien in «kritischem Zustand», sagten FBI-Chef Kash Patel und Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser bei einer Pressekonferenz. Zuvor hatte der Gouverneur des Bundesstaates West Virginia mitgeteilt, die beiden seien gestorben. Bürgermeisterin Bowser sprach von einem «gezielten Angriff».
Die wichtigsten Punkte:
Wo fand die Schiesserei statt?
Die Schüsse fielen nahe des Farragut Square Parks in der US-Hauptstadt – gemäss Augenzeugen beim Eingang zur U-Bahn-Station. Von dort ist es nur ungefähr einen halben Kilometer bis zum Weissen Haus. Ein Grossaufgebot an Nationalgardisten wurde angefordert, um den Park zu bewachen.
Ein Vertreter der Washingtoner Polizei erläuterte, der Täter sei um eine Ecke gekommen und habe sofort das Feuer auf die zwei Nationalgardisten eröffnet. Weitere Mitglieder der Nationalgarde hätten die Schüsse gehört, eingegriffen und den Verdächtigen überwältigt, nachdem dieser zu Boden gegangen sei. Die Polizei sei wenige Augenblicke später eingetroffen.
Stacey Walters, eine Krankenpflegerin, war Augenzeugin der Schiesserei. «Ich wollte nur noch heulen. So etwas habe ich noch nie erlebt, schon gar nicht an Thanksgiving», sagte Walters gegenüber der New York Times.
Wer sind die beiden Verletzten?
Sie sind öffentlich noch nicht namentlich bekannt. Die beiden Männer gehörten der Nationalgarde des US-Bundesstaates West Virginia an. Das bestätigte Gourverneur Patrick Morrisey auf X. Er hatte zunächst ihren Tod vermeldet. Später schrieb er in einem weiteren Post, dass es widersprüchliche Berichte über den Zustand der Opfer gebe. Morrisey hatte sich zu Wort gemeldet, weil die Nationalgardisten laut seinen Angaben aus dem US-Bundesstaat stammen.
Der erste, mittlerweile widerrufene Post von Gouverneur Patrick Morrisey:
It is with great sorrow that we can confirm both members of the West Virginia National Guard who were shot earlier today in Washington, DC have passed away from their injuries. These brave West Virginians lost their lives in the service of their country. We are in ongoing contact…
— Governor Patrick Morrisey (@wvgovernor) November 26, 2025
Was ist über den Verhafteten bekannt?
Laut der New York Times handelt es sich beim Festgenommenen um einen Mann namens Rahmanullah L.. Er ist afghanischer Staatsangehörigkeit. Laut anonymen Quellen bei der Polizei ist er 29 Jahre alt. Ebenfalls wurde der Times gesteckt, dass der Mann 2021 im Rahmen eines Programms zum Schutz von Afghanen in die USA kam, welches nach dem US-Abzug und der darauffolgenden Machtübernahme der Taliban im Land ins Leben gerufen wurde. Das Motiv des mutmasslichen Täters blieb zunächst unklar.
Wie reagiert Trump?
Donald Trump hat nach den Schüssen von einem Terrorakt gesprochen. «Dieser abscheuliche Angriff war ein Akt des Bösen, ein Akt des Hasses und ein Akt des Terrors. Es war ein Verbrechen gegen unsere gesamte Nation. Es war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit», sagte Trump in einer Ansprache. Der Angriff unterstreiche «die grösste Bedrohung für die nationale Sicherheit» der Vereinigten Staaten, sagte der Republikaner weiter.
Er schoss anhand der ersten Informationen auch gegen Afghanistan und Ex-Präsident Joe Biden, während dessen Amtszeit der mutmassliche Täter ins Land gekommen war. Trump nannte Afghanistan in seiner Ansprache ein «Höllenloch auf Erden» und stellte die Behauptung auf, Millionen Menschen seien unter Biden aus aller Welt ungeprüft in die USA gekommen.
Er kündigte an, alle Personen, die während Bidens Amtszeit aus Afghanistan eingereist seien, erneut überprüfen zu lassen. Zudem werde er «alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle Ausländer aus allen Ländern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen».
Zuvor hatte sich der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social bereits geäussert: «Die Bestie, die auf die beiden Nationalgardisten geschossen hat, wird einen hohen Preis zahlen», schrieb Trump.
Donald Trump befindet sich zurzeit nicht in Washington, sondern in seinem Anwesen auf Mar-al-Lago in Florida. Gemäss US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will er als Reaktion auf den Anschlag 500 weitere Nationalgardisten nach Washington beordern. «Wir werden unsere Hauptstadt verteidigen», sagte Hegseth.
Heftige Reaktionen auf Social Media
In sozialen Netzwerken kam es unterdessen zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. Einige argumentierten, die Nationalgarde hätte gar nicht in Washington stationiert werden dürfen und sei dadurch unnötig gefährdet worden. Andere machten die Rhetorik demokratischer Kongressmitglieder für den Angriff mitverantwortlich. Mehrere Politiker riefen aber auch zu einem friedlichen Miteinander auf. So erklärte etwa der demokratische Senator Jack Reed, es brauche nun «Ruhe, Mitgefühl und Einheit».
Die Stimmung in der Hauptstadt ist seit dem Sommer angespannt. Neben der Nationalgarde kamen auch andere Bundesbehörden zum Einsatz. So nahmen etwa teils vermummte Beamte der Migrationsbehörde ICE bei Razzien in Wohnvierteln Migranten fest; im Netz verbreiteten sich Videos solcher Einsätze, die von vielen als willkürlich empfunden wurden. Es regte sich Protest.
Was ist die Nationalgarde?
Die US-Nationalgarde patrouillierte jedoch – anders als etwa ICE – vor allem an touristischen Orten und leistete Hilfsdienste wie Müllbeseitigung. Touristen machten Selfies mit den Soldaten oder kamen mit ihnen ins Gespräch. Anfangs waren die Nationalgardisten unbewaffnet, später änderte sich das. Es gab Warnungen, dieser Schritt könne die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen.
Seit dem Sommer sind mehr als 2000 Nationalgardisten in Washington unterwegs. Trump hatte sie im August in die Hauptstadt beordert und ihre Mobilisierung mit einer angeblich ausufernden Kriminalität begründet. Kriminalitätsstatistiken stützen diese Darstellung nicht.
Die Nationalgarden sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. Sie unterstehen im Normalfall der Kontrolle der Bundesstaaten und werden etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-Präsident das Kommando übernehmen. Für Washington bestehen zudem Sonderregeln.
Die Hauptstadt ging juristisch gegen Trumps Befehl vor. Eine Bundesrichterin erklärte den Einsatz der Nationalgarde jüngst für nicht rechtens und ordnete an, diesen zu beenden. Sie setzte ihre Entscheidung jedoch für drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Die Anordnung bleibt damit bis zum 11. Dezember ausser Kraft. (her/con/sda/dpa)
