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Heute wäre Jim Morrison 75 Jahre alt geworden – aber «Sex & Drugs & Rock 'n' Roll» ...

Werner Herpell / dpa



epa07211345 A person passes a photomural of the late musician Jim Morrison of The Doors classic rock band in Long Beach, California USA, 05 December 2018. Jim Morrison would have turned 75 on 08 December 2018. The US singer-songwriter died on 03 July 1971 in Paris.  EPA/EUGENE GARCIA

Bild: EPA/EPA

Sein dunkler Gesang und seine laszive Ausstrahlung sind legendär. Jim Morrison lebte «Sex & Drugs & Rock 'n' Roll» hemmungslos aus und starb jung. Seither wurde der tote Doors-Sänger um Mythos. Jetzt (am 8. Dezember) wäre er 75 geworden.

Jim Morrison steht neben Jimi Hendrix und Janis Joplin, zumindest, was sein Leben und Sterben angeht. Diese Musiker sind zu Rock-Ikonen geworden und das hat nicht nur mit ihrer überragenden Klasse an Mikrofon oder Gitarre zu tun: Alle drei gelten als Rebellen der bewegten 60er Jahre, und alle drei gehören zum berüchtigten «Klub 27» – sie starben 1970 und 1971 mit erst 27 Jahren an den Folgen ihres exzessiven Lebensstils.

Der am 8. Dezember 1943 als Sohn eines Marinesoldaten in Florida geborene Morrison wird bis heute besonders intensiv öffentlich betrauert. Auch am Samstag wieder: Dann wäre der Sänger und Songschreiber der Blues- und Psychedelic-Rockband The Doors 75 Jahre alt geworden. Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise dürften dann am Grab des US-Amerikaners wieder Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet werden - längst ein jährliches Ritual.

Kerze, die von zwei Seiten brennt

Das Bild von der Kerze, die an beiden Seiten brennt, dafür aber besonders hell leuchtet, für Morrision trifft es zu. Nur gut vier Jahre dauerte seine Karriere mit den 1965 gegründeten Doors (mit Keyboarder Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Schlagzeuger John Densmore). In dieser Zeit verfasste der schillernde Frontmann mehr als hundert Songs, und die Band verschliss sich in Konzerten, die bis an die Grenzen gingen. So wurde ein Auftritt vom 1. März 1969 in Miami zum Skandal, weil Morrison sein Publikum mit Obszönitäten aufheizte.

UNSPECIFIED - CIRCA 1970:  Photo of Jim Morrison  Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images

Bild: Michael Ochs Archives

Sechs überwiegend von der Kritik gefeierte, bei den Fans kultisch verehrte Studioplatten veröffentlichten The Doors von 1967 und 1971. Bis heute kommt zudem Archivmaterial auf den Markt. Über 80 Millionen Tonträger des Quartetts sollen verkauft worden sein, fast 90 Mal gab es dafür Platin.

Für die Rockmusik prägendes Alben

Das Debüt von 1967 heisst einfach «The Doors», mit dem Porträt von Jim Morrison auf dem Cover und es gilt als eines der einflussreichsten Alben der gesamten Rockgeschichte; es enthielt den Welthit «Light My Fire», die fabelhafte Brecht/Weill-Adaption «Alabama Song» und das apokalyptisch düstere «The End», mit dem der Regisseur Francis Ford Coppola später passenderweise sein Kino-Meisterwerk «Apocalypse Now» untermalte. «Hello, I Love You» vom Album «Waiting For The Sun» (1968) wurde der zweite Nummer-Eins-Hit der Doors.

Morrisons Songs «Love Her Madly» und «Riders On The Storm» vom letzten Werk «L.A. Woman» (1971) überraschten mit Jazz-Elementen. Da war der einst so schlanke Schönling mit der mächtigen Baritonstimme längst zum aufgedunsenen Alkohol- und Drogenwrack heruntergekommen - und zu einem immer schwierigeren Bandmitglied mutiert.

Gleichwohl war dem Sänger stets bewusst, wie wichtig sein Charisma für den Erfolg der Doors war - fast noch wichtiger als Songschreiben und Gesang: «Mein grösstes Talent ist, dass ich einen Rieseninstinkt für Selbstdarstellung habe», sagte Morrison in einem Interview 1970. «Ich war sehr gut darin, die Öffentlichkeit mit ein paar kleinen Sätzen (...) zu manipulieren. Ich bin mit Fernsehen und Massenmedien aufgewachsen und wusste instinktiv, worauf die Leute abfahren.»

Der Club 27

Posterboy der unruhigen Jahre nach dem «Sommer der Liebe» von 1967, provokantes Idol der aufmüpfigen Jugend, aber auch belesener Dichter – all diese Rollen füllte Jim Morrison in seiner kurzen Zeit als Superstar und auch nach seinem Tod aus.

Todesursache nie geklärt

Gestorben ist er am frühen Morgen des 3. Juli 1971 in einem Pariser Apartment in der Rue Beautreillis 17. Die Todesursache wurde nie endgültig geklärt, auch wenn Doors-Experten versucht haben, das Sterben des Sängers an der Seite seiner ebenfalls heroinsüchtigen Freundin Pamela Courson zu rekonstruieren. Eine Lungenblutung nach starkem Drogenkonsum soll Morrisons Herzversagen in der Badewanne verursacht haben.

epa07202169 (FILE) - A mural of the late musician Jim Morrison of The Doors classic rock band attracts fans after the 'Day of The Doors' ceremony in Venice, California USA, 04 January 2017 (reissued 01 December 2018). Jim Morrison would have turned 75 on 08 December 2018. The US singer-songwriter died on 03 July 1971 in Paris.  EPA/EUGENE GARCIA *** Local Caption *** 53206335

Auch heute noch präsent: Jim Morrison auf Hauswand. Bild: EPA/EPA

Der letzte Eintrag in seinem Notizbuch klingt so rätselhaft poetisch wie prophetisch: «Lass den aufgeklärten Verstand in unserem Kielwasser zurück / Du wirst Christus sein auf dieser Pauschalreise / Geld schlägt die Seele / Letzte Worte, letzte Worte / Aus.»

Beigesetzt wurde der Sänger in seiner letzten Heimat, der französischen Hauptstadt. Fast wäre Morrison neben einem anderen Dichter der Ausschweifung beerdigt worden: Oscar Wilde. Doch auch ohne diese Schlusspointe ist sein Grab eines der meistbesuchten von Père Lachaise. Mit dem Film «The Doors» von Oliver Stone mit Val Kilmer in der Hauptrolle (1991) war der Mythos Jim Morrison schliesslich komplett. 

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Video: watson/lya saxer, nico franzoni

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • clint 08.12.2018 21:02
    Highlight Highlight ride the snake
  • Calvin Whatison 08.12.2018 18:04
    Highlight Highlight No On Here Gets Out Alive
    User Image
  • Kritiker 2.0 08.12.2018 18:02
    Highlight Highlight „Riders on the Storm...“ *____*
  • Kryptonite 08.12.2018 16:33
    Highlight Highlight Ein artikell über einen alkohol- und drogensüchtigen un mitten drin, zu mindest bei mir, werbung für whisky. Ich mag sarkasmus.
    • Schiri 08.12.2018 19:58
      Highlight Highlight Wäre das nicht eher Ironie?
    • Hoscheho 2049 08.12.2018 21:24
      Highlight Highlight Sarkasmus für den Abstinenten, Ironie für den Süchtigen.
  • chirschi 08.12.2018 16:24
    Highlight Highlight Danke für den Bericht. Morrisons Biographie (the poet and the singer) war eine der interessantesten, die ich je gelesen habe. Höre jetzt gerade hello, i love you :)
  • G-Punkt Massage 08.12.2018 16:18
    Highlight Highlight Durchgeknallte leben Tod noch länger als erhofft. Der Sound von The Doors war mit den direkt ehrlichen Texten schon prägend.

    Seine tragische Berufung hier im Youtube Video
    Play Icon
  • Absintenzler 08.12.2018 15:37
    Highlight Highlight Er starb zwar jung, aber mit seiner Musik ist er eigentlich unsterblich geworden.
  • Jockerman 08.12.2018 14:59
    Highlight Highlight Legänder
    i am the lizard king i can do anything

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Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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