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Emma Amour: Liebe Grüsse aus der Ghosting-Hölle

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Emma Amour

Liebe Grüsse aus der Ghosting-Hölle

Es fing so schön an mit Jan und mir. Zuerst wollte ich mit ihm schlafen, dann hatte er eine Frau und Kartoffeln, dann stellte sich raus, dass das nicht stimmt, dann schickte er mir eine Mail, über die ich mich sehr freute und die ich sogleich beantwortet habe. Seit da: Funkstille! WTF.
28.10.2021, 10:07
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Grundsätzlich glaube ich, dass Ghosting die feigste Art ist, um nonverbal zu kommunizieren, dass man nicht auf ihn/sie steht. Mir ist das schon mehrmals passiert. Alles gut und dann alles weg. Keine Antwort auf Nachrichten. Keine Rückrufe. Rein gar nichts.

In den meisten Fällen habe ich nachgefragt, ob sich das Gegenüber gerade beide Hände gebrochen hat. Oder irgendwo als Geisel festgehalten wird. Ob ich die Polizei informieren soll. Oder, falls Hände-Unfall, ich mal eine Runde WC-Papier und Milch kaufen soll.

Die meisten antworten dann. Und machen auf lustig. Lustig unverbindlich, bevor sie dann wieder in der Versenkung verschwinden.

Idioten.

Und eben weil sie Idioten sind, habe ich sie alle abgehakt.

War super. Bis jetzt. Weil aktuell ist es nämlich mal wieder so weit: Ich werde geghostet. Von Jan, dem Bergführer. Den ich in meinem Yoga-Retreat kennengelernt habe und von dem ich dachte, dass er Frau und Kartoffeln hat.

Was sich dann als Notlüge rausgestellt hat. Nachdem notabene ER MIR letzten Samstag eine zauberhafte Mail schickte, in der er mich um ein Date bat. Die ganze Story gibts hier:

Ich habe jedenfalls letzten Sonntag geantwortet. Und Jan sehr wohl mitgeteilt, dass auch ich interessiert an ihm bin. Dass ich mir die Bergwelt noch so gerne von ihm zeigen lasse. Er mir sagen soll, wann ich wo sein soll und was ich alles in mein Wander-Rucksäckli packen soll.

Ich war mir sicher, dass Jan schnell antworten wird und wir schon spätestens übermorgen irgendwo auf einer Bergspitze über dem Nebelmeer knutschen. Und Händchen halten. Und Mini Pic und Farmer essen.

Oh Gott, ist Jan abgestürzt?

Jetzt ist es aber so, dass Jan abgetaucht ist. Jan antwortet nicht auf meine Mail und auch mein Handy steht sehr still. Das, obwohl ich ihm meine Nummer geschickt habe. Und so sitze ich nun seit knapp fünf Tagen da und warte. Und warte. Und warte.

Ich checke meine Mails alle zwei Stunden. Zuletzt am Abend spät und am Morgen als Erstes. Wenn mein Whatsapp-Ton erklingt, renne ich. Und bin mir jedes Mal sicher, dass es jetzt einfach Jan sein muss.

Jan ist es aber nie. Von Jan gibts zero Lebenszeichen. Kein Whatsapp. Kein Anruf. Keine Mail. Nichts.

Eventuell ist er vom Berg gestürzt, denke ich. Dass das nicht der Fall ist, beweist der Instagram-Account seines Arbeitgebers. Jan wurde da in den vergangenen Tagen drei Mal getaggt. Seine Hände hat er nicht in Gips. Und auch sonst sieht der Gute lebendig und genug genährt aus, um sich gopferdeckel namal bei mir melden zu können.

Irgendwann fange ich an, mit mir zu verhandeln. Wahrscheinlich ist er total busy (my ass) und meldet sich so in den nächsten ein, zwei Tagen. Als das nicht passiert, gehen die Deals mit mir selber weiter: Ich mach jetzt das und dieses und dann gehe ich noch dahin und checke die Mails erst wieder, wenn ich daheim bin. Das ist so in sieben Stunden. Bis da hat er sicher geschrieben.

Oder, und das ist jetzt eventuell etwas creepy, ich zähle Schritte von mir bis zum Coop zum Beispiel. Ist die Anzahl Schritte gerade, wird sich Jan in den nächsten Stunden melden. Ist die Zahl ungerade, ja, dann, dann wars das und hätte nicht sein sollen. Bla Bla Bla.

Je länger ich jedenfalls geghostet werde, umso hässiger werde ich. Und umso mehr will ich nicht mehr geghostet werden.

Also werde ich mich noch einmal bei Jan melden. Die Frage ist bloss, was schreibe ich?

Hier kommst du, watson-UserIn, zum Zug. Anbei meine zwei Vorschläge:

A. Lieber Jan, wie wirst du unseren Kartoffeln eines Tages dein Ghosting erklären?

B. Go fuc* yourself, Jan. Also, was ich eigentlich sagen will: Dein Ghosting bricht mein Herz. Und ich würde klammheimlich immer noch so so so so gerne mit dir auf einer Bergspitze Geografie lernen und knutschen.

C. Hier steht dein Vorschlag, werte/r UserIn.

Danke,

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Und was würdest du Emma raten?

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Format: 13,5 x 21

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.bild: watson
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243 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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shayhen
28.10.2021 10:17registriert August 2014
Jan HAT Frau und 2 Kartoffeln! Er hat die Mail am Samstag geschrieben, in der Hoffnung, noch am Abend / in der Nacht / am Sonntag zu ein paar schönen Stunden mit Emma zu kommen. Und dann hätte er Dich nach dem Weekend geghosted. Jetzt hast Du aber seine Mail „zu spät“ gesehen und beantwortet, das Weekend in der Bubble ausserhalb seiner Familie ist für ihn vorbei, und die Angst beim Fremdgehen erwischt zu werden ist grösser als der Reiz auf dem Berg. Sorry!
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Prodecumapresinex
28.10.2021 11:22registriert Oktober 2018
C: Gar nix schreiben, sondern mit deinen Stalker-Skills herausfinden, auf welchen Berg Jan dieses Wochenende kraxelt, Cam schnappen, sich mit ihm auf jenem Gipfel in sehr delikater Situation von Jan erwischen lassen, zuvor noch das Dorfchörli ”Schrei’s vom Gipfel” organisieren, das im Hintergrund herzzerreissend ”Nothing compares 2U” zum Besten gibt, ev. noch ein grosses, brennendes Herz dazustellen…

ODER

D: nix schreiben und mindestens zwei Katzen adoptieren.

ODER

E: Get a life, Emma!

ODER

F: Get yourself a life, Prode! Und kommentiere nicht fiktive Storys… Ok? Ok! 🤪
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BernerSchädel
28.10.2021 10:52registriert Dezember 2020
Also entweder bin ich den letzten Monaten um Jahre gealtert oder du - liebe Emma - bist mit Sieben-Meilen-Stiefeln zurück in die schlimmste pubertäre Phase. Ich fand deine Storys immer recht erfrischend. Aber langsam wird es öde...
Lass den Typen auf Bergen rum krackseln und kümmere dich um DICH! Oder darum, dass die Sache mit SSMSS endlich ins Rollen kommt... ;-)
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Muss ich mein Trinkgeld bei der Steuererklärung angeben?
Offiziell gibt es seit 1974 im Gastgewerbe kein Trinkgeld mehr und damit auch nichts zu deklarieren. In der Praxis ist es etwas komplizierter.

In den 70er Jahren einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände auf die Formel «Service inbegriffen». Bedeutet, dass die Arbeitgeberin die Serviceleistung mit dem Lohn abgilt und der Gast diese nicht zusätzlich bezahlen muss. Klarheit geschaffen wurde damit aber nie, da das Trinkgeld nur theoretisch, nicht aber praktisch abgeschafft wurde. Mit der immer häufigeren digitalen Überweisung des Trinkgeldes kommt diese langjährige Praxis nun auch immer deutlicher ans Licht.

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