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In Deutschland sind Schulen bereits wieder geöffnet.
In Deutschland sind Schulen bereits wieder geöffnet.Bild: EPA

5 Erkenntnisse, die zeigen, dass Kinder vielleicht doch nicht so unansteckend sind

27.04.2020, 15:3628.04.2020, 06:31

Wie sehr sind Kinder von der Krankheit Covid-19 betroffen und wie stark können sie das Coronavirus weiterverbreiten? Experten sind sich offenbar immer noch uneinig. In der Schweiz hat Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit gerade gesagt, dass Grosseltern ihre Enkel wieder umarmen dürfen, nur langer Kontakt sollte vermieden werden. Zudem sollen ab dem 11. Mai die Schulen wieder öffnen.

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Eine Massnahme, von der die australische Epidemiologin Zoë Hyde stark abrät. Sie präsentiert auf Twitter Erkenntnisse aus sieben unterschiedlichen Studien, die sich mit dem Thema des Sars-Cov-2-Virus bei Kindern befassen, und warnt Regierungen davor, Schulen bereits wieder zu öffnen.

Das sind ihre wichtigsten Erkenntnisse.

Auch bei Kindern kann die Krankheit schwer verlaufen

Als Erstes zitiert Hyde eine Studie der US-amerikanischen «Centers for Disease Control and Prevention» (CDC). Die Studie bestätigt, dass Kinder (per Definition: Personen, die jünger sind als 18 Jahre) grundsätzlich weniger stark von Covid-19 betroffen sind. Von den untersuchten, laborbestätigten Fällen bei Kindern zeigten nur 73 Prozent die Symptome Husten, Fieber und Atemprobleme (bei erwachsenen Patienten sind es 93 Prozent). Letztere kommen bei Kindern aber deutlich weniger oft vor als bei Erwachsenen.

Das bedeute aber nicht, dass die Krankheit nicht auch bei Kindern schwer verlaufen kann. 5,7 Prozent der positiv getesteten Kinder, bei denen der Hospitalisierungsstatus bekannt war, mussten zwischenzeitlich ins Spital. Besonders stark waren Säuglinge betroffen. 62 Prozent der positiv getesteten Kinder unter einem Jahr und mit bekanntem Hospitalisierungsstatus mussten ins Spital – ein kleiner Teil davon gar auf die Intensivstation. Die Hospitalisierungsrate bei Kindern im Alter von einem bis 17 Jahren war deutlich geringer.

Die Autoren der Studie schreiben auch, dass Social Distancing und präventive Massnahmen auch bei Kindern weiterhin wichtig bleiben.

Kinder könnten US-Gesundheitssystem überlasten

Eine Studie des «Journal of Public Health Management and Practice», will den Effekt aufzeigen, den Kinder auf das US-Gesundheitssystem haben könnten. Die Studie erschien am 16. April und nahm den 6. April als Stichtag. Damals ging man von rund 176'000 infizierten Kindern (inklusive Dunkelziffer) in den USA aus. 74 davon mussten in Kinderspitälern auf die Intensivstation verlegt werden.

Geht man davon aus, dass sich nur rund fünf Prozent der Kinder in den USA mit Covid-19 anstecken werden (das sind 3,7 Millionen), dann projizieren die Autoren, dass 10'000 Kinder Spitalpflege benötigen. Über 1000 davon müssten auf die Intensivstation. Die Wissenschaftler glauben deshalb, dass Kinderspitäler in den USA überlastet werden können, auch wenn die Krankheit bei Kindern generell milder verläuft als bei Erwachsenen.

Langzeitschäden sind möglich

Zoë Hyde warnt zudem davor, dass die Langzeitfolgen von Covid-19 noch nicht bekannt seien. Einige Patienten, die sich erholen, tragen möglicherweise bleibende Gesundheitsschäden davon. Das scheint bei Erwachsenen wahrscheinlicher, aber auch Kinder können betroffen sein.

Die Epidemiologin zitiert eine Studie von «The Lancet». Dabei wurden Daten von 36 positiv getesteten chinesischen Kindern ausgewertet. Bei elf davon (31%) wurden nach der Genesung erhöhte Herzenzym-Werte festgestellt, was auch bei milden Verläufen eine Schädigung der Herzmuskelzellen anzeigen kann.

Andere Experten vermuten allerdings, dass die Behandlung mit dem Medikament Interferon für die erhöhten Werte verantwortlich ist.

Kinder können das Virus verbreiten – auch ohne Symptome

Das Coronavirus verbreitete sich auch deshalb so rasch, weil auch Menschen ohne Symptome es weitergeben können. Am ansteckendsten seien diese Menschen bis zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome, wie diese Studie herausgefunden hat. Deshalb sei es auch laut Hyde so wichtig, dass man aktive Fälle mit vielen Tests finde.

Eine weitere Studie belegt, dass ein positiv getestetes, sechsmonatiges Kind Viruszellen in seinem Zimmer im Kinderspital stark verbreitet hat – vermutlich durch Weinen und Sabbern. Die gute Nachricht dabei ist, dass sich keiner der Mitarbeitenden im betroffenen Zimmer angesteckt hat.

Das muss aber nicht bedeuten, dass Kinder nicht ansteckend seien, oder dass sie sich selbst nicht anstecken. Dass bislang wenige Kinder positiv auf das Coronavirus getestet wurden, führt Hyde darauf zurück, dass bei Kindern auch wenig getestet werde.

In Island testete eine Studie rund sechs Prozent der Bevölkerung auf das Coronavirus. Dabei wurden bei Kindern, die unter zehn Jahre alt sind, weniger positive Tests festgestellt als bei Erwachsenen. Bei Kindern über zehn Jahren wurden dagegen ähnliche Infektionsraten wie bei den Erwachsenen festgestellt. In Australien gebe es an einer Schule zudem mindestens einen bestätigten Fall von einem Kind, das sich bei einem Mitschüler angesteckt habe.

Schulen sind Kontaktherde

Wenig überraschend sind Kinder in Schulen vielen Kontakten mit ihren Mitschülern ausgesetzt. Eine Studie, die eine Primarschule in Lyon untersuchte, fand heraus, dass ein Kind in einer Primarschule täglich rund 323 Kontakte mit bis zu 47 anderen Schülern hatte. Die Kinder kamen dabei auf rund 176 Minuten reine Interaktionszeit pro Tag.

Wissenschaftler seien zudem zur Erkenntnis gekommen, dass es kein Husten oder Niesen brauche, um das Virus zu verbreiten. Es reiche bereits, zu sprechen, damit Tröpfchen entstehen, die eine Weiterverbreitung von Viren ermöglichen. Wenn Kinder also tatsächlich auch vom Sars-Cov-2-Virus betroffen sind und es weiterverbreiten können – wenn auch beides weniger stark als bei erwachsenen Menschen – könnte laut Zoë Hyde eine Öffnung der Schulen die Verbreitung des Virus wieder beschleunigen.

(abu)

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27.04.2020 – Koch erklärt, wieso Grosseltern ihre Enkel nicht besuchen sollen

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108 Kommentare
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Der Bademeister
27.04.2020 16:07registriert Mai 2015
Habe die Pressekonferenz heute mitverfolgt. Koch hat gesagt er habe eine Studie und habe diese mit dem Kinderspital Bern, Zürich und Genf besprochen. Wem glaube ich also mehr einem Twitteraccount welcher seit Januar 2020 existiert oder unseren Spezialisten/Fachleuten. Die hauen ja so eine Aussage nicht leichtfertig raus. Aber natürlich wir finden immer Studien welche das Gegenteil behaupten.
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Brobdingnagisch
27.04.2020 15:52registriert September 2019
Punkt 3 ist symptomatisch für die Linie, die auch Watson aktuell fährt: ‚möglicherweise‘, ‚wahrscheinlicher‘, Studie mit 36 Kindern, ‚andere Experten‘ wiederum so und so. Der fette Titel aber spricht von Langzeitschäden. Ist man sich bewusst, welche potentiellen Langzeitschäden etwa auch eine Grippe oder ein Atemwegsinfekt zB mit RS-Viren gerade auch bei Kindern nach sich ziehen können? Diese Infekte kommen jedes Jahr. Ich will hier keine Äquidistanz herstellen. Aber es ist mir nach wie vor bei aller sachlicher Berichterstattung zu viel Panik im Getriebe.
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tobinia
27.04.2020 16:11registriert Februar 2016
Sammelt ihr jetzt eigentlich krampfhaft nach möglichen Indizien gegen Koch oder was? Ihr habt einen langen Artikel über die Meinung einer einzigen Virologin geschrieben, die sich übrigens auch auf Studien mit knapp 30 Kindern stützt - in der Wissenschaft ja eh ein no go! Koch entscheidet ja nicht alleine, er hat eine Taskforce und ganz viele andere Wissenschaftler hinter sich. Und wir wissen ja eh alle zusammen, dass die heutige Öffnung ein Versuch ist - der durchaus auch ganz schlimm in die Hosen gehen kann. Nachher sind wir gscheiter. Ich bleibe auf jeden Fall daheim...
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