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Vermutlich trinkst du Bourbon falsch. So geht’s richtig – in 5 Schritten

Matthew McConaughey
Courtesy of Wild Turkey https://www.wildturkeybourbon.com/
Am besten mit einem guten Kumpel zusammen trinken. Und wenn dieser Kumpel Matthew McConaughey heisst, umso besser.
Bild: wildturkeybourbon.com

Vermutlich trinkst du Bourbon falsch. So geht's richtig – in 5 Schritten

Nein, du musst weder Nerd noch Whisky-Snob sein, um mehr Genuss in deinen Alltag zu holen.
09.03.2024, 19:2009.03.2024, 19:29
Oliver Baroni
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Ach, wie oft muss man sich beim Thema Whisky mit Platitüden und Halbwahrheiten herumschlagen! Single Malt Scotch sei qualitativ «besser» als Blended Scotch, hört man etwa gerne (nö – das hat mit Qualität nichts zu tun, sondern mit Beständigkeit). Oder: Je obskurer ein Brand, umso «edler» (nö, an einem hundskommunen J&B etwa gibt es null Einschränkungen bezüglich Qualität). Hey, meist sind solche vorschnell gezogenen Schlüsse einzig in der Preisetikette begründet.

Und zu Irish Whiskey (ja, mit «e» – dazu unten mehr) haben die wenigsten eine Meinung, ausser, dass man Jameson bekommt, wenn man an der Bar eine Runde Shots bestellt. Mit amerikanischem Bourbon verhält es sich ähnlich: «Ist das nicht das Zeugs, das man mit Cola mixt?»

Goldeneye M James Bond 007 Pierce Brosnan Judi Dench https://www.youtube.com/watch?v=tEujAIjTldk
007: «Ihr Vorgänger hatte stets einen Cognac in der obersten Schublade ...»
M: «Ich bevorzuge Bourbon.»

Bild: youtube

Räumen wir doch mit ein paar Vorurteilen auf! Es gibt vorzügliche Whiskys in jeglicher Preisklasse. Und diese kommen aus aller Welt. Aus den USA etwa – womit wir beim heutigen Thema wären: Bourbon, Baby!

Ach, übrigens: WhiskY oder WhiskEY? Ist das nicht dasselbe, einfach anders geschrieben?
Kommt drauf an. Grundsätzlich umschreibt der Begriff Whisky/-ey eine Spirituose, die durch Destillation aus Getreidemaische gewonnen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereift wird. Darunter versteht man diverseste Unterkategorien wie Scotch, Irish, Bourbon, Tennessee, Rye oder Canadian. Die Herstellung dieser einzelnen Varianten wird aber von der Regierung des jeweiligen Ursprungslandes reglementiert. Dadurch ist etwa Canadian Whisky ein deutlich anderes Getränk als etwa Scotch.
Es gibt aber keine global geregelte Buchstabierung. Die Faustregel lautet: Whisky aus Ländern ohne E (Scotland, Canada, Japan) wird ohne E geschrieben, Whiskey aus Ländern mit E (UnitEd StatEs, IrEland) mit.
Gern geschehen!

Nun, wie trinkst du deinen Bourbon?

Nein, trink deinen Bourbon nicht als Shot. Und auch nicht im Whiskey-Cola (Rum passt eh besser zu Cola). Ich würde sogar weiter gehen und behaupten: Bourbon ist kein Partydrink.

christina hendricks bourbon rotschopf redhead
Okay, ... Christina Hendricks darf natürlich ihren Whiskey trinken, wo und wie auch immer sie will.

Trink deinen lieber zu Hause. Gemütlich mit Freunden. Dazu musst du dich nur an diese knappen Empfehlungen halten:

Lies die Etikette!

Um als Bourbon zu gelten, muss ein Whiskey ein paar Auflagen erfüllen: Er muss in den USA hergestellt werden (nein, nicht zwingend in Kentucky, obwohl sich dort bis heute die meisten Destillerien befinden). Er muss aus einem Destillat einer Getreidemischung von mindestens 51 Prozent Mais hergestellt werden (daneben sind meistens Roggen oder Gerste enthalten). Weitere Vorgaben sind der Alkoholgehalt, der bei der Herstellung 80 Prozent nicht übersteigen und zu Beginn der Reife nicht mehr als 62,5 Prozent betragen darf, und die Lagerung in neuen, angekohlten Eichenfässern. Letzteres etwa ist ein wichtiger Unterschied zu Scotch, der in ehemaligen spanischen Sherry-Fässern oder – ha! – amerikanischen Bourbon-Fässern gereift wird, die vorher mit Schwefelkerzen gereinigt wurden.

knob creek bourbon whiskey whisky
«Straight», «small batch», «aged nine years» – da weiss man schon mal was.
Bild: watson/obi

Trotz dieser Vorgaben bleibt Bourbon eine eher breit gefächerte Spirituosen-Kategorie, die für den Novizen zuweilen etwas unüberschaubar wirken kann. Aber alleine schon die Lektüre der Flaschenetikette gibt einiges an Info her. Gewiss, in einigen Fällen sind diese Informationen verschlüsselt, wie etwa beim traditionellen Buchstaben-Code, den Four Roses verwendet, um den Ort der Destillation, den Hefestamm, ob es sich um reinen Bourbon handelt und so weiter anzugeben. Bei High West etwa wird aber die Getreiderezeptur angegeben und ob der Bourbon oder Rye von den Grossdestillerien MGP Indiana oder Heaven Hill stammt oder in-house selbst destilliert wurde.

Nun, niemand verlangt von dir, über Nacht zum nerdigen Connaisseur zu werden. Für den Anfang achte einfach auf den Begriff «Straight Bourbon», was bedeutet, dass dem Produkt kein anderes Destillat beigemischt wurde. Und als zweiten Schritt guckst du mal auf die Altersangabe auf dem Etikett, falls die vorhanden wäre. Laut Gesetz muss ein Straight Bourbon mindestens zwei Jahre lang gereift sein. Ist der Whiskey älter, wird der Brand dies mit «aged» kennzeichnen wollen. Vor allem, wenn er von einem neueren Hersteller stammt, ist der Bourbon eher jung – was aber der Qualität und dem Genuss nicht zwingend abtut.

Was uns zum nächsten Punkt bringt:

Achte auf Preis/Leistung!

«Wenn du mehr als 40 Dollar ausgibst, machst du was falsch.» Diese Aussage von Whiskey-Unternehmer Beau Williams im Interview mit Liquor.com liegt nun ein paar Jahre zurück und müsste deshalb wohl ein klein wenig nach oben korrigiert werden, aber im Kern ist sie weiterhin korrekt: Alles über 50 Stutz ist nur für Nerds interessant.

wild turkey maker's mark bourbon whiskey trinken drinks usa alkohol http://oino.site/user/fluidtype
Bild: oino.site

Gewiss, für Sammler gibt es Extra-Aged-Small-Batch-Pappy-Van-Winkle-Abfüllungen für Zighunderte Dollar zu haben. Doch für kleinere Budgets bis zu 50 Franken pro Flasche findet man qualitativ Grossartiges. Einen Wild Turkey 101 Proof, etwa. Oder Maker's Mark. Oder die Produkte der Heaven's Hill Destillerie (Evan Williams, Larceny u. a.).

Diese Weisheit gilt übrigens für andere Spirituosen ganz allgemein. Nach einem Schluck Schnaps aus einer dreihundert Franken teuren Flasche ist man nicht zehnmal glücklicher als nach einem Schluck aus einer für dreissig Franken. Just sayin'.

Du hast dir nun also was Feines gekauft. Auf welche Art trinkst du ihn nun?

Lass das mit den Shots sein!

Wie bereits erwähnt, Bourbon ist kein Partydrink. Viel besser schenkst du dir etwas davon in ein stinknormales Rocks-/Old-Fashioned-Glas ein und nippst daran.

Whisky whiskey bourbon rye scotch glencairn glass glas trinken alkohol
Bild: Shutterstock

Oder, noch besser, gerne auch in einem klassischen schottischen Glencairn Glass.

Keine Angst vor Wasser oder Eis!

Straight up oder on the rocks? Beides. Bourbon-Whiskeys haben in der Regel starke, eindeutige Geschmacksnoten, die sich nicht durch ein paar Eiswürfel einschüchtern lassen.

whisky whiskey on the rocks eiswürfel trinken drinks alkohol
Bild: Shutterstock

Bei höheren «proofs» (= Brände mit höheren Alkoholanteilen) darf man analog wie bei einem guten Scotch einen Gutsch Wasser beigeben. Hey, schliesslich leitet sich das Wort Whisk(e)y vom gälischen uisge beatha ab, was so viel bedeutet wie «Wasser des Lebens» (uisge = «Wasser», beatha = «Leben»).

Probier mal einen Old Fashioned!

Ja, auch hier gilt: Dank der starken Geschmacksnoten lässt sich Bourbon durchaus als Cocktail geniessen. Nein, wir reden hier nicht von Whiskey-Cola. Hier geht es um die altehrwürdigen Klassiker: Old Fashioned. Sazerac. Manhattan. Ihr wisst schon.

So geht der Old Fashioned:

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Bild: homebargirl.com
1 Würfelzucker
2–3 Spritzer Angostura Bitters
1 TL Wasser
5 cl Bourbon
Orangenzeste und 1 Cocktailkirsche zum Garnieren
Bei Bedarf etwas Sodawasser
In einem Rocks-Glas Zuckerwürfel, Angostura und einen Teelöffel Wasser mit einem Barlöffel vermischen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Danach gibt man die Orangenscheibe und Cocktailkirsche mit in das Glas und füllt dieses mit Eiswürfeln auf. Whiskey und bei Bedarf ein wenig Sodawasser dazugeben und vorsichtig umrühren.

Und so der Sazerac:

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Bild: shutterstock
1 Würfelzucker
1–2 Spritzer Peychaud's Bitters
1 TL Wasser
5 cl Bourbon (oder Rye Whiskey oder Cognac)
1 TL (zirka) Absinthe
Zitronenzeste zum Garnieren
Ein Rocks-Glas mit Eis füllen und beiseitestellen. In einem zweiten Rocks-Glas (oder einem Cocktail-Shaker) den Zucker mit Bitters tränken und mit etwas Wasser verrühren. Whiskey hinzufügen, mit Eiswürfel auffüllen und rühren. Vom ersten Glas das Eis entsorgen und innen mit dem Absinthe benetzen (horizontal drehen, sodass die Innenfläche vollständig getränkt ist). Den Inhalt des zweiten Glases in das erste abseihen. Mit einer Zitronenzeste abspritzen und dazugeben.

Und so ein Manhattan:

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Bild: shutterstock
5 cl Bourbon
2 cl roter Vermouth
1–2 Spritzer Angostura Bitters
1 Maraschino-Kirsche zum Garnieren
Cocktailglas mit Eis vorkühlen (oder gleich im Kühlfach). Whiskey, Vermouth und Angostura in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und 30–45 Sekunden lang gut rühren (nicht schütteln). In das vorgekühlte Cocktailglas abseihen und mit einer Maraschino-Kirsche garnieren.

Drinks-Historiker werden nun argumentieren, dass die obigen Cocktails aus einer Epoche stammen, in der Rye Whiskey die Norm war, weshalb man auch heute noch diesen dafür verwenden kann oder soll. Und beim Sazerac gibt es Option Cognac statt Whiskey. Fakt ist, aber, dass klassische Whiskey-Cocktails mit einem guten Bourbon hervorragend klappen.

Rye Whiskey? Mmmh. Auch gut. Aber das ist ein anderes Thema:

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83 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Statler
09.03.2024 19:43registriert März 2014
Danke Baroni! Ich bin froh, dass man endlich Bourbon trinken darf, ohne von den Single Malt Jüngern gesteinigt zu werden 😂

Nur eine Bitte: wer einen Old Fashioned macht (gerne mit Maker's Mark) soll doch um Himmels Willen diese grauenhafte Cocktailkirsche weglassen. Die sind einfach nur bäh - und das nicht nur in einem Old Fashioned.

Prost!
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Heinzbond
09.03.2024 20:32registriert Dezember 2018
Also bis zum Bild von Christina Hendricks bin ich gekommen, und jetzt sehe ich der Grund Fehler den ich mache ist meinen Bourbon ohne Christina Hendricks zu trinken... Keine Ahnung wer das ist, aber ich möchte sie gerne beim Gläschen Bourbon kennenlernen....
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