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Mauer bei Steinstücken 1987

Befestigte Systemgrenze: Die Westberliner Exklave Steinstücken, 1987.  Bild: Pinterest

Verrückte Grenzen, Teil II: Sechs kuriose Fälle in Europa 



Nachdem wir in Teil I sechs seltsame Grenzverläufe in der Schweiz – oder an ihren Rändern – vorgestellt haben, richten wir unser Augenmerk nun auf ungewöhnliche Grenzen in Europa

Auf der falschen Seite des Sorgschrofens: Jungholz

Wie ein etwas zerzaustes Dreieck, das auf einer Spitze balanciert: So sieht das österreichische Dorf Jungholz auf einer Karte aus. Das «Stück Tirol im Allgäu», wie die Gemeinde oft genannt wird, ist jedoch keine richtige Exklave von Österreich, da das Gemeindegebiet an einem Punkt mit dem Mutterland zusammenstösst. Da diese Verbindung jedoch nur wenige Meter breit ist und zudem nahe beim Gipfel des 1636 Meter hohen Sorgschrofens liegt, ist Jungholz eine funktionale Exklave oder Quasi-Exklave. Im Auto oder im Öffentlichen Verkehr erreicht man das restliche Österreich von Jungholz aus lediglich über den Umweg über die bayrischen Nachbargemeinden. 

Karte Jungholz im Tirol

Jungholz (rot) grenzt nur an einer schmalen Stelle an das österreichische Mutterland.  Bild: Wikimedia

Der Grundstein für das Exklavendaseins des Tiroler Dorfes wurde im Mittelalter gelegt: 1342 erwarb ein Käufer aus dem Tirol das Gebiet. Heute gehört Jungholz zum Zollanschlussgebiet Deutschlands und hat zwei Postleitzahlen – eine österreichische und eine deutsche. Gültig ist allerdings nur der österreichische Posttarif. Da in Jungholz das österreichische Bankgeheimnis gilt, gibt es viele deutsche Bankkunden, die ihr Geld dort anlegen. 

Jungholz im Tirol

Jungholz: Ein Stück Österreich in Deutschland.  Bild: Wikimedia/ChrisE

Im Schatten der Berliner Mauer: Steinstücken

Dieses Stück Berlin illustriert wie kaum ein anderes Stück Land, wie sich die Durchlässigkeit von Grenzen verändern kann – und welche Auswirkungen das haben kann. Der rund 300 Einwohner zählende Ortsteil gehört zu Wannsee und damit zum Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, ist aber fast vollständig vom Gebiet der brandenburgischen Stadt Potsdam umschlossen. 

Luftaufnahme von Steinstücken, 1989

Umschlossen von einer tödlichen Grenze: Steinstücken 1989. Bild: Wikimedia

Diese nicht sehr bedeutende Stadtgrenze wurde nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich zu einer Systemgrenze: Potsdam gehörte nun wie ganz Brandenburg zur Sowjetischen Besatzungszone, aus der 1949 die DDR hervorging, während Steinstücken zum Amerikanischen Sektor in Westberlin kam. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 befestigte die DDR die Grenze hier mit einer gesonderten Mauer; ab 1963 war der Ortsteil komplett von Westberlin abgeschlossen. Die USA richteten einen Militärposten ein, der per Helikopter versorgt wurde. 

Ein Auto überquert die Zonengrenze bei Steinbrücken 1967

Bild: Stars And Stripes/Bob Milnes

Erst 1972 erhielt die Exklave durch Gebietsabtausch mit der DDR einen schmalen Korridor – faktisch nur eine Strasse –, der sie mit Westberlin verband. Die Strasse wurde beidseits mit einer Mauer abgeschlossen. Steinstücken entwickelte sich dadurch zu einer Sehenswürdigkeit und blieb dies bis zum Mauerfall 1989. Seither hat die Grenze wieder zu ihrer einstigen Bedeutungslosigkeit zurückgefunden. 

Karte von Steinstücken 1972

Karte von Steinstücken (1972). Der Korridor nach Westberlin ist nur so breit wie die Strasse. Bild: Berlin.de

Exterritoriale Bahntrasse: Die Vennbahn

Eine ehemalige Eisenbahnstrecke sorgt heute noch im Grenzgebiet von Belgien und Deutschland für komplizierte Grenzverhältnisse: die Vennbahn. Die Bahn wurde 1889 in Betrieb genommen und verband Troisvierges in Luxemburg über das Hohe Venn mit Aachen. Bis zum Ersten Weltkrieg war nichts Besonderes am Verlauf dieser Bahnstrecke, doch nach dem Krieg änderte sich das: Belgien erhielt 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags die deutschsprachigen, ehemals preussischen Kreise Eupen und Malmedy, so dass die Vennbahn nun abwechselnd durch belgisches und deutsches Gebiet verlief. 

Vennbahn, Streckenverlauf

Streckenverlauf der Vennbahn. Die grauen Flächen westlich der roten Linie sind deutsche Exklaven.  Bild: Wikimedia

Damit nicht genug: Weil Belgien darauf bestand – und es durchzusetzen vermochte –, dass die Trasse der Bahn mit einem beidseitigen Streifen von fünf Metern belgisches Hoheitsgebiet wurde, entstanden sechs deutsche Exklaven, die dadurch vom restlichen Reichsgebiet getrennt waren. Dieser Zustand setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort und bestand auch weiter, als die Bahn aufgrund des rückläufigen Passagier- und Frachtaufkommens bis 1989 Stück um Stück stillgelegt wurde. Immerhin verringerte sich die Zahl der deutschen Exklaven auf fünf, weil Belgien 1958 einen Trassenabschnitt bei Hemmeres an Deutschland zurückgab. Heute sind die Gleise vollständig zurückgebaut und auf der Trasse verläuft ein Fahrradweg – nach wie vor auf belgischem Hoheitsgebiet. 

Radweg Vennbahn

Heute verläuft ein Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse.  Bild: Wikimedia

Belgisch-holländisches Kuddelmuddel: Baarle-Hertog und Baarle-Nassau

Die Niederlande und Belgien haben viel gemeinsam, unter anderem eine rund 450 Kilometer lange Grenze. Die weist eine Besonderheit auf: In der niederländischen Provinz Noord-Brabant liegt eine belgische Gemeinde, die zur Provinz Antwerpen gehört. Diese belgische Exklave ist kein kompaktes Gebilde, sondern besteht aus nicht weniger als 22 Teilen – von denen zwei wiederum insgesamt sieben niederländische Enklaven umschliessen. Bei diesen handelt es sich also um Unter-Enklaven. 

Karte von Baarle-Hertog und Baarle-Nassau.

7 niederländische Unter-Enklaven in 22 belgischen Enklaven: Der Flickenteppich von Baarle.   Bild: Wikimedia

Die Ursprünge für diesen Wirrwarr liegen im Hochmittelalter: Die Gemeinde Baarle ist seit dem 12. Jahrhundert als Folge eines Streits zwischen zwei Feudalherren – dem Herzog von Brabant und dem Grafen von Nassau – in zwei Teile getrennt. Die beiden Ortsteile, Baarle-Hertog (von «Herzog») und Baarle-Nassau, lagen zuerst im selben Königreich, aber mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gelangte Baarle-Nassau an die Republik der Vereinigten Niederlande und Baarle-Hertog an die Spanischen Niederlande – aus denen schliesslich 1830 Belgien hervorging. 

Grenze in Baarle

Die Grenze – hier im Pflaster markiert – durchquert auch einzelne Gebäude.  Bild: Pinterest

Heute ist die geteilte Gemeinde ein Kuriosum, das Touristen und Ausflügler anzieht. Sie ergötzen sich am verworrenen Grenzverlauf, der 1995 zentimetergenau vermessen wurde und im Ort durch Markierungen kenntlich gemacht ist. Die Grenze verläuft zum Teil durch einzelne Häuser, wobei die Lage der Haustür die Staatszugehörigkeit bestimmt. Ein Gebäude besitzt sogar zwei Eingänge  – je einen auf der belgischen und niederländischen Seite der Grenze. 

Café in Baarle

Café in Baarle: Die Grenze ist überall markiert. Bild: Wikimedia/Jérôme

Mikrostaat im Niemandsland: Liberland

Manchmal eröffnen komplizierte Grenzverläufe ungeahnte Möglichkeiten. Dies ist der Fall mit dem Scheinstaat Liberland an der serbisch-kroatischen Grenze, die grösstenteils entlang der Donau verläuft. Flüsse eignen sich normalerweise gut als Grenze, und das war hier zu Beginn ebenfalls so. Als aber die Donau, die in dieser Gegend zahlreiche Schleifen aufwies, begradigt wurde, begann der Zwist. Seit dem Zerfall Jugoslawiens hat er an Schärfe gewonnen – Kroatien hält an der ursprünglichen, stark ausgebuchteten Grenze fest, während Serbien den heutigen Lauf der Donau als Grenze betrachtet. 

Karte der kroatisch-serbischen Grenze mit Liberland.

Die gelben Gebietstaschen werden sowohl von Kroatien als auch von Serbien beansprucht; das grün eingefärbte Gebiet («Siga»)  hingegen von keinem der beiden Staaten.  Bild: Wikimedia/Tomobe03

Die unterschiedliche Sicht auf den korrekten Grenzverlauf führt zu einer kuriosen Situation: Mehrere grosse Gebietstaschen, die früher westlich der Donau lagen, befinden sich nun östlich des begradigten Flusses (siehe Karte oben). Kroatien betrachtet sie als sein Staatsgebiet, da es den alten Lauf der Donau als massgeblich sieht. Aber auch Serbien erhebt Anspruch auf diese Taschen, denn für Belgrad ist der heutige Lauf der Donau ausschlaggebend. Diese Präferenz ist nicht zufällig; beide Staaten favorisieren jenen Grenzverlauf, der ihnen das grössere Gebiet sichern würde.  

Gebäude in Liberland

Kaum erschlossen: In Liberland gibt es bisher nur ein einziges Gebäude.  Bild: Liberland.org

Deshalb will Serbien nichts mehr von den wenigen Gebietstaschen wissen, die sich auf der westlichen Seite der heutigen Donau befinden. Kroatien hat ebenso wenig Interesse daran, denn es hält lieber am Anspruch auf die grösseren Gebiete östlich der Donau fest. Das grösste Stück Niemandsland, das dadurch entstanden ist, nimmt eine Fläche von sieben Quadratkilometern ein. 2015 nahm der tschechische Politiker Vít Jedlička das menschenleere Sumpfgebiet in Besitz und rief dort die «Freie Republik Liberland» aus. Der nicht anerkannte Staat verfügt über eine Website, über die Interessenten die Staatsbürgerschaft beantragen können – sofern sie keine Nazis oder Kommunisten sind. Unter den zahlreichen Anwärtern befinden sich auch einige Schweizer.

Russlands westlichstes Stück: Kaliningrad

Einst lebte hier der baltische Stamm der Prussen, der im 13 Jahrhundert vom Deutschen Orden unterworfen und danach mit Hilfe deutscher Siedler germanisiert wurde. Heute liegt hier die Oblast Kaliningrad – das westlichste Stück Russland. Das Gebiet ist eine russische Exklave, deren Bewohner zwei fremde Staaten durchqueren müssen, wenn sie das Mutterland auf dem Landweg besuchen wollen. 

Deutschland in den Grenzen von 1914, Preussen (blau) mit Ostpreussen (rot)

Die Situation vor dem Ersten Weltkrieg: Ostpreussen (rot) und das restliche Preussen (blau) im Deutschen Reich. Bild: Wikimedia

Wie ist es dazu gekommen, dass Russland so weit im Westen ein Stück Land besitzt, das nicht mit dem restlichen Staatsgebiet verbunden ist? Die heutige Situation ist das Ergebnis zweier historischer Vorgänge: Zwei Kriege und ein staatlicher Kollaps haben aus dem ehemaligen Ostpreussen eine russische Exklave geformt.  

Deutschland in den Grenzen von 1937

Die Situation nach dem Ersten Weltkrieg: Ostpreussen bildet eine deutsche Exklave.  Bild: Wikimedia

Jahrhundertelang hatte das Gebiet an der Pregel zu Preussen gehört und war mit diesem Teil des Deutschen Reiches geworden. 1920, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde Ostpreussen eine deutsche Exklave, weil nun der polnische Korridor das Gebiet von Deutschland trennte. Die totale Niederlage des «Dritten Reiches» im Jahr 1945, die auf Hitlers Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion folgte, zerriss die Verbindung mit Deutschland.

Russland in der Sowjetunion

Die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg: Das ehemalige Ostpreussen in der Sowjetunion und in Russland (rot).  Karte: watson

Das südliche Ostpreussen wurde polnisch, das nördliche sowjetisch; die deutschen Einwohner wurden vertrieben. Kaliningrad, wie Königsberg nun hiess, war zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Exklave – zumindest keine sowjetische, wohl aber eine russische innerhalb der UdSSR. Erst mit deren Kollaps und Auflösung 1991 verlor die Oblast Kaliningrad den territorialen Zusammenhang mit dem Mutterland. 

Kaliningrad (ehemals Königsberg)

Kaliningrad, das frühere Königsberg, wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört.  Bild: Wikivoyage

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Hat die Schweiz bald nur noch 12 Kantone?

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Video: srf/SDA SRF

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jekyll & Hyde 04.12.2017 12:44
    Highlight Highlight Watson, gibt es eine Provision ? 😉 Hab von 2004-2006 in Berlin gelebt und gearbeitet., davon habe ich etwa 9 Monate in Zehlendorf gewohnt. Hatte es nicht mehr so präsent, aber das wichtigste wusste ich noch 😂 (siehe mein Comment bei Teil 1)
  • uku 04.12.2017 11:05
    Highlight Highlight Der Lago di Lei bildet auch einen interessanten Grenzverlauf zwischen Italien und der Schweiz. Der Stausee liegt in Italien und die Mauer in der Schweiz.
    Benutzer Bild
  • Repplyfire 03.12.2017 20:54
    Highlight Highlight Wollte Jelzin Königsberg nach dem Ende der Sowjetunion nicht wieder an Deutschland verkaufen? Diese lehnten jedoch ab? Oder ist das eine "fakenews"?
    • NWO Schwanzus Longus 03.12.2017 21:31
      Highlight Highlight Nicht Jelzin, sondern Gorbatschow wollte dies Ursprünglich, aber Kohl lehnte ab. Deutschland hatte auch etwa die Hälfte des heutigen Polens Jahrhundertelang unter seiner Kontrolle unter dem Namen Preussen. Dies wurde aber nach WW2 von den Sowjets einseitig abgetrennt und es den Polen übergeben. Aber Polen wurde Westverschoben und verlor ebenfalls ihre eigentlichen Ostgebiete an die UdSSR (Heute BLR, Ukr, Litauen). Die BRD schloss einen Vertrag mit Polen während des Kalten Krieges ab die die heutigen Grenzen als unverletzlich ansieht.
    • NWO Schwanzus Longus 03.12.2017 21:42
      Highlight Highlight Noch was, der Grund für die Abtrennung von 1/4 von Deutschland war das man Preussen das vom heutigen NRW bis Königsberg ging aufgelöst hat war weil man meinte von dort ging der Deutsche Militarismus aus. Bei der Abtrennung von Urdeutschem Gebiet wurden 15 Millionen Deutsche von ihrer Heimat vertrieben oder umgebracht nach dem WW2. Ich finde das Schade, da Polen ebenfalls darunter gelitten hat da sie ungefragt Westverschoben wurden und ihrerseits ihre Ostgebiete verloren haben.
    • NWO Schwanzus Longus 03.12.2017 21:45
      Highlight Highlight Übrigens findest du Artikel bei dieser Thematik unter Oder-Neisse-Linie wenn es um Deutschland und Polen geht, und Curzon-Linie wenn es um Polen und den östlichen Nachbarn geht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mamba 03.12.2017 20:04
    Highlight Highlight Hat Österreich das Bankgeheimnis nicht abgeschafft?
  • Charlie Brown 03.12.2017 19:33
    Highlight Highlight Bei uns läuft die Kantonsgreze durch das Dorf. Etwa ein Dutzend Häuser gehört zum Nachbarkanton. Postleitzahl haben wir aber die gleiche. Die Schulkinder gehen aber anstatt zu Fuss bei uns im Dorf mehrere Kilometer mit dem Schulbüssli ins Nachbardorf in die Schule.

    Föderalismus at its best.
    • Charlie Brown 04.12.2017 05:36
      Highlight Highlight Weder noch...
    • Charlie Brown 04.12.2017 18:15
      Highlight Highlight Es gibt nicht viel füdlibürgerliges als andere ohne ersichtlichen Grund pauschal als Füdlibürger zu bezeichnen.
    • Sauäschnörrli 05.12.2017 00:50
      Highlight Highlight Bei uns hat man es so gelöst: Wir gehen alle zusammen in die Primarschule, jedoch die, die im anderen Kanton leben, gehen im Nachbarkanton in die Oberstufe. Vor ca 30 Jahren, hat man aber unsere Oberstufe geschlossen und einen Vertrag mit der Nachbarsgemeinde geschlossen, diese liegt auch im anderen Kanton, aber ist nicht die selbe Gemeinde wie die vorher genannte. Jetzt gehen alle im Nachbarkanton in die Oberstufe, einfach in verschiedenen Schulhäusern, die nebenbei noch verschiedene Stufensysteme haben (Sek A, B und C oder Sek G, M und F). 😅
  • NWO Schwanzus Longus 03.12.2017 18:36
    Highlight Highlight In Königsberg wird die Schweizer Nati spielen gegen Serbien.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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