International
Wirtschaft

George Soros wird 90 - Starinvestor, Wohltäter und Reizfigur

FILE - In this Sept. 24, 2011, file photo, George Soros speaks during a forum at the IMF/World Bank annual meetings in Washington. The AP reported on May 26, 2017, that a story shared online that clai ...
George Soros während einer Rede in Washington, September 2011.Bild: AP/AP

Starinvestor, Wohltäter und Reizfigur – George Soros wird 90

George Soros wird von Anhängern als Investorenlegende und Wohltäter verehrt, während Gegner ihn als rücksichtslosen Finanzhai und Strippenzieher charakterisieren. Der Staranleger, Multimilliardär und Philanthrop bleibt auch im hohen Alter sehr umstritten.
09.08.2020, 14:2309.08.2020, 17:05
Mehr «International»

Er zwang die Bank von England in die Knie, forderte Deutschland zum Euro-Austritt auf und warnte die Welt vor Donald Trump. George Soros, der Altmeister unter den Finanzspekulanten, wird an diesem Mittwoch (12. August) 90 Jahre alt. Der Starinvestor gilt als eine der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Grössen der Finanzwelt. Als abgezockter Anlagestratege spekulierte er im grossen Stil gegen ganze Volkswirtschaften, als Philanthrop spendet er immense Summen. Und immer wieder mischt er sich in politische Diskussionen ein.

Der 1930 in Budapest geborene Hedgefonds-Manager, der 1947 zunächst nach Grossbritannien und 1956 in die USA auswanderte, polarisierte etwa in der Eurokrise mit dem Vorschlag, dass Deutschland und nicht das hoch verschuldete Griechenland den Währungsraum verlassen solle. «Europa spart sich kaputt, statt auch etwas fürs Wachstum zu tun», echauffierte sich Soros damals. Schuld seien die «Bürokraten bei der Bundesbank» mit ihrem Stabilitäts- und Ordnungsfimmel.

Warner gegen nationalistische Tendenzen

In den vergangenen Jahren meldete sich Soros kontinuierlich mit Warnrufen gegen nationalistische Tendenzen zur Wort. An US-Präsident Trump und auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping etwa liess er kein gutes Haar. Die beiden versuchten, ihre Macht bis an die Grenzen und darüber hinaus auszudehnen. «Präsident Trump ist ein Betrüger und der ultimative Narzisst, der will, dass sich die Welt um ihn dreht», sagte Soros im Januar 2020 beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Doch selbst wenn die Stimme des New Yorker Multimilliardärs in der Öffentlichkeit Gehör findet – Gewicht hat Soros' Wort selten. Denn ihm hängt auch im fortgeschrittenen Alter als Fondsmanager im Ruhestand stets sein Image als abgebrühter Spekulant nach. Nie weiss man so recht, welcher Finanzwette seine «Ratschläge» und Meinungsbeiträge gerade dienen. Angesichts der Coups, auf denen sein Ruf als Investorenlegende beruht, ist das auch kein Wunder.

Wetten auf schwaches Pfund

1992 spekulierte Soros erfolgreich gegen das britische Pfund. Er machte ein Vermögen, weil Grossbritannien unter dem Druck der Finanzmärkte nachgab und seine Währung aus dem europäischen System fester Wechselkurse löste. Soros schrieb Finanzgeschichte als «der Mann, der die Bank von England knackte». Mit seinen Hedgefonds fuhr Soros jahrzehntelang traumhafte Renditen ein, wenngleich die Methoden nicht nur bei seinen Währungswetten mitunter umstritten waren.

FILE - In this Monday, Feb. 1, 1999 file photo, U.S. financier George Soros speaks during a press conference at the World Economic Forum in Davos, Switzerland. The mail bomb that showed up in the mail ...
George Soros im 1999 am WEF in Davos.Bild: AP/AP

Vor allem beim Thema Europa wurden Soros' Rollenkonflikte immer wieder deutlich. Der Geschäftsmann auf der Jagd nach Rendite und der altersweise Weltmann, der Regierungen mit Rat und Tat zur Seite stehen will – das passt nur begrenzt unter einen Hut. So stellte Soros einerseits lautstark Überlegungen an, in Griechenland oder in kriselnde Banken im Euroraum zu investieren. Dann tat er sich als Bedenkenträger hervor, Europa könne an Einzelinteressen und mangelnder Unterstützung für Schuldenstaaten zugrunde gehen.

Soros selbst beteuert indes immer wieder, der schnöde Mammon interessiere ihn bestenfalls am Rande. Vielmehr sieht sich der Geldguru, dessen Vermögen «Forbes» zuletzt auf 8,6 Milliarden Dollar (7,3 Mrd Euro) schätzte, der Philosophie verpflichtet und sehnt sich danach, auf diesem Feld ernst genommen zu werden. Doch das wollte bislang nicht so recht gelingen. So viele Bücher mit Soros' teilweise recht abstrakten Gedanken auch auf den Markt kommen – den Erfolg als Spekulant hat er als Autor noch nicht ansatzweise erreicht.

Geld für humanitäre Zwecke

Im Gegenteil wurde etwa Soros' «Reflexivitätstheorie», mit der er nicht weniger als die ganze Welt erklären zu können glaubte, in Fachkreisen eher belächelt. Sein fieberhafter Versuch, sich als Vordenker und grosser Theoretiker in der Tradition des von ihm hochverehrten Philosophen Karl Popper einen Namen zu machen, brachte wenig Lorbeeren ein. Dafür ist der Grossanleger, wie viele andere Superreiche in den USA, für sein gönnerhaftes Mäzenatentum bekannt.

FILE - U.S. first lady Hillary Clinton and international financier and philanthropist George Soros listen as Dr. Guy Theodore, founder and director of the Well Being Hospital in Pignon, Haiti, explain ...
Hillary Clinton und Soros besuchen ein Spital auf Haiti, 22. November 1998.Bild: AP/AP

Als US-Amerikaner mit ungarischer Herkunft legt Soros grossen Wert auf seine europäischen Wurzeln. Über Osteuropa schüttet der Philanthrop schon seit Jahrzehnten ein Füllhorn aus – bereits Anfang der 1990er Jahre entschied er sich, seinen Reichtum für humanitäre Zwecke im ehemaligen Ostblock einzusetzen. Jahr für Jahr spendet Soros Milliarden an diverse Einrichtungen und Organisationen.

Dies sorgt jedoch auch für viel Argwohn, Kritiker nehmen ihm den Wohltätigkeitsgedanken nicht ab und sehen Soros als eine Art graue Eminenz in Hintergrund, die mit enormem Finanzaufwand Einfluss kauft. Im Internet ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um Stiftungen und Initiativen von Soros, die Rechtspopulisten helfen, ihn zur Zielscheibe zu machen. US-Präsident Trump etwa stellte Soros in seiner Wahlkampfwerbung 2016 als Sinnbild einer korrupten Finanzelite dar, obwohl sein Finanzminister Steven Mnuchin und Soros als frühere Geschäftspartner eine enge Verbindung zueinander haben. (jaw/sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Besser als Aktien: Alltagsgegenstände, die massiv an Wert gewinnen
1 / 17
Besser als Aktien: Alltagsgegenstände, die massiv an Wert gewinnen
Game&Watch-Spiele: Ab dem Jahre 1980 produzierte Nintendo die ersten Vorläufer des «Game Boys», die sogenannten Game&Watch-Spiele. Je nach Modell, Zustand und vor allem Zustand der Verpackung werden heute vierstellige Preise dafür bezahlt. Für das hier abgebildete Super Mario Bros. können Preise bis zu 700 Franken erzielt werden. bild: youtube.com
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
11 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
malu 64
09.08.2020 17:23registriert September 2014
All diese Milliardäre sind nichts anderes als Verbrecher am Volk. Sie haben ihr Geld garantiert nicht durch ehrliche Arbeit verdient. Haben Mensch und Natur ausgebeutet. Niemand wird reich ohne Leichen im Keller zu haben.
5117
Melden
Zum Kommentar
avatar
Andre Buchheim
09.08.2020 16:50registriert November 2019
Soziale Ungerechtigkeit mit System.
305
Melden
Zum Kommentar
avatar
America is back. But is it really??
09.08.2020 16:10registriert März 2019
Er wurde doch 2005 für "Insider trading" in Frankreich schuldig gesprochen (https://on.wsj.com/3gGWtmx). Aktuell unterstützt seine Organisation die umstrittene Staatsanwältin Kimberly Gardner die mit ihrer Aussage den damaligen Gov. Eric Greitens zum Fall brachte und jetzt die McCloskeys (BLM Trespassing) mit "felony count of unlawful use of a weapon" angeklagt hat. Soros-Sprecher Michael Vachon sagte gegenüber Just The News, dass Soros keinen Hehl daraus macht, dass er Staatsanwälte wie Gardner für eine Strafrechtsreform unterstützte.
https://bit.ly/2DQOiVT
https://bit.ly/3fIlex2
2117
Melden
Zum Kommentar
11
Yaël Meier berät Schweizer Armee zu Gen Z – für 44'000 Franken
Die Unternehmerin Yaël Meier hat mit ihrer Firma Zeam dem Schweizer Militär erklärt, wie die «Gen Z» so tickt. Diese Aktion hat 44'000 Franken gekostet – und wird mit Steuergeldern bezahlt.

Junge Schweizer um die 20 Jahre sind für den Militärdienst (oder den Zivildienst) verpflichtet – momentan also die «Gen Z». Um die aktuelle Zielgruppe besser zu verstehen, hat die Schweizer Armee Influencerin Yaël Meier mit ihrem Unternehmen beauftragt. Das berichtet das Magazin «K-Tipp».

Zur Story