DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Alle 17 Acts im 1. ESC-Halbfinale samt Ukraine, Schweiz, heulenden Wölfen und Maiden

Hier der Schnellcheck aller Kandidatinnen und Kandidaten vom 10. Mai. Natürlich in der Startreihenfolge. Wir werden die beiden Halbfinale am 10. und 12. Mai und das Finale am 14. Mai jeweils ab 21 Uhr live tickern. Und freuen uns auf eure Beteiligung.
07.05.2022, 17:11

Albanien

Ronela Hajati, eine Blondine mit komplexer Frisur (hat sie sich einen Rechen auf den Kopf montiert?) und angenehm rauer Stimme eröffnet den Wettbewerb mit folklostisch durchzogenem ESC-Stampf. In «Sekret» besingt sie eine geheimnisvolle Affäre – im Video ganz klar im «Game of Thrones»-Look. Also mächtige Frau mit muskulösem Mann. Am Ende verwandelt er sich in einen Autostöppler. Auf der Bühne wird sich das alles weit schlichter ausnehmen.

Lettland

«Lettuce from Lettland» wird ganz gewiss irgendein britischer Kommentator witzeln, Salat aus Lettland, denn die Boyband Citi Zēni präsentiert eine vegane Hymne mit etwas blöden Bläsern. «Green is sexy as fuck!» Der Songtitel? «Eat Your Salad». Alles klar.

Litauen

«Sentimentai» heisst ... Gefühle! Wer hätte das gedacht! Monika Liu singt etwas, das von der Stilistik her wohl stark von französischen Chansons beeinflusst sein sollte.

Schweiz

Was lernen wir? Auch Jungs weinen! Und wie! Aber ist uns das nicht schon letztes Jahr mit Gjon's Tears (dem Gjon seine Tränen) klar geworden? Ist das wirklich neu? Oder: Wieso zelebrieren die lonely Jungs from Switzerland so gern das Image des Brüelilätschs? Marius Baer singt «Boys Do Cry», und das klingt trotz Tränen im Refrain nach einem leichten neuen Radioklassiker für die Weihnachtszeit. Auch die Frisur erinnert irgendwie ein bisschen an George Michael in «Last Christmas».

Slowenien

Leider in jeder Hinsicht langweilig, auch wenn die sechs Jungs der Nachwuchsband LPS herzig sind. Aber so wenig Kraft hatte «Disko», wie ihre Nummer heisst, selten.

Ukraine

Ja, es ist ein Ohrwurm, ein Statement und der sichere Gewinner – wer käme denn 2022 in einem gemeinsamen Umarmungsakt gegen das ausgeschlossene Russland in Frage ausser dem Kalush Orchestra? Die Liebeserklärung der Ethno-Rapper an eine Mamma namens «Stefania» (es gibt sie wirklich, es ist die weisshäuptige Mutter eines Bandmitglieds) ist natürlich auch eine Liebeserklärung an die Heimat, mit der man ein Leben lang verbunden bleibt. Überraschend rührend und poetisch, wenn man den Text in einer Übersetzung liest.

Bulgarien

Was ist denn das? Rockende Coiffeurleugner über 50? Von einer Herren-Kapelle, die sich Intelligentes Musik Projekt aka Intelligent Music Project nennt, haben wir etwas mehr erwartet. Aber es geht schliesslich um die Absicht. Also die «Intention», wie ihre Nummer heisst.

Niederlande

Interessant! Im Video sehen wir eine junge Frau, die Probleme mit ihrem Kühlschrank, ihrer Poolreinigung und ihrem körpereigenen Licht hat. Sie heisst S10, also «Es tien» (von Stien), und singt eine schöne, autobiografische Depro-Ballade mit dem Titel «De Diepte», die Tiefe, über die unvorstellbare Tiefe ihrer Depression. Erneut ein guter Beitrag der Niederlande, die den ESC bereits fünf Mal für sich entscheiden konnten.

Moldau

Moldau liegt zwischen der Ukraine und Rumänien und schickt bereits zum dritten Mal die Band Zdob și Zdub ins Rennen. Erinnert sich jemand an die trommelnde Oma 2005? Die war damals Teil dieser sogenannt «schrägen Vögel». Jetzt sind sie um die Brüder Advahov ergänzt, ihr Song heisst «Trenuleţul» und erzählt die Geschichte geografischer und musikalischer Grenzüberschreitungen: Ein Zug passiert Landesgrenzen, eine Band verschränkt Rock'n'Roll mit Folklore.

Portugal

Was singt eine Portugiesin? Natürlich «Saudade, saudade», Sehnsucht, Sehnsucht. Maro macht das so, dass man ihren Song unbeschadet zum Frühstück hören kann, er ist wie ein Café Latte mit sehr viel Latte. Ein simpler Gehörgangschmeichler, den man auch easy fürs eigene Sing-Grüppli an einem Abend um die Feuerschale adaptieren kann.

Kroatien

Was ist bloss mit den Damen los? Nach Albanien suhlt sich jetzt auch Kroatien in einer sündigen Affäre. «Guilty Pleasure» heisst denn auch Mia Dimšićs Nummer, ein Liedchen, das sie auch nicht unter die Top Ten bringen wird. Aber man schaut ihr und ihrem Tänzer immerhin gerne zu.

Dänemark

Bei aller Freude über eine Frauenband – sind wir ready für Reddi? Hmmmm, nein danke, lieber nicht. Was soll die doofe 70er-Jahre-Verkleidung? Ist das ironischer Pop-Feminismus? Auf jeden Fall dreht sich «The Show» um die Show, die starten, weitergehen und sowieso existieren muss, es geht wohl auch um Selbstermächtigung, doch dem Dreifachsieger Dänemark ist heuer ganz sicher kein Podestplatz (hinter der Ukraine) gewiss.

Österreich

Damit dürfte es Österreich nicht ins Finale schaffen. LUM!X & Pia Maria und – hallo! – «Halo». Den gleichen Titel gibt's auch von Beyoncé. Hat die schon geklagt?

Island

Sie heissen Sigga, Beta und Elín Eyþórsdóttir, nennen ihre Band Systur (Wetten, das heisst «Schwestern»? Ja! Wette gewonnen!) und singen «Með hækkandi sól», mit der aufgehenden Sonne, das versteht sich ja von selbst. Hübsch! Wie wenn ein paar Gesangslehrerinnen auf ganz guten Drogen abgespacten Emo-Country machen würden.

Griechenland

Hier haben wir eine Griechin, die nach Norwegen ausgewandert ist, jetzt für Griechenland singt und wohl nicht ungern Billie Eilish hört und spürt. Was sich dann aber leider doch nur im Anfang von Amanda Georgiadi Tenfjords «Die Together» niederschlägt. Klar, dass ein Song über einen gemeinsamen Liebestod pathosbesoffen sein muss.

Norwegen

«Before that wolf eats my grandma, give that wolf a banana», mag unschwer der genialste Nonsense-Refrain dieses Jahrgangs sein. Die Deutungen darüber sind ebenso skurril wie das noch nicht mit Namen geoutete Duo Subwoolfer und sein Song: Der Wolf, so wird gemunkelt, könnte Corona und die Banane eine Impfung symbolisieren. Oder ganz was Anderes. Musikalisch konventionell, textlich und performativ dafür schön rätselhaft.

Armenien

Rosa Linn zeigt im Video zu «Snap» sehr schön, wie man sein Haus mit wenigen Handgriffen zu einem Luftschiff umfunktionieren kann. Wahrscheinlich ein uralter armenischer Volksbrauch. Ein routinierter Mädchen-mit-Gitarre-Song, der Armenien trotzdem wieder einmal nicht ins Finale bugsieren dürfte.

Diese 5 erhalten im Finale (leider) sowieso einen Startplatz:

Italien

Was ist los, Italien! Letztes Jahr gewann die sexy Combo Måneskin – unsere Sarah Serafini und die Tochter von Oliver Baroni stehen obsessiv auf die Band –, 2019 war Mahmood mit seinem sozialkritischen «Soldi» zweiter geworden. Und jetzt kommt erneut Mahmood zusammen mit dem erst 18-jährigen Blanco und ihrer doch einigermassen bewegenden queeren Liebesend-Ballade «Brividi» (Schauder). Das wird für die Top Five easy reichen.

Deutschland

«Rockstars» von Malik Harris klingt so dermassen nach einem Mashup aus Dutzenden von Mainstream-Nummern, dass wirklich kein Funken von Eigenleben darin zu entdecken ist. Dafür endlich mal okay gesungen, was sich von den deutschen Beiträgen ja seltenst behaupten lässt. Wahrscheinlich reicht es für einen ehrenvollen dritt- oder gar viertletzten Platz.

Frankreich

Die wunderschöne Barbara Pravi schaffte es letztes Jahr mit ihrem wunderschönen Chanson «Voilà» bekanntlich ganz, ganz, ganz knapp vor der Schweiz auf den zweiten Platz. Und jetzt? Alvan & Ahez präsentieren den bretonischen Folk-Trance-Grusel «Fulenn», was Funke oder schönes Mädchen heissen soll, aber keins von beiden vor dem inneren Auge auferstehen lässt. Ein guter Moment für eine WC-Pause.

Spanien

Chanel (wie man in Spanien eben so heisst) besingt in «SloMo» ihren «booty hypnotic» und twerkt sich einen ab, und das bleibt einem bei aller Beweglichkeit so dermassen nicht in Erinnerung, dass uns jetzt schon nichts mehr dazu einfällt.

Grossbritannien

Man darf ruhig grosse Vorbilder wie David Bowie, Freddie Mercury und Elton John haben – aber man darf sich nicht an ihnen vergehen! Für Sam Snyders «Space Man» gilt, womit Nicole 1981 die deutsche ESC-Vorentscheidung nicht schaffte: «Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund, die Sonne brennt dort oben heiss. Wer so hoch hinaus will, der ist in Gefahr!»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

2014 feierte zwei Senkrechtstarts: watson und Conchita Wurst

1 / 12
Senkrechtstart – Conchitas Jahr nach ihrem ESC-Sieg
quelle: scanpix denmark / nikolai linares
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Schweizer Song gewinnt deutsche Vorausscheidung für den ESC

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

32 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Frère Jacques
07.05.2022 17:32registriert Juli 2018
Wo Maiden, was Maiden, Iron Maiden?
310
Melden
Zum Kommentar
32
Nach 35 Jahren: Brad Pitt denkt über Karriereende nach
Schon lange ist er nicht mehr aus der Filmbranche wegzudenken. Doch das scheint sich bald zu ändern. Brad Pitt macht sich Gedanken über seine Zukunft.

1987 drehte er seinen ersten Film. Damals war Brad Pitt Anfang 20 und ein noch völlig Unbekannter in Hollywood. Das änderte sich dann Anfang der Neunzigerjahre, als der Mime aus Oklahoma in dem Film «Thelma & Louise» den jungen Liebhaber von Geena Davis spielte.

Zur Story