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Dunhuang in der chinesischen Gansu-Provinz war einst ein Hauptort auf der historischen Seidenstrasse.
Dunhuang in der chinesischen Gansu-Provinz war einst ein Hauptort auf der historischen Seidenstrasse.Bild: EPA/EPA

Die neue Seidenstrasse: Mit diesen 9 Grossprojekten will China die Welt an sich binden

Heute beginnt der «Seidenstrassen»-Gipfel in Peking. Zum zweitägigen Treffen sind Vertreter aus 100 Ländern angereist, unter ihnen Bundespräsident Ueli Maurer. Ein Überblick zu den verschiedenen Grossprojekten auf vier Kontinenten.
26.04.2019, 15:0426.04.2019, 15:28

China finanziert im Rahmen der Initiative «Neue Seidenstrasse» (Belt and Road) Grossprojekte im Transportbereich in Asien, Europa, Afrika und bald wohl auch Lateinamerika. Eine offizielle Liste aller Projekte gibt es nicht, es sind aber vor allem Häfen, Bahn- und Strassenverbindungen sowie Pipelines, die von China Geld bekommen – und dann von chinesischen Firmen gebaut werden.

Eine Übersicht über die Projekte in Europa, Asien und Afrika.
Eine Übersicht über die Projekte in Europa, Asien und Afrika.Bild: mdpi

Hauptgeldquellen sind der Seidenstrassenfonds (New Silk Road Fund) und die Asiatische Infrastrukturinvestitionsbank (AIIB). Der Seidenstrassenfonds hat rund 57 Milliarden Franken zur Verfügung und investiert sein Geld in Beteiligungen. Die China Development Bank und die Export-Import-Bank, zwei weitere chinesische Investoren, vergeben Spezialkredite für Infrastrukturprojekte. Auch hier ist von umgerechnet knapp 57 Milliarden Franken Umfang die Rede.

Bisher hat China im Rahmen des Seidenstrassenprojekts 171 Kooperationsvereinbarungen mit über 150 Staaten unterzeichnet. 82 Sonderwirtschaftszonen sind ausserhalb Chinas entstanden, in die über 30 Milliarden Franken investiert wurden. Elf chinesische Banken haben inzwischen Filialen in Ländern der Seidenstrasse eröffnet. Nebenbei wurden auch Kulturabkommen mit mehr als 60 Staaten unterzeichnet und 17 Kulturzentren eröffnet.

Sehr vielfältig sind die Projekte, die mit dem Geld vorangetrieben werden. Ein paar Beispiele:

Die Neue Eurasische Landbrücke

Tausende Kilometer durch die zentralasiatische Steppe.
Tausende Kilometer durch die zentralasiatische Steppe.Bild: shutterstock

Das Herzstück der neuen Seidenstrasse ist die Bahnstrecke London – Yiwu. Die 12'000 Kilometer lange Strecke führt über Warschau – Moskau – Yekaterinburg – Astana – Almaty – Khorgos – Xian zum Handelszentrum Yiwu, 300 km südlich von Shanghai. 18 Tage lang dauert die Reise. Es ist die zweitlängste Eisenbahn-Handelsroute (hinter Madrid – Yiwu).

Der erste China Railway Express macht 2017 Halt in Warschau.
Der erste China Railway Express macht 2017 Halt in Warschau.Bild: AP/AP

Zum Vergleich: Ein Frachtschiff von Ostasien nach Nordeuropa ist 30 – 45 Tage auf See, zwei bis drei Mal so lange.

Hier in Khorgos gibt's einen Spurwechsel.
Hier in Khorgos gibt's einen Spurwechsel.Bild: AP/AP

Bindeglied ist die 2014 aus dem Boden gestampfte Stadt Khorgos (im Bild oben) an der Grenze zwischen China und Kasachstan. Weil die chinesischen Schienen schmaler sind als die russischen (aus der Zeit, als Kasachstan noch eine Sowjetrepublik war), müssen die Züge hier die Spur wechseln. Khorgos dürfte sich mit einem Warenumschlag von jährlich 30 Millionen Tonnen in Zukunft zum grössten Trockenhafen der Welt entwickeln.

Pakistan-China-Korridor

Der Hafen in Gwadar.
Der Hafen in Gwadar.Bild: X80002

Eine direkte Verbindung zwischen dem Hafen Gwadar und der chinesischen Stadt Kashgar soll die Transportdistanz für Öl aus dem Nahen Osten von 12'000 Kilometer auf unter 2'400 Kilometer verringern. Die Kosten für den Aufbau des Korridors sollen sich auf 45 Milliarden Franken belaufen, das ist rund ein Fünftel des pakistanischen Bruttoinlandproduktes und etwa das Zehnfache der US-amerikanischen Investitionen in dem Land.

Pakistanische Arbeiter in Haripur.
Pakistanische Arbeiter in Haripur.Bild: AP/AP

Das Vorzeigeprojekt soll 2030 fertiggestellt werden. Für das von Ölimporten abhängige China geht es darum, für das Öl eine Alternative zum Transport am Seeweg durch die strategisch heikle Strasse von Malakka aufzubauen.

Asien-Pipeline

Kasachstan ist reich an Öl.
Kasachstan ist reich an Öl.bild: shutterstock

Eine neue Pipeline führt vom Kaspischen Meer in Kasachstan nach China, seit Ende 2014 ist eine neue Pipeline zwischen Turkmenistan und China im Bau (1'800 Kilometer), die jährlich rund 40 Milliarden Kubikmeter Gas nach China transportieren soll. In Korgas in Kasachstan entsteht mit chinesischem Geld eine Anlage, um das effiziente Umfrachten von chinesischen auf kasachische Züge zu ermöglichen.

Malaysia

Der malaysische Premier Mahattir Mohamad führt die gemeinsamen Projekte mit China aus, 26. April 2019.
Der malaysische Premier Mahattir Mohamad führt die gemeinsamen Projekte mit China aus, 26. April 2019. Bild: AP/AP

Mit chinesischem Geld sollen chinesische Staatsfirmen eine Bahnverbindung für 20 Milliarden Franken und zwei Pipelines im Wert von 2,3 Milliarden Franken bauen. 2018 stoppte Malaysia die Vorhaben und warf China neuen Kolonialismus vor. Mitte April kündigte Malaysia aber an, doch mit chinesischem Geld eine abgespeckte Bahnverbindung um immer noch zehn Milliarden Franken zu bauen. Im Gegenzug soll mehr Palmöl nach China geliefert werden.

Griechenland

Der Hafen von Piräus soll der grösste Containerhafen des Mittelmeers werden.
Der Hafen von Piräus soll der grösste Containerhafen des Mittelmeers werden.Bild: shutterstock

Der Transportkonzern Cosco aus China hat schon 2008 51 Prozent des Containerhafens von Piräus für 40 Jahre gepachtet und 2016 einen Mehrheitsanteil an der griechischen Betreibergesellschaft PPA erworben. Hier soll der grösste Containerhafen des Mittelmeeres entstehen. Investiert wurden 1,4 Milliarden Franken.

Balkan

Die Arbeiten an der Eisenbahn werden in Belgrad feierlich eröffnet.
Die Arbeiten an der Eisenbahn werden in Belgrad feierlich eröffnet.Bild: AP/AP

Neubau der Eisenbahn zwischen Belgrad und Budapest mit einem Auftragswert von 4,2 Milliarden Euro. Dies soll die Reisezeit zwischen Belgrad und Budapest von 8 auf 3,5 Stunden verkürzen. Das Projekt soll 2023 fertiggestellt sein und ist die erste Phase in der geplanten Verbindung Budapest – Belgrad – Skopje – Athen, die den Hafen von Piräus besser an Zentraleuropa anbinden soll.

China-Iran-Eisenbahn

Der erste chinesische Güterzug kommt in Teheran an, 15. Februar 2016.
Der erste chinesische Güterzug kommt in Teheran an, 15. Februar 2016.Bild: EPA/EPA

Iran ist für China die Pforte in den Nahen Osten. Im Jahr 2016 kam der erste Zug aus China in Teheran an (im Bild) – nach 14-tägiger Reise. Peking hofft, dass die Eisenbahn und die Zusammenarbeit mit Teheran China den Zugang zum ölreichen Nahen Osten ermöglicht. Je nach Bericht investiert China in Zukunft zwischen 10 und 30 Milliarden Franken in den Ausbau der Infrastruktur im Iran.

Afrika

Der kenianische Präsident weiht das grösste Infrastruktur seit der Unabhängigkeit ein, Mombasa, am 30. Mai 2017.
Der kenianische Präsident weiht das grösste Infrastruktur seit der Unabhängigkeit ein, Mombasa, am 30. Mai 2017.Bild: AP/AP

In Sambia, Äthiopien, Gabun, Kamerun und Ghana sind mit chinesischer Hilfe Staudämme entstanden. In Kenia, Nigeria, Äthiopien, Tansania, Angola und Marokko haben die Chinesen wichtige Bahnlinien und tausende Kilometer Strassen gebaut, Spitäler und Regierungsgebäude errichtet.

Nova Cidade de Kilamba im Jahr 2011.
Nova Cidade de Kilamba im Jahr 2011.

In Angola entsteht eine neue Stadt, die fast neun Quadratkilometer grosse Nova Cidade de Kilamba – Kostenpunkt: Etwa 3,5 Milliarden Franken. Die angolanische Regierung bezahlt den chinesischen Kredit mit Öl.

Erster chinesischer Marinestützpunkt im Ausland: Der Hafen von Dschibuti.
Erster chinesischer Marinestützpunkt im Ausland: Der Hafen von Dschibuti.Bild: AP/AP

In Südafrika will die Shanghai Zendai Group mit rund acht Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein «New York von Afrika» bauen. Seit 2017 unterhält China bereits seinen ersten Marinestützpunkt im Ausland in Dschibuti am Horn von Afrika.

Lateinamerika

Ein chinesischer Frachter von Cosco im Panama-Kanal.
Ein chinesischer Frachter von Cosco im Panama-Kanal.Bild: AP/AP

China hat in den vergangenen Jahrzehnten Südamerika schon mehrere Milliarden Franken geliehen. Venezuela erhielt 62,5 Milliarden Euro, Brasilien 48 Milliarden, Argentinien 20 Milliarden und Ecuador 17 Milliarden Franken. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erklärte kürzlich, sein Land erwäge auch, sich der Neuen Seidenstrasse anzuschliessen. Damit würde das Projekt bis an die Grenze der USA heranreichen. In der Karibik stimmte im vergangenen Mai Trinidad und Tobago einer Beteiligung zu. Im September wurde der Vertrag für den Bau eines Trockendocks an ein chinesisches Staatsunternehmen vergeben. (jaw/sda)

Du willst mehr zur Seidenstrasse erfahren? Dann sei dir diese interaktive Webseite der «South China Morning Post» empfohlen.

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China baut Riffs zu Stützpunkten aus

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China baut Riffs zu Stützpunkten aus
quelle: x01750 / digitalglobe
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