Nestlé-CEO erwartet keinen dauerhaften Schaden nach Babymilch-Panne
Der Rückruf vergifteter Babynahrung wird das Wachstum von Nestlé 2026 bremsen. CEO Philipp Navratil glaubt jedoch nicht an einen langfristigen Schaden für das Unternehmen, wie er am Donnerstag an einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte.
2025 fielen beim weltgrössten Nahrungsmittelhersteller im Zusammenhang mit dem Rückruf Kosten von insgesamt 185 Millionen Franken für Produktrückgaben und Bestandesabschreibungen an, wie es hiess. Im laufenden Jahr dürften die Effekte zudem das organische Wachstum des Konzerns um 20 Basispunkte bremsen.
Zusätzliche Auswirkungen wegen möglicher Zurückhaltung bei den Konsumenten seien noch unklar und schwer zu beziffern, sagte Finanzchefin Anna Manz. Die Auswirkungen könnten das organische Wachstum ans untere Ende der für 2026 angepeilten Spanne von rund 3 bis 4 Prozent trieben, hiess es.
Über späte Rückrufe der Konkurrenz überrascht
Einen dauerhaften strukturellen Schaden oder eine Beeinträchtigung anderer Marken erwartet Nestlé nicht, auch wenn ein Teil des Vertrauens wieder aufgebaut werden müsse, sagte CEO Navratil. Der Konzern habe rasch reagiert und Behörden sowie Branche sofort informiert.
Navratil äusserte sich überrascht, dass andere ebenfalls betroffene Babymilchpulverproduzenten wie der französische Konkurrent Danone mit Rückrufen zugewartet hätten. Er betonte allerdings, er könne nicht für die Wettbewerber sprechen und wisse nicht, warum sie später reagiert hätten.
Werke laufen rund um die Uhr
Nestlé hat den Rückruf inzwischen abgeschlossen und die Produktion in allen Fabriken wieder aufgenommen. Die Werke liefen derzeit rund um die Uhr, um Lieferengpässe zu vermeiden, sagte Navratil.
Nestlé hatte Ende Dezember in einer zugekauften Öl-Zutat eines chinesischen Herstellers das Bakteriengift Cereulid entdeckt und Ende 2025 die grösste Rückrufaktion seiner Geschichte in total gegen 60 Ländern gestartet.
Der Konzern nutzt inzwischen alternative Zulieferer und führt umfassende Tests vor, während und nach der Produktion durch. Cereulid habe in Säuglingsnahrung keinen Platz, und Nestlé arbeite mit strengeren Standards als den europäischen Referenzwerten, hiess es. (sda/awp)
