International
USA

Chapatte zum Ende der politischen Karikaturen bei der New York Times

Swiss cartoonist Patrick Chappatte speaks during a panel session during the 49th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, January 23, 2019. The meeting brings ...
Der Schweizer Patrick Chappatte arbeitet für diverse Zeitungen als Karikaturist. Bild: KEYSTONE

Das sagt Karikaturist Chappatte zum Ende der politischen Karikaturen bei der NYTimes

11.06.2019, 04:0811.06.2019, 04:08

Der Schweizer Patrick Chappatte ist bekannt für seine zuweilen provokativen Karikaturen. Chapaptte publiziert seine Werke neben Tages-Anzeiger, Spiegel und NZZ am Sonntag auch in der New York Times. Doch damit ist nun Schluss – die Times publiziert ab Juli 2019 keine politischen Karikaturen mehr.

Zeichnungen von Patrick Chappatte haengen an der Wand, am Mittwoch, 14. Dezember 2016, im Museum fuer Kommunikation in Bern. Die Ausstellung "Gezeichnet 2016 - die besten Schweizer Pressezeichnun ...
Zeichnungen von Chappatte, die im Rahmen einer Ausstellung 2016 präsentiert wurden. Bild: KEYSTONE

Stein des Anstosses: Ein Cartoon, der den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als Blindenhund mit Davidstern am Halsband zeigt, geführt wird der Hund von einem blinden Donald Trump mit Kippa. Die Karikatur, die im April erschien, löste einen weltweiten Shitstorm aus und zwang die New York Times zu einer Entschuldigung. Darin schrieb die amerikanische Zeitung, dass ein solches Bild gefährlich sei, «besonders in Zeiten, in denen Antisemitismus weltweit auf dem Vormarsch ist.»

Auf seiner Website äussert sich der Schweizer Karikaturist zur Entscheidung der New York Times. «Ich lege meinen Stift mit einem Seufzer nieder: Das ist eine Menge Arbeit, die von einem einzigen Cartoon – nicht einmal meinem eigenen – rückgängig gemacht wird.» Der Netanjahu-Cartoon hätte nicht gedruckt werden dürfen, so Chappatte weiter.

Chappatte kritisiert die aktuelle Situation in den sozialen Netzwerken. «Wir leben in einer Welt, in der sich moralinsaure Mobs auf Social Media versammeln, wie ein Sturm aufsteigen und sich dann mit einem überwältigenden Knall auf die Redaktionen ergiessen», erklärt Chappatte.

«Politische Karikaturen wurden mit der Demokratie geboren. Und sie werden angegriffen, wenn auch die Freiheit in Gefahr ist.»

Redaktionen und Verlage seien aufgrund der Diskussionen auf Twitter sofort gezwungen, Gegenmassnahmen zu treffen. Und liessen so keinen Raum für sinnvolle Diskussionen mehr. «Politische Karikaturen wurden mit der Demokratie geboren. Und sie werden angegriffen, wenn auch die Freiheit in Gefahr ist.»

Doch der 52-jährige Karikaturist gibt nicht auf. Gegen Ende seines Blogbeitrags schlägt er versöhnlichere Töne an. Er bleibe positiv, so der Schweizer. «In einer Welt mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne war die Macht der Bilder noch nie so gross», so Chappatte. «In der verrückten Welt, in der wir leben, ist die Kunst des visuellen Kommentars mehr gefragt, denn je. Und auch der Humor.»

Die besten Karikaturen zum Trump-Kim-Gipfel

1 / 14
Die besten Karikaturen zum Trump-Kim-Gipfel
Gefährliches Spiel: Marian Kamensky für «Alternative Economics» aus Singapur.
quelle: watson/cbe
Auf Facebook teilenAuf X teilen

(ohe)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Der Protest der Karikaturisten
1 / 15
Der Protest der Karikaturisten
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das war das Jahr 2017 in Karikaturen
Video: srf
Gericht verringert Strafe für Maja T. auf sieben Jahre
Das Berufungsgericht in Budapest hat die Haftstrafe für die non-binäre Person Maja T. aus der deutschen Stadt Jena von ursprünglich acht Jahren auf sieben Jahre verringert. Maja T. war wegen schwerer tätlicher Angriffe auf mutmassliche Rechtsextremisten in Ungarn angeklagt. Die bisher in Untersuchungshaft verbrachte Zeit werde von der Haftstrafe abgezogen, erklärte Richter Geza Szalai. Maja T. wird der linken Szene zugerechnet.
Zur Story