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epa08003120 Visitors walk past the Boeing pavilion during the first day of the Dubai Airshow 2019 at Al Maktoum International Airport in Jebel Ali, Dubai, United Arab Emirates, 17 November 2019. The airshow will run from 17 November to 21 November 2019.  EPA/ALI HAIDER

Geleakte Mails werfen ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur beim US-Flugzeugbauer. Bild: EPA

«Von Clowns entworfen»: Boeing-Mitarbeiter lästern über Modell 737 Max



Kritische E-Mails von Boeing-Mitarbeitern über den Umgang mit dem Unglücksmodell 737 MAX werfen ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur bei dem US-Flugzeugbauer.

Das Flugzeug «sei von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt wurden», schrieb ein nicht genannter Mitarbeiter, der sich im April 2017 mit einem Kollegen über Probleme mit der Computer-Flugsteuerung austauschte.

Zwei Boeing 737 MAX stürzten 2018 und 2019 nach technischen Problemen ab, 346 Menschen verloren dabei ihr Leben. Seither dürfen Flugzeuge dieses Typs auf Geheiss der US-Luftsicherheitsbehörde FAA nicht mehr starten und landen.

Aus vielen der Mails und anderen Kurznachrichten, die Boeing in der Nacht zum Freitag veröffentlichte, spricht Verachtung für das Boeing-Management, aber auch für die FAA und andere Genehmigungsbehörden.

«Würdest Du Deine Familie in ein Flugzeug stecken, dessen Piloten an einem MAX-Simulator geschult wurden? Ich nicht», schreibt ein Boeing-Mitarbeiter Anfang 2018 an einen anderen. «Nein», antwortet dieser.

Boeing hält Lästereien für inakzeptabel

Boeing erklärte, man habe die internen Mitteilungen - insgesamt mehr als 100 Seiten - in einer Transparenz-Offensive gegenüber der FAA öffentlich gemacht. Die Aussagen darin «spiegeln nicht das Unternehmen wider, das wir sind und das wir sein müssen, und sie sind völlig unakzeptabel», betonte der Flugzeugbauer. Am Montag tritt der neue Boeing-Chef Peter Calhoun sein Amt an.

Die FAA erklärte, «Ton und Inhalt der Formulierungen in den Dokumenten seien enttäuschend». Die Behörde sei im Zusammenhang mit dem 737-MAX-Simulator «weder gründlich noch fordernd», hiess es in einer der veröffentlichten Mails.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im US-Repräsentantenhaus, Peter DeFazio, sagte, die Mitteilungen zeichneten ein «zutiefst verstörendes Bild davon, wie weit Boeing zu gehen bereit war, um einer Überprüfung durch Regulierungsbehörden, Flugzeugbesatzungen und der Öffentlichkeit zu entgehen, obwohl eigene Mitarbeiter die Alarmglocken schrillen liessen». DeFazio leitet die Untersuchung der beiden Abstürze im Parlament.

«Gott hat mir noch nicht vergeben»

Boeing hatte sich lange dagegen gewehrt, dass Piloten vor einem Einsatz in der 737 MAX überhaupt im Simulator geschult werden sollten, weil der Flugzeugtyp dem Vorgängermodell 737 NG ähnle. «Wir werden das nicht zulassen. Wir werden uns mit jedem Regulierer anlegen, der das verlangt», schrieb ein Boeing-Manager im März 2017 in einer E-Mail.

Nach Gewerkschaftsangaben mussten 737-MAX-Piloten bisher nur einen einstündigen Kurs am iPad absolvieren, ehe sie die Maschine zum ersten Mal flogen. Erst in dieser Woche hatte Boeing einen Kurswechsel vollzogen und Flugzeugführern ein Simulator-Training empfohlen, ehe sie wieder in einer 737 MAX sässen.

In anderen Mails beklagen sich die Boeing-Mitarbeiter bitter über die Unternehmenskultur. Der Flugzeugbauer versuche immer den billigsten Lieferanten zu finden und sage Zeitpläne zu, die nicht einzuhalten seien, hiess es in einer internen E-Mail mit Bezug auf den Flugsimulator für die 737 MAX.

«Ich weiss nicht, wie man das wieder hinkriegen soll... das ist systemisch. Es ist Tatsache, dass wir ein Führungsteam haben, das sehr wenig vom Geschäft versteht und uns doch zu bestimmten Zielen steuert», schrieb ein Mitarbeiter im Juni 2018. «Gott hat mir noch nicht vergeben, was ich vergangenes Jahr verschleiert habe», schrieb ein anderer einen Monat zuvor. (sda/awp/reu)

Das Flugzeug im Flugzeug

Auch Schweiz sperrt Luftraum für Unglücksmaschine

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    Alle Leser-Kommentare
  • Colelmrr 11.01.2020 20:45
    Highlight Highlight Das geht denen ab wie damals bei der VW anfangs Dieselskandal. „Ganz ohne Bescheissen kriegen wir das nicht hin“ oder so hat einer von denen geschrieben xD
    Na mal ehrlich, wir wissen doch alle haargenau wie es bei solchen Firmen zu und her geht....
  • Lienat 10.01.2020 23:03
    Highlight Highlight Da sieht man mal, was Qualitätssicherung so bringt. Um die Zertifizierung zu erhalten, mussten sie bestimmt alle Punkte in der Checkliste penibel genau einhalten. Nur dumm dass da nicht drinn steht, dass man die Triebwerke am richtigen Ort hinmachen sollte.
  • BlueTire 10.01.2020 20:02
    Highlight Highlight Wird ab sofort teil meines Vokabulars: Vo Clowns entworfe wo vo Affe beufsichtiged worde sind.
  • Fernrohr 10.01.2020 19:41
    Highlight Highlight Nun, Boeing lebt ja zu einem grossen Teil von staatlich finanzierten Waffenprojekten. Sollen sie doch die Zivilfliegerei aufgeben und sich auf das Waffengeschäft konzentrieren. Airbus kann den Rest ja übernehmen. Oder die Chinesen.
  • Zeit_Genosse 10.01.2020 17:47
    Highlight Highlight Wer in der Fliegerei keinen Respekt von Passagieren und Cargo hat, sondern nur den Shareholder befriedigt um an den Bonus zu bekommen, der sollte rausfliegen. Ich habe mit allen Unternehmen, die das Wohlergehen von Menschen in ihrer Vision/Mission haben gute Erfahrungen gemacht. Als Aktionär und bei Mandaten. Alle anderen interessieren mich nicht.
  • Gawayn 10.01.2020 15:41
    Highlight Highlight Was wollen die?
    Die Amis haben sich einen Clown als Presidenten geholt. Was wundern die sich, wenn es auch welche in den Führungsebenen von Boing gibt?
  • Nils Garden 10.01.2020 15:23
    Highlight Highlight .....dürfen nicht mehr starten und landen.
    Was jetzt, nur noch starten oder nur noch landen......🤔
    • Juliet Bravo 10.01.2020 16:14
      Highlight Highlight Nix von beidem😉
    • _kokolorix 10.01.2020 18:09
      Highlight Highlight Da haben wir die wahre Absturzursache: die durften nicht mehr landen, nachdem sie gestartet wahren!
      # Kann Spuren von von Ironie emthalten #
    • Henri Lapin 10.01.2020 18:13
      Highlight Highlight Sie dürfen nur noch landen
  • fireboltfrog 10.01.2020 15:12
    Highlight Highlight Man müsste solche Chefs einfach lebenslang einsperren für so was - wenn keine angemessene Straffe droht, findet man immer einen, der schaut das der Aktienkurs stimmt und sich nicht interessiert das richtige zu machen. Das hat ja nichts mehr mit Fehlern zu tun, dass ist grobfahrlässiges Handeln über Jahre.
    • Fisherman 10.01.2020 16:31
      Highlight Highlight Nicht nur grobfahrlässig sondern vorsätzlich!
  • Donald 10.01.2020 15:11
    Highlight Highlight Weil die 737 sehr kurze Fahrwerke hat und die Triebwerke immer grösser werden, wollte man das Problem billig mit einem Software-Hack lösen.

    Die Fahrwerke anzupassen wäre einiges teuerer geworden.

    So einfach ist es. Da wurde definitiv am falschen Ort gespart.
    • maylander 10.01.2020 16:26
      Highlight Highlight Die Regulierung ist auch mitschuldig.
      Grandfather's rights für ein Uraltmodell sind kein Problem, wenn man es richtig macht. Dafür hat die Max nicht mehr viel mit der Ur737 gemeinsam. Eine Neuzulasdung des praktische gleichen Flugzeugs dauert dann Jahre und kostet Milliarden.
    • Neruda 10.01.2020 16:31
      Highlight Highlight Boeing wollte ursprünglich, glaub ich, eigentlich eine von Grund auf neue Maschine konstruieren. Sie wussten ja auch warum. Sie wurden von den Kunden aber scheinbar aucg dazu gedrängt, schneller ein effizienteres Modell zu liefern. Wahrscheinlich kam das dann auch einigen Managern gelegen. Nun ja, als Entwickler sollte man evtl. seine eigenen Bedenken ernst nehmen.
  • Linus Luchs 10.01.2020 14:33
    Highlight Highlight "Es ist Tatsache, dass wir ein Führungsteam haben, das sehr wenig vom Geschäft versteht und uns doch zu bestimmten Zielen steuert." Diese Tatsache ist leider sehr verbreitet. Macht- und geldorientierte Ökonomen, Juristen und Politiker herrschen über die Fachspezialisten. Ich beobachte das in der Schweiz in einem kürzlich neu gebauten Spital. Die eitlen Verwaltungsräte klopfen sich auf die Schultern, unter dem Pfusch leiden das medizinische Personal und die Patienten. Generell braucht es mehr fachspezifische Expertise in den Leitungsgremien! Da gibt es zu viele Blender und Profilneurotiker.
    • MacB 10.01.2020 14:46
      Highlight Highlight Daneben gibt es aber auch viele Fachidioten, die von Unternehmensführung und Betriebswirtschaft nichts verstehen. Daran sind ebenso viele Unternehmen zu Grunde gegangen.

      Ich denke, eine gute Mischung machts. (Nur Blender und Profilneurotiker, die brauchts echt nirgends...:) )
    • What’s Up, Doc? 10.01.2020 15:00
      Highlight Highlight Das sieht im ÖV genau gleich aus wie bei deinem Beispiel mit dem Spital. Vorgesetzte beim Lokpersonal welche selbst nicht einmal eine Lok bedienen dürfen ect. aber langjährigem Personal sagen wie es den Job zumachen hat, selber aber nicht im entferntesten je in dem Bereich tätig gewesen sind.
    • fireboltfrog 10.01.2020 15:28
      Highlight Highlight Die Manager werden ja nur noch dafür bezahlt, dass sie den Aktienkurs in die höhe treiben - alles andere zählt nicht mehr. Man melkt Kuh um Kuh zu Tode und kurz bevor sie stirbt, sind die Ausbeuter mit vollen Taschen schon weiter. Hier muss einfach der Stadt eingreifen, sowas soll Verboten sein und hart bestraft.

      Was vielleicht auch schon sehr viel bringen würde, wenn man Aktien mindestens 10 Jahre halten muss, und den Verkauf ein Jahr im voraus ankünden muss. Da würde wieder etwas langfristiger gedacht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bebby 10.01.2020 14:26
    Highlight Highlight Ich fürchte, dass die erste Massnahme vom Management sein wird, alle E-Mails nach 30 Tagen automatisch löschen zu lassen. An anderen Unternehmen bereits Standard.
    • Fisherman 10.01.2020 16:33
      Highlight Highlight Nicht so einfach bei einem börsennotierten Unternehmen. SOX Compliance
  • Heinzbond 10.01.2020 14:22
    Highlight Highlight Tja das wars dann mit dem Muster, das fliegt eher nicht mehr... Hunderte Maschinen gebaut um verschrottet zu werden...
    Und Manager gehen mt Boni und Goldpapier zum Hintern abwischen...
  • Raber 10.01.2020 14:12
    Highlight Highlight So funktioniert halt der überbordende US Kapitalismus. Und wenn man dazu noch bedenkt wie die U.S.A unter Trump vor kurzem gegen die europäische Airbus Firma vorging,wird einem Angst und Bange.
    • karl_e 10.01.2020 16:43
      Highlight Highlight So funktioniert nicht nur der US-Kapitalismus, sondern der Neoliberalismus ganz generell. Auch bei uns in der Schweiz (siehe SBB, Swissair...)

13 Dinge, die die heutigen Kids nicht mehr verstehen werden

Auf Twitter kursieren zum Thema Today’s kids will never know neue Tweets, die dich vermutlich ganz nostalgisch machen werden.

Wenn du über ... sagen wir 20 Jahre alt bist, wirst du die Situationen noch kennen. Ansonsten müsstest du vielleicht die Erwachsenen fragen. ;-)

Die schwere, weiche Kugel in der Hand halten. Welch wohliges Gefühl!

Teilt eure Erinnerungen mit uns! «Ok Boomer» ist übrigens keine davon.

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