DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wichtiger Sieg für Biden und Harris: US-Senat sagt Ja zum Klima- und Sozialpaket

08.08.2022, 03:4508.08.2022, 10:39

Wenige Monate vor der Kongresswahl in den USA hat der Senat ein massives Investitionspaket für den Sozialbereich und den Klimaschutz beschlossen. Die Entscheidung fiel am Sonntag (Ortszeit) in Washington mit hauchdünner Mehrheit: Die entscheidende Stimme kam von der demokratischen Vizepräsidentin Kamala Harris, die qua Amt auch dem Senat vorsteht. Nach monatelangem Ringen brachten die Demokraten damit ein Kernvorhaben von Präsident Joe Biden auf den Weg - wegen Widerstands aus den eigenen Reihen jedoch nur mit erheblichen Kürzungen.

Kamala Harris stimmte wenig überraschend für den Gesetzesentwurf.
Kamala Harris stimmte wenig überraschend für den Gesetzesentwurf.Bild: keystone

Die Republikaner stimmten geschlossen gegen das sogenannte Inflationsbekämpfungsgesetz. Mit Änderungsanträgen hatten sie über fast 16 Stunden hinweg die Verabschiedung verzögert. Am Ende stimmten alle demokratischen Senatoren plus Harris für das Gesetzespaket. Damit stand die notwendige einfache Mehrheit von 51 Stimmen. Jetzt muss noch das Repräsentantenhaus zustimmen. Dort soll die Entscheidung am Freitag stattfinden. In dieser Kammer des Kongresses gilt eine Mehrheit für die Gesetzespläne als gesichert.

Für Biden ist die Verabschiedung ein wichtiger Erfolg. Der demokratische Präsident kämpft seit längerer Zeit mit niedrigen Zustimmungswerten. Experten halten es aufgrund von Umfragewerten für wahrscheinlich, dass die Demokraten bei den Wahlen im November ihre knappe Mehrheit in einer Kammer oder sogar beiden Kammern verlieren. Die nächste Präsidentenwahl steht dann im November 2024 an. Ob Biden wieder kandidiert, ist offen. Er wäre dann fast 82 Jahre alt.

Der Mehrheitsführer der Demokraten, Chuck Schumer, sagte nach der Abstimmung, der Gesetzesentwurf mindere die Inflation, schaffe Millionen Arbeitsplätze und erhöhe die Energiesicherheit. «Der Senat hat jetzt das bedeutendste Gesetz zur Bekämpfung der Klimakrise aller Zeiten verabschiedet. Und es wird für meine Enkelkinder einen Unterschied machen.» Biden gab zu, dass das Gesetz «viele Kompromisse» erfordert habe. «Das ist bei wichtigen Dingen fast immer der Fall», fügte er hinzu.

Chuck Schumer freut sich über den angenommenen Entwurf.
Chuck Schumer freut sich über den angenommenen Entwurf.Bild: keystone

Nach zähen Verhandlungen ist das Paket nur noch ein Bruchteil dessen, was der US-Präsident für Klima und Soziales eigentlich durchsetzen wollte. Vor allem der demokratische Senator Joe Manchin torpedierte seine Pläne immer wieder. Schumer handelt mit Manchin dann vor wenigen Tagen Änderungen aus und präsentierte überraschend eine Einigung. Auch für die Unterstützung der demokratischen Senatorin Kyrsten Sinema musste ihre Partei Zugeständnisse machen.

Schumer betonte jedoch, die wichtigsten Bestandteile des Gesetzes blieben erhalten - etwa die Senkung der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente, die Bekämpfung des Klimawandels, die Schliessung von Steuerschlupflöchern sowie 300 Milliarden US-Dollar (etwa 295 Milliarden Euro) für den Schuldenabbau.

Der Entwurf sieht mehr als 370 Milliarden Dollar (etwa 363 Milliarden Euro) für Klima- und Energieprogramme vor. Dies seien die umfangreichsten Staatsmittel in der US-Geschichte im Kampf gegen den Klimawandel, schrieb die «Washington Post». Das Vorhaben soll in den Vereinigten Staaten eine deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrzehnts ermöglichen. Dafür soll eine Mindeststeuer von 15 Prozent für Grossunternehmen gelten.

Der Minderheitsführer im Senat, der Republikaner Mitch McConnell, warf den Demokraten vor, sich nicht um die «Prioritäten von Familien der Mittelschicht» zu scheren. Der Entwurf werde nach Ansicht von Experten die ausufernde Inflation nicht nennenswert senken. Die Teuerungsrate in den USA war zuletzt mit 9,1 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Top Ten der am meisten angefochtenen Bücher in den USA 2020

1 / 12
Top Ten der am meisten angefochtenen Bücher in den USA 2020
quelle: orellfüssli
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Fail in den USA: Polizei will falsches Haus räumen

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

11 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
HeidiW
08.08.2022 07:41registriert Juni 2018
Alle Demokraten dafür, alle Republikaner dagegen.

Das ist doch keine Demokratie mehr.

Man müsste einmal ein Experiment starten. Alle Mitglieder der Demokraten und der Republikaner für ca. 1 Monat abschirmen dann erhalten alle die gleichen Informationen über ein Thema. Nach einem Monat müssen alle immer noch abgeschottet von einander für ein Sachthema abstimmen. Es würde mich sehr wundern, wenn dann das Ergebniss immer noch so eindeutig wäre. Dieses Gleichschalten innerhalb einer Partei sollte verboten sein und jede Partei die dies zulässt aus der Regierung werfen.
505
Melden
Zum Kommentar
11
Eine neue Ära im Jugendbarometer bricht an – so tickt die Zukunft der Schweiz

Zum 10. Mal wurde das Jugendbarometer veröffentlicht. Während in der Vergangenheit mehrheitlich der Puls der «optimistischen» Generation Y (Jahrgänge 1980 bis 2000) gefühlt wurde, gehört die Jugend heute mehrheitlich der «realistischen» Generation Z (ab 2000) an. Und das spiegle sich in der Befragung wider, wie das gfs Bern schreibt.

Zur Story