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Unschuldiger sitzt in den USA mehr als 30 Jahre im Gefängnis – bis jetzt

Mehr als sein halbes Leben verbrachte Curtis Crosland wegen Mordes im Gefängnis. Dann stellte sich heraus: Er wurde zu Unrecht verurteilt. Nach über drei Jahrzehnten kehrte der US-Amerikaner nun heim.
02.08.2021, 10:32
Curtis Crosland
Curtis Crosland
Bild: screenshot video
Ein Artikel von
t-online

Im Jahr 1987 wurde der 23-jährige Curtis Crosland in der US-Metropole Philadelphia von der Polizei festgenommen. Der Vorwurf: Drei Jahre zuvor soll er in einem bis dahin ungelösten Fall den Besitzer eines Lebensmittelladens nach einem Überfall ermordet haben. Zwei Zeugen hatten Crosland mit dem Raubüberfall in Verbindung gebracht, wie mehrere US-Medien berichteten. Nach 34 Jahren wendet sich das Blatt: Crosland ist frei.

Was war passiert?

In einem ersten Verfahren sei Crosland 1987 schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden, berichteten unter anderem «CNN» und die «Washington Post». Dieses Urteil sei zwar zunächst aufgehoben worden, doch vier Jahre wurde Crosland erneut verurteilt. 

34 Jahre habe der heute 60-Jährige für das Verbrechen im Gefängnis verbracht – zu Unrecht, wie sich nun herausgestellt habe. Eine Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft, die Conviction Integrity Unit (CIU), die für die Untersuchung unrechtmässiger Verurteilungen zuständig ist, hatte den Fall den Berichten zufolge 2020 erneut untersucht. Zuvor soll Crosland selbst jahrzehntelang versucht haben, seine Unschuld zu beweisen.

Zeugen mit Falschaussagen 

Die CIU konnte Croslands tatsächlich entlasten: Wie sich bei den Untersuchungen herausgestellt habe, seien der Verteidigung während des Prozesses wichtige Informationen vorenthalten worden. Zudem hätten die beiden Zeugen, die Crosland belasteten, als unzuverlässig gegolten. Unter anderem hatte eine Frau in einem anderen Fall Croslands Cousin fälschlicherweise des Mordes beschuldigt. Beide Zeugen zogen ihre Aussagen laut CIU innerhalb eines Jahres nach Crosslands erster Verurteilung zurück, ohne dass seine Verteidigung davon Kenntnis erhielt. 

In den Jahren 2019 und 2020 bestätigten beide Zeugen unter Eides statt erneut, sie hätten damals falsch ausgesagt. Die Frau sei demnach von der Polizei zu der Aussage genötigt worden, der andere Zeuge sei mit einem Verstoss gegen seine Bewährungsauflagen konfrontiert gewesen und hatte gehofft, mit der Aussage einer Gefängnisstrafe entgehen zu können, hiess es dazu von der CIU. 

Crosland wieder bei seiner Familie 

Aufgrund der neuen Sachlage ordnete die zuständige Bezirksrichterin Anita B. Brody die Freilassung Cosslands an, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Das Verfahren werde nun wieder neu aufgenommen. Die Untersuchungsergebnisse der CIU deuteten auf einen Mann hin, der bereits vor mehr als drei Jahrzehnten von der Polizei verdächtigt worden war. Auch davon habe Crosslands Verteidigung nichts gewusst.

«Ich bin sehr froh und glücklich, dass nach 30 oder mehr Jahren, in denen ich ständig an die Tür geklopft habe, damit mich jemand anhört, dieser Tag endlich gekommen ist», sagte Crosland nach seiner Freilassung CNN.

Der 60-Jährige kehrte demnach nach Hause zu seiner Familie zurück. Dort warteten laut den Berichten neben seiner Verlobten fünf Kinder und 32 Enkelkinder auf ihn. «Es ist ein grossartiges Gefühl, immer noch Vater zu sein, gewollt und begehrt zu sein und mit offenen Armen empfangen zu werden. Das ist das Grösste daran, entlastet zu werden, dass ich nach Hause zu einer liebenden Familie komme, die mich will und braucht», sagte Crosland.

(t-online/blu)

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