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Nicole Shanahan tritt als Vize von Robert F. Kennedy Jr. zu US-Wahlen an

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Nicole Shanahan tritt als potenzielle Vizepräsidentin von Robert F. Kennedy Jr. an.Bild: keystone

Trump, Biden – oder doch Kennedy? Diese Frau könnte die US-Wahlen richtig spannend machen

Neben Biden und Trump ist für die US-Wahl noch ein prominenter parteiloser Anwärter im Rennen. Robert F. Kennedy Jr. sorgt nun mit einem geschickten Move für Aufsehen: Seine potenzielle Vize-Präsidentin könnte Biden und Trump richtig viele Stimmen abjagen.
28.03.2024, 03:1028.03.2024, 07:19
Anna-Lena Janzen / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Sie ist jung, gut vernetzt und reich – nun will sie den alten, weissen Männern im US-Wahlkampf auf die Füsse treten: Die Unternehmerin Nicole Shanahan tritt als Vize des unabhängigen Kandidaten Robert F. Kennedy Jr. – Neffe des legendären Ex-Präsidenten John F. Kennedy – an. Kennedy stellte Shanahan am Dienstag (Ortszeit) bei einem Auftritt in Kalifornien als seine Mitstreiterin vor.

Robert F. Kennedy Jr. arrives at the "Curb Your Enthusiasm" final season premiere on Tuesday, Jan. 30, 2024, at the DGA Theater in Los Angeles. (Photo by Jordan Strauss/Invision/AP)
Robert F ...
Robert F. Kennedy Jr. will als parteiunabhängiger Kandidat Präsident werden.Bild: keystone

Damit nehmen die US-Präsidentschaftswahlen eine unerwartete Wende: Shanahans Kandidatur dürfte das Kräfteverhältnis im Rennen um das Weisse Haus neu gestalten, kommentierten mehrere US-Medien. Beide etablierten Lager, sowohl die Demokraten mit ihrem Kandidaten Joe Biden als auch die Republikaner mit Donald Trump, sähen sich dadurch neuen Herausforderungen gegenüber.

Doch wer ist die Frau, die mit Kennedy ins Rennen geht – und warum wird ihr das Potenzial attestiert, die Karten neu zu mischen?

Die 38-jährige Shanahan hat eine bemerkenswerte Lebensgeschichte. Sie wuchs als Tochter einer chinesischen Einwanderin und eines drogenabhängigen irisch-deutsch-amerikanischen Vaters in einfachen Verhältnissen auf. Später absolvierte sie ein Jurastudium an der renommierten Stanford Universität in Kalifornien und wurde als Unternehmerin in Silicon Valley erfolgreich.

Sie selbst sagt über sich, dass sie mit Essensmarken aufgewachsen und später reich geworden sei. Nun wolle sie anderen helfen. «Der Zweck des Reichtums ist es, den Bedürftigen zu helfen. Dafür ist er da», so Shanahan. «Und ich möchte das auch in die Politik zurückbringen. Das ist der Zweck von Privilegien», sagte die Unternehmerin bei der Verkündigung ihrer Kandidatur.

Die Philanthropin, die auch passionierte Surferin ist, hat eine Stiftung gegründet, die sich für verschiedene Belange einsetzt – unter anderem für Fortschritte in der Reproduktionsmedizin und einen gesunden Planeten. Ihre vielschichtige Biografie macht sie daher für viele Wählergruppen interessant, die sich weder mit Biden noch Trump identifizieren können: Frauen, junge Wähler, Minderheiten.

Gerüchte über Affäre mit Elon Musk

Auch ihr Privatleben hat schon Schlagzeilen gemacht: Shanahan war von 2018 bis 2023 mit dem Google-Mitgründer Sergey Brin verheiratet, die beiden haben eine Tochter. In dem Scheidungsantrag war angeblich von «unüberbrückbaren Differenzen» die Rede.

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Nicole Shanahan war fünf Jahre mit Google-Mitgründer Sergey Brin verheiratet.Bild: www.imago-images.de

Das «Wall Street Journal» hatte von einer mutmasslichen Affäre mit Tesla-Milliardär Elon Musk berichtet, der ein Grund für die Scheidung gewesen sein soll. Dies wies Musk mit einem Tweet zurück und erklärte, der Bericht sei «totaler Mist». Er fügte hinzu: «Sergey und ich sind Freunde und waren letzte Nacht zusammen auf einer Party!»

Team Biden und Team Trump sollen besorgt sein

Dass Shanahan nun neben Kennedy Jr. im Wahlkampf steht, soll laut einem Bericht des US-Politmagazins «The Hill» sowohl das Team von Biden als auch Trump in Besorgnis versetzt haben. «Die Amerikaner werden sich auf ihre Stimme stürzen. Nicole Shanahan wird das Blatt wenden – und Biden und Trump wissen das», heisst es einem Kommentar.

Umfragen sagen zwar ein knappes Rennen zwischen dem 81-jährigen Biden und dem 77-jährigen Trump voraus. Jedoch stehen viele Wähler beiden Kandidaten skeptisch gegenüber – etwa 70 Prozent gaben in jüngsten Umfragen an, dass sie weder Biden noch Trump als nächsten Präsidenten haben wollen.

Kennedy Jr. hat eine höhere Zustimmungsrate als Biden und Trump berichtet «The Hill». Er sei auch der Favorit der Wähler unter 35 Jahren sowie der Unabhängigen und gewinne rapide an Stimmen bei den Minderheiten – Wählergruppen, die er nun dank der Nominierung von Shanahan erheblich vergrössern kann.

Der 70-jährige Kennedy aus der prominenten politischen Familie war jahrzehntelang selbst Demokrat, entfernte sich in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend von der Partei und sagte sich im Oktober 2023 ganz von den Demokraten los, als er seine Präsidentschaftsbewerbung als Parteiloser verkündete.

Als Aktivist und Anwalt setzte er sich für Umweltanliegen wie sauberes Wasser ein. In der jüngeren Vergangenheit wurde der erklärte Impfgegner von Demokraten und Mitgliedern seiner Familie wegen der Verbreitung von Verschwörungsmythen und des Kontakts zu rechtsextremen Politikern häufig kritisiert. Auch Shanahan spricht sich gegen Impfungen aus.

Sie hat Zugang zu Geld, das Kennedy dringend braucht

Shanahan verkündete ihre Unterstützung für Kennedy in einer Rede: «Bitte hören Sie auf Bobby Kennedy in seinen eigenen Worten. Schauen Sie genau auf seine Vision für Amerika. Es ist eine Vision, die ich teile [...] Ich konzentriere die nächsten sieben Monate meines Lebens darauf, ihn auf jeden Stimmzettel in diesem Land zu bringen.»

Presidential candidate Robert F. Kennedy Jr. right, waves on stage with Nicole Shanahan, after announcing her as his running mate, during a campaign event, Tuesday, March 26, 2024, in Oakland, Calif.  ...
Können sie die US-Wahlen entscheidend beeinflussen? Nicole Shanahan und Robert F. Kennedy Jr.Bild: keystone

Ein grosses Hindernis für Kennedy sind die Voraussetzungen, um als Kandidat auf den Wahlzetteln in allen 50 Bundesstaaten zu erscheinen. Bislang ist ihm dies nur in Utah gelungen. Als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten kann Shanahan jedoch unbegrenzte Summen direkt an die Kampagne spenden. Sie hat zudem enge Verbindungen zur Klasse der Grossspender. Das könnte Kennedys teuren Vorstoss, in allen Bundesstaaten auf den Wahlzettel zu kommen, einen enormen Auftrieb geben. Dieses Unterfangen wird nach seinen Angaben 15 Millionen Dollar kosten und die Sammlung von mehr als einer Million Unterschriften erfordern.

Auch wenn Robert F. Kennedy Jr. derzeit keine wirklichen Wahlchancen eingeräumt werden – er könnte die Wahl im Herbst zumindest entscheidend beeinflussen, indem er den beiden anderen Kandidaten wichtige Stimmen klaut. Mit Nicole Shanahan an seiner Seite stehen die Chancen gut, dass es wesentlich mehr werden, als man bisher erwartete.

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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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eupho
28.03.2024 06:33registriert März 2017
Bereits im Jahre 2000 holte ein gewisser Ralph Nader 2.7% der Stimmen und machte den knappen Sieg von George Bush gegen Al Gore überhaupt möglich. Mir ahnt böses.
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Frankygoes
28.03.2024 06:19registriert März 2019
Niemand will Kennedy als Präsidenten und er hat keine Chance gewählt zu werden. Die ganze Geschichte wird von Trump-nahen SuperPACs finanziert und es geht nur darum, Biden Stimmen wegzunehmen.
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Quieselchen
28.03.2024 07:13registriert Januar 2021
Was für eine Auswahl!

- ein Verschwörungsideologe,
- Ein narzisstischer Hochstabler mit mehr als deutlichen rassistischen, sexistischen uns autokratischen Tendenzen,
- und ein Amtsinhaber, der zwar einen guten, sogar einen sehr guten Job macht, aber nach übereinstimmender Meinung einfach zu alt ist.

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