Experte: Geht nicht mehr um Atom-Frage, sondern um Regime-Frage
Das sagte Schulze:
... zur Regime-Frage
«Das iranische Regime wird gemerkt haben, dass es jetzt nicht mehr alleine um die Atom-Frage, sondern auch um die Regime-Frage geht», so der Islamwissenschaftler in einer SRF-Sondersendung zum Thema. Die erste Angriffswelle von Israel und den USA sei deutlich gegen Vertreter des Regimes gerichtet.
Für das iranische Regime bedeute das, dass ihre Macht jetzt auch von aussen in Frage gestellt wird. Das Regime müsse nun aus dessen Sicht alles daran setzen, um ein «Überleben in irgendeiner Form sicherzustellen».
«Iran hat nicht die Schlagkraft, die Amerikaner zu schwächen.»
Umgekehrt sieht der Politikwissenschaftler durchaus die Möglichkeit, dass die Angriffe die iranische Regierung stürzen könnten. «Die Chance, die wesentlichen Elemente der Elite auszuschalten, ist durchaus gegeben. Aber ob das ausreicht, um die Revolution auf die Strasse zu bringen, bleibt abzuwarten.»
Spannend ist für Terhalle das Verhalten von Russland und China in dem Konflikt. «In der Stunde der Entscheidung sehen wir keine Unterstützung aus Moskau und Peking für das Regime», betonte er. «Putin scheint der Zugang zu Trump wichtiger zu sein als der Iran.» (sda)
... zu den Chancen des Überlebens des Regimes
Das Regime, das bereits massiv durch innenpolitische Proteste geschwächt ist, würde jetzt wohl alles daran setzen, zu überleben. «Weil das Überleben die einzige Möglichkeit ist, seine ideologische Botschaft sicherzustellen», so Schulze. Diese Botschaft sei untrennbar mit der Ordnung der Islamischen Republik verbunden. Militärische Einsätze würden nun diesem Ziel gewidmet werden.
Ob das gelingt, hängt laut Schulze massgeblich davon ab, ob und in welchem Umfang Israel und/oder die USA jetzt bereit seien, auch Bodentruppen ins Land zu bringen. «Sobald Bodentruppen im Land sind, ist auch die Front im Land selber eröffnet.» Das würde gemäss dem Islamexperten «eine völlig andere militärische und politische Situation» bedeuten.
... dazu, ob die Versprechen Trumps realistisch sind
US-Präsident Trump forderte heute Morgen die iranischen Revolutionsgarden, iranische Streitkräfte und Polizeikräfte auf, ihre Waffen niederzulegen. Er stellte in diesem Falle vollständige Immunität in Aussicht. Andernfalls würden sie einem sicheren Tod entgegensehen. An das iranische Volk gewandt sagte Trump: «Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen.» Und: «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.»
Mit diesen Worte habe Trump deutlich machen wollen, dass die militärischen Angriffe gegen den Iran dazu dienen, das System so zu schwächen, dass das Volk «die Möglichkeit habe, in irgendeiner Art und Weise die Macht zu übernehmen», meint Reinhard Schulze.
Es sei zwar denkbar, dass israelische oder US-amerikanische Einrichtungen bei einem möglichen Machtwechsel eingesetzt würden. Aber ob dann überhaupt Institutionen vorhanden seien, die ein mögliches Machtvakuum füllen könnte, wisse niemand. Schulze sagt: «Diese Frage stellen sich auch im Iran alle.»
(lak)
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