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USA und Nigeria greifen gemeinsam IS-Terroristen an

USA und Nigeria greifen gemeinsam IS-Terroristen an

26.12.2025, 13:2026.12.2025, 15:58

Die USA und Nigeria haben an Weihnachten gemeinsam die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nigeria angegriffen. Nach den Worten von US-Präsident Donald Trump galten die tödlichen Attacken Kämpfer, die in dem afrikanischen Staat Christen ermordet haben sollen. Das nigerianische Aussenministerium betonte, im Zentrum habe der Kampf gegen Terroristen gestanden, es gehe nicht um bestimmte Religionen.

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Ein nigerianischer Soldat.Bild: AP/AP

Die Angriffe am Donnerstag im nordwestlichen Bundesstaat Sokoto seien in Absprache und Zusammenarbeit mit den Amerikanern durchgeführt worden, «um der anhaltenden Bedrohung durch Terrorismus und gewalttätigen Extremismus entgegenzuwirken», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums, Kimiebi Imomotimi Ebienfa, laut einer Mitteilung. Sokoto grenzt im Norden an den Niger und gilt als einer der wichtigsten Einfallspunkte für dschihadistische Gruppen in den Nordwesten Nigerias.

Zur Zahl der Toten oder den genauen Zielen gab es weder Angaben aus den USA noch aus Nigeria. Das Pentagon veröffentlichte ein Video, auf dem offensichtlich der Abschuss einer Rakete von einem US-Kriegsschiff zu sehen ist. Trump drohte, dass noch viel mehr Terroristen getötet würden, wenn das «Abschlachten» von Christen weitergehe. In Grossbuchstaben schrieb er zudem: «Frohe Weihnachten an alle, auch die getöteten Terroristen».

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf der Plattform X, das Töten unschuldiger Christen in Nigeria und anderswo müsse ein Ende haben. Der nigerianischen Regierung dankte er für ihre Unterstützung und Kooperation.

Nigeria: Angriff hat nichts mit Christentum zu tun

Der nigerianische Aussenminister Yusuf Maitama Tuggar sagte der BBC, die Anti-Terror-Operation habe «nichts mit einer bestimmten Religion zu tun». Tuggar schloss weitere Angriffe nicht aus. In der Erklärung seines Ministeriums hiess es, Nigerias Regierung sei gegen «terroristische Gewalt in jeglicher Form», sei es gegen Christen, Muslime oder andere Gemeinschaften.

Er habe 19 Minuten vor dem Angriff mit US-Aussenminister Marco Rubio telefoniert, sagte Tuggar in einem Interview mit dem nigerianischen Fernsehsender Channels Television. Nigerias Geheimdienst habe demnach die Informationen für den Luftangriff geliefert. Laut Tuggar strebt Nigeria, das bevölkerungsreichste Land des Kontinents, schon länger eine engere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zur Bekämpfung des Terrorismus an.

Trump drohte schon vor Wochen mit Militärschlägen

Bereits Anfang November hatte der US-Präsident mit Militärschlägen in dem westafrikanischen Land gedroht. Schon damals führte er als Grund an, dass islamistische Terroristen dort Christen töteten. Trump wandte sich explizit an die Regierung und warnte, wenn diese weiteres Blutvergiessen zulasse, würden die USA selbst einschreiten. Die USA stuften Nigeria damals als Land ein, in dem angeblich besonders schwere Verletzungen der Religionsfreiheit vorkommen (Country of Particular Concern). Auf der Liste stehen auch Staaten wie China und Russland.

Damals betonte Nigerias Präsident Bola Ahmed Tinubu: «Nigeria lehnt religiöse Verfolgung ab und fördert sie nicht.» Zudem betonte er, Nigeria sei kein religiös intolerantes Land.

«Gefährlichstes Land der Welt für Christen»

Konflikte und Gewalt verlaufen in dem Land, dessen mehr als 220 Millionen Einwohner etwa zur Hälfte je Christen oder Muslime sind, tatsächlich oft entlang religiöser Trennlinien – diese werden von Experten aber nicht immer als Ursache angesehen. Auch kriminelle Banden stecken oft hinter gewaltsamen Angriffen und Entführungen.

Zwar ist Nigeria eine der grössten Volkswirtschaften des Kontinents mit einer der grössten Armeen – aber das Land ist von Korruption zerfressen, Soldaten sind schlecht bezahlt und ausgerüstet, die Polizei existiert in der Fläche kaum. Krisen in jeder Ecke des Vielvölkerstaats mit mehr als 220 Millionen Einwohnern überdehnen die Kräfte.

Abagun Kole Omololu von der soziopolitischen Interessenvertretung Afenifere sagte der Lokalzeitung «Vanguard», der Angriff sei an der Zeit und auch notwendig gewesen. «Viel zu lange waren unschuldige Nigerianer unerbittlichen Angriffen, Entführungen und mutwilliger Zerstörung von Eigentum ausgesetzt gewesen, während unzureichende Massnahmen ergriffen wurden, um terroristischen Enklaven entschlossen entgegenzutreten.»

Christliche Gemeinden werfen dem Staat mangelnden Schutz vor. Die US-Nichtregierungsorganisation International Christian Concern, die die Verfolgung von Christen weltweit dokumentiert, bezeichnete Nigeria 2022 als das «gefährlichste Land der Welt für Christen». Zugleich werden dort Muslime ebenfalls Opfer von Terror- oder Banditenangriffen, ebenso von Racheakten.

Massenentführungen christlicher Schüler und Lehrer

Ende November gab es eine besonders extreme Welle an Massenentführungen im Nordwesten Nigerias. Hunderte Kinder und zahlreiche Lehrer wurden aus einer katholischen Grund- und Sekundarschule verschleppt, wie die Christliche Vereinigung von Nigeria damals mitteilte. Entführungen sind im Norden und Zentrum des Landes furchtbarer Alltag geworden: Sowohl kriminelle Banden als auch islamistische Terrorgruppen verschleppen immer wieder Menschen.

Nicht der erste Angriff der USA in Afrika

Es ist nicht das erste Mal, dass das US-Militär in Afrika islamistische Terroristen angreift. So wurden bereits 2024 – also vor Trumps Amtsantritt – und auch im laufenden Jahr mehrfach IS-Stellungen in Somalia bombardiert. Einige US-Angriffe in dem ostafrikanischen Land galten auch der Terrormiliz Al-Shabaab, die zum Netzwerk Al Kaida gehört, das mit dem IS verfeindet ist. (sda/dpa/cst)

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